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Samstag, 22. Februar 2014

MUST LOVE DEATH (2009 Andreas Schaap)


Musiker Norman durchlebt zur Zeit ein seelisches Tief. Gerne würde er sich umbringen, bringt es jedoch nie fertig. Also verabredet er sich mit Gleichgesinnten aus dem Internet  zum gemeinsamen Suizid. Diese entpuppen sich jedoch als Psychopathen, die Norman in eine Falle gelockt haben um ihn zu quälen...


Folter oder nicht Folter?...

Ein wenig guckt sich der deutsche Film, der auf dem DVD-Cover damit wirbt eine romantische Folterkomödie zu sein, wie der zwei Jahre zuvor erschienende „Murder Party“, auch wenn der ahnungslose Teilnehmer einer brutalen Aktion dort nicht Selbstmord-gefährdet war. Allerdings bietet das deutsche Werk im Gegensatz zum Vergleichsfilm etwas mehr Handlung, die er, so gerne er ein weiterer „Pulp Fiction“ wäre, in einem nicht chronologischen Ablauf erzählt. Zudem verweisen die Schrift im Abspann und die Art des Sounds auf eine Verbeugung vor Quentin Tarantinos erstem großen Wurf, die wahre Qualität mit diesem mitzuhalten fehlt freilich komplett.

Mit „Murder Party“ kann er es hingegen locker aufnehmen, macht er doch mehr Spaß als dieser, auch wenn es mich immer ein wenig traurig stimmt, wenn ein deutscher Film nicht deutsch wirken will. Die Verweigerung eines Titels in unserer Landessprache ist man schon von ganz anderen Werken gewöhnt, selbst welchen wie „Blueprint“, die in ihrer Erzählform deutsch sind. Bei „Must Love Death“ kommt noch der ausländische Handlungsort hinzu, der zumindest aber auch authentisch jenseits von Deutschland gedreht wurde und der amerikanische Stil, der nur wenig deutsche Mentalität durchschimmern lässt. Zwar ist Schaaps Film kein US-anbiedernder Klon a la „Die Nacht der lebenden Loser" geworden, aber auch kein augenzwinkerndes Spiel mit Ami-Klischees im deutschen Gewand wie Til Schweigers unterschätzter „Der Eisbär“.

Akzeptiert man einmal was „The Less Alive“ (Alternativtitel) darstellen möchte, kann man durchaus Spaß mit ihm haben. Dank der zeitlich wild durcheinander gewürfelten Erzählweise braucht man trotz des simplen Inhaltes ein wenig bis man sich orientiert bekommt, aber das ist eine Herausforderung die sich rentiert, wird man doch mit lustigen Situationen, schrägen Charakteren und sympathischen Helden belohnt, welche die in den Nuller Jahren nicht gerade neue Idee, so frisch sie im Werbespruch auch klingen mag, schmackhaft machen. Die Identifikation im romantischen Bereich ist gegeben, so dass man zwischen all den Folterszenen und dem makabaren Humor durchaus emotional angesteckt wird, was schon ein gewisses Talent von Seiten der Geschichtenerzähler erfordert.

Interessanter Weise weiß im Gegenzug der schwarze Humor an mancher Stelle nicht zu wirken, da dem Opfer zu fies mitgespielt wird, so dass man mit ihm mitleidend oft gerade gar keine Lust mehr hat über diverse Situationen zu lachen. Dafür sind die Dinge, welche die Psychopathen mit ihm anstellen, zu weit entfernt von der übertriebenen „Saw“-Mentalität und zu nah dran am alltäglichen Empfinden des Zuschauers, der in unblutigen Bildern, wenn dem Opfer beispielsweise nach und nach gnadenlos die Finger gebrochen werden, mehr zusammenzuckt als in den Bildern in welchen der Lebenssaft fließt, Szenen die zwar nie die Härte heutiger Standard.-Produkte erreichen, sich den Siegel der FSK 18 aber dennoch verdient haben, auch wenn brutalste Taten im Off geschehen.

Ein wenig auf „Zero Boys“-Spuren wandelnd werden die Taten der Psychos auf Video aufgenommen. Die im hier besprochenen Film tätigen Geisteskranken drehen eine Art Reality-Show, der sie den Titel „Folter oder nicht Folter“ geben. Die beiden Schauspieler verkörpern ihre Rolle jeweils recht spielfreudig, und kleine Stilbrüche im Bild der Stereotype verhindern, dass sie zu sehr im Klischee baden.

Um wahre Kult-Figuren zu werden fehlt ihnen jedoch das Potential, aber das betrifft ohnehin den kompletten Film, der zwar Freude bereitet, aber nie gut genug wird um ihn tatsächlich als mehr zu würdigen als das was er ist: nette Kost für zwischendurch. Und damit wäre auch alles wichtige erwähnt! Wer Spaß an solchen Stoffen hat, kann ruhig zugreifen. Unterhalten wird man hier durchaus. Aber einen zu wenig beachteten Kult-Film erlebt man mit „Must Love Death“ definitiv nicht.


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