Dienstag, 17. Juni 2014

THE NEW DAUGHTER (2009 Luis Berdejo)


John zieht nach der Scheidung mit seinen beiden Kindern in ein abgelegenes Haus. Ein Hügel nahe dem Grundstück hat es der Teenager-Tochter des Mannes angetan. Und als diese sich verändert und wunderlich benimmt forscht John nach...


Angriff der Lichtausmacher...

Rein handwerklich souverän umgesetzt weiß der sympathisch fotografierte Film zunächst trotz und wegen seines konventionellen Einstiegs in eine klassische Horrorgeschichte zu gefallen. Da gibt es den Vorsitz der Familie, ein großes und ein kleines Kind, die vergangene Familientragik, der Umzug in die Fremde, Ferne und Einsamkeit und das alles gekleidet im konservativen Weltbild, welches das Heil der Familie nicht hinterfragt, als höchstes Gut in die Geschichte einzementiert, und auch das ist gut so bei einem solch klassischen Einstieg in einen Horrorfilm.

Spukfilme beginnen recht häufig ähnlich, und es mag sein dass man sie nur bedingt als unsinnig empfindet, weil sie seit je her so verfilmt werden wie auch „The New Daughter“ beginnt. Monsterfilme sind in Amerika im Vergleich die beliebteren, und auch sie haben üblicher Weise klassische Erzählstrukturen denen sie folgen, häufig absichtlich charmant trashige. Will ein Monsterfilm zu stilvoll daher kommen, muss man schon ein gutes Händchen besitzen, rutscht eine solche Story doch viel schneller in den Schundbereich ab als der unsichtbare Spuk. Und was soll man sagen? So ist es leider auch mit dem hier besprochenen Streifen geschehen.

Alles ist professionell produziert und umgesetzt und in der Theorie zunächst einmal auch gelungen. Dass Papa sich über den Wandel seiner Tochter wundert, noch bevor wundersame Dinge geschehen, kann man noch dem konservativen Grundton zuschreiben, der einfach davon ausgeht, dass richtig immer die klassische Norm bedeutet und ein Kind dieses Alters noch nicht genug eigenen Charakter besitzen darf. Das ist engstirnig und weltfremd, aber es passt zumindest zu der Figur die Kevin Costner verkörpert, soll also durchaus akzeptiert sein.

Leider, leider verkommt eine Geschichte, die im übertragenen Sinne als tolle Metapher für Drogen, Sekten und anderen Gefahren der Jugend hätte interpretiert werden können, immer mehr zur Farce, je mehr John der Wahrheit näher kommt. Die Geschichte wird unsinnig, angelehnt an Stoffen wie „Gate Of Darkness“ oder „The Tribe“ von einer unbekannten Lebensform erzählend, nicht immer wissend welche Rolle die Tochter in dem ganzen Simsalabim nun eigentlich spielen soll, bis alles ziemlich unklar und nur halb angedeutet endet. Nicht immer wird dem klassischen Erzählmuster gefolgt (so darf ein (gar nicht mal wirklich) herangezogener Experte diesmal nur ein paar Infos kundtun, ohne weiteres mit der Geschichte zu tun zu haben), meistens aber doch, dann aber in den wichtigsten Momenten nur zu kurz angeschnitten.

Neben der ollen Indianer-Mystik und dem Klischee der Vorgeschehnisse im Haus, die zu einer fast unnötigen Szene führen, in welcher John auf den Vorbesitzer stößt, wird vor allen Dingen jener Eckpfeiler vernachlässigt, der John dazu bringen soll im Finale aus Liebe zur Tochter etwas unglaubliches zu bewerkstelligen. Ja, das Cover erzählt davon, dass die Geschichte in einer solchen Entscheidung münden wird, und der Vorbesitzer deutet auch etwas in dieser Richtung an, was John zu diesem Zeitpunkt nicht nur nicht wahr haben will, sondern auch noch moralisch falsch versteht. Aber der Weg und der innere Konflikt vom normalen Familienvater zu einer solch extremen Entscheidung wird ebenso brutalst vernachlässigt, wie der tatsächliche Wandel von der Ur-Tochter zur veränderten.

„The New Daughter“ ist ein Theorie-Film. Immer weiß man was der spanische Regisseur Luis Berdejo in seinem ersten Langfilm erzählen möchte, aber auch nur weil man diese Elemente richtig umgesetzt aus vielen anderen Filmen bereits kennt. Über Ansätze kommt die Geschichte nie hinaus, meist weil dem guten Mann lobenswerter Weise die Atmosphäre wichtiger ist als das tatsächlich Erzählte. Bis hin zu einer Extreme im Lucio Fulci-Stil a la „Das Haus an der Friedhofsmauer" ist so etwas im Horrorfilm ja durchaus möglich. Aber wie will eine dichte Atmosphäre fruchten, wenn die Story, die mit der Zeit aus dem Grundgerüst heraus bricht, Stoff für einen Trash-Film wäre, der die theoretisch so professionelle Umsetzung einer Großproduktion für den Massenmarkt weder nötig gehabt hätte, noch von dessen Vorteilen zu zehren weiß?

„The New Daughter“ ist die falsche Story im falschen Kostüm, sicherlich trotz des eigentlichen Scheiterns ansehnlich, aber leider nicht einmal auf schlichte Art gelungen. Der Film ist nichts Halbes und nichts Ganzes, lebt aber durchaus zum Großteil von der hervorragenden Leistung der Darsteller und der Techniker. Der inhaltliche Unsinn selbst, der sich mit der Zeit immer mehr herauskristallisiert, weiß in der Verkleidung eines konservativen, stilvollen Gruslers leider weder auf charmante noch auf unfreiwillig komische Art zu unterhalten. Was bleibt ist halbgarer Schnellverzehr, der schnell wieder vergessen ist. Schlecht umgesetzter Trash hätte da wesentlich mehr Freude bereiten können als ein Film, der sich überschätzt.


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Kommentare:

  1. Hatte leider auch bis zum Schluss das Gefühl, dass alles nur angerissen blieb, trotz dieser aufwendigen Produktion. Was mir ein Rätsel ist, dachte für sowas gibt es in der Größenordnung Testpublikum?

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    1. Wobei die Fälle, die mir von Veränderungen aufgrund eines Testpublikums bekannt sind, immer negative Auswirkungen auf einen Film hatten. Ich denke mal damit wäre dem Film nicht geholfen gewesen. Hollywood und gerade Großproduktionen leben halt nur noch von Drehbuchautoren, die formelhaft Bewährtes übernehmen ohne deren Psychologie verstanden zu haben. Das sehe ich als das eigentliche Problem solcher Produktionen an.

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