Mittwoch, 25. Juli 2012

IRON MAN (2008 Jon Favreau)


Der Waffenhersteller Tony Stark gerät in Kriegsgefangenschaft, was seine bisherige egoistische Lebensweise über Bord wirft, so dass er sich nach der Befreiung, die er mittels eines selbstgebauten mit Waffen und Flugmechanismus angereicherten Metallanzuges erlangt, dem Guten zuwendet. Hierfür konstruiert sich der Großindustrielle eine wesentlich kniffeligere Variante des besagten Metallanzuges. Sein Erzrivale baut sich jedoch ebenfalls einen...


Auge um Auge und Stahl um Stahl...

Seit des großen Erfolges von „Spider-Man“ packen die Filmstudios von Marvel immer wieder neue Comic-Superhelden aus, die das scheinbar nimmersatte Publikum auch immer wieder herzlichst an den Kinokassen begrüßt. Der Hype will nicht abbrechen, und so gibt es immer mal mehr oder weniger konstruierte Helden zu sichten, immer mal düstere und buntere, tiefsinnigere und oberflächliche, die komplette Palette an Eigenschaften wurde bereits abgegrast. Der nicht verfilmten Helden aus den kunterbunten Printmedien gibt es noch zu genüge.

„Iron Man“ versucht sich in der Nische des etwas erwachseneren Stoffes seines Sub-Genres, scheitert streng genommen aber ebenso wie das viel zu verspielte „X-Men“-Universum an der selbst gesetzten Messlatte. Bislang gelang es meiner Meinung nach ohnehin erst mit „The Dark Knight“ einen Superhelden möglichst erwachsenengerecht auf die Leinwand zu bringen. Ob das zwingend sein muss, sei einmal dahin gestellt, schließlich wurden all diese Figuren für eine Leserschaft mit kindlicher Phantasiewelt überhaupt erst erfunden. Aber man versucht es immer wieder mehr zu sein als der schlichte Jugend-Film, so auch im hier besprochenen Werk.

Leider scheitert dieses Vorhaben trotz aktuellem politischen Bezug allein schon an den Figuren, deren Charaktere entweder zu oberflächlich oder zu sprunghaft aufgegriffen werden, um sie als Erwachsene ernst nehmen zu können. Sei es die von der talentierten Gwyneth Paltrow gespielte Assistentin Starks, die wie eine Edelnutte für ihren Herren und Meister alles tut (außer Sex, vielleicht doch kein so guter Vergleich), obwohl sie weiß, was ihr Chef für ein Arschloch ist. Heimlich himmelt sie ihn dennoch an. Mag sein, dass sie den guten Kern in Stark erkennt, bevor er ihn selbst erkennt, aber das wird wenn nicht sonderlich gut herausgearbeitet.

Stark selbst ist ein viel zu selbstverliebter, egomanischer Charakter, als dass man ihm den Wandel zum Weltverbesserer tatsächlich abkauft. Wie gesagt, ist es Kleinkrämerei darüber zu maulen, wenn man bedenkt aus welchem Medium all diese Figuren aufgegriffen wurden. Aber man sieht dem Film immer wieder an wie reif er sich geben will inmitten eines Genres das an den Kinokassen ohne großes Bummbumm und teurer Computereffekte keine Chance mehr bekommt. Da beißt sich der Fuchs in den Schwanz.

Zumindest hielt man sich in etwa an das Rezept der „Spider-Man“-Filme. Die Geschichte wird ironisch erzählt, was sich z.B. an dem aus dem Film mit dem arachniden Helden übernommenen Part erkennen lässt, in welchem wir zunächst eine höchst peinliche Variante des Superheldenkostüms präsentiert bekommen, bevor das wahrhaftige fertiggestellt ist. Selbst der Superheldenname Iron Man erhält in Bezug auf das tatsächliche Material, aus welchem der Anzug besteht, durch die zeitliche Überholung einen netten, kleinen Seitenhieb. Von dieser augenzwinkernden Erzählweise einmal abgesehen gibt es weitere Übereinstimmungen mit Spidie: Hauptcharaktere erfahren einen wichtigen Wandel durch ihre Berufung, es gibt Verrat auf sozialeigener Ebene und es ergibt sich eine Liebschaft, die unerreichbar scheint.

Der Parallelen gibt es genug, aber zünden will „Iron Man“ nicht so sehr wie der Spinnenmann. Sicherlich fällt die Identifizierung mit einem verzweifelten Teenager leichter als mit einem verwöhnten Großindustriellen. Aber das allein ist nicht der Grund warum sich Regisseur Jan Favreaus Ausflug ins Superhelden-Kino nicht so flüssig schaut wie sein jugendlicher Vorgänger. Ich denke es liegt in erster Linie daran, dass sich „Iron Man“ viel mehr dem Action-Genre zuwendet und den Dramenbereich zu weit herunterschraubt, um tatsächlich mehr als oberflächliches Interesse für den Stoff entfachen zu können.

So ist „Iron Man“ zwar ein unterhaltsamer Film, aber auch ein austauschbarer, einer, der einen nicht genug begeistern kann, um tatsächlich als besonderes Erlebnis in Erinnerung zu bleiben. Der Streifen ist nicht schlecht, langweilig wird es nie und manche Überraschung weiß zu gefallen, gerade eine am Schluss, welche die Regeln des Superhelden-Universums auf den Kopf stellt. Somit kann man sich „Iron Man“ ruhig einmal geben, aber das groß Kino-Event ist er in meinen Augen nicht geworden.


Nachtrag:
Die beiden Fortsetzungen haben mir wesentlich besser gefallen, so dass ich bei Zeiten noch einmal einen Blick auf Teil 1 werfen werde, um zu überprüfen ob meine mangelnde Begeisterung mit meiner Tagesform zusammen hing oder damit, dass Teil 1 eventuell tatsächlich ein schwacher Start war.


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