Schlombies Filmbesprechungen auf Facebook:

Sonntag, 21. September 2014

DIE SCHWARZEN ZOMBIES VON SUGAR HILL (Sugar Hill 1974 Paul Maslansky)


Sugar ruft den Voodoo-Geist Baron Samedi, der ihr helfen soll sich an den Mördern ihres Mannes mittels einer Untoten-Armee zu rächen...


Die Zombies aus dem Spinnwebwald...

Nach 5 - 10 Minuten dachte ich noch, ich würde diese in der Blaxploitation-Welle mitschwimmende Samuel Z. Arkoff-Produktion keine halbe Stunde aushalten, so unangenehm billig wie alles wirkte, so übel wie die Darsteller agierten und so schlecht wie das ganze synchronisiert war. Nun gut, die Deutschvertonung wurde im Laufe der Zeit nicht besser, und durch das Fehlen eines Untertitels konnten wir auch nicht auf die Original-Tonspur wechseln, aber der Film an sich wurde erträglicher. Zumindest wenn man sich an Baron Samedi gewöhnt hat, der als mächtiger Voodoo-Geist peinliche Grimassen zieht und alles andere als unheimlich oder mystisch wirkt.

Sein Schauspieler überagiert wie es jeder im Film tut. Und selbst die Verantwortlichen für die Maske schießen immer über das Ziel hinaus, sei es bei der Voodoo-Mutter, die man heute so nur noch des humorvollen Klischees wegen einbauen würde, oder das Outfit der Zombies, die mit ihren über die Augen gestülpten Silberscheibchen eher wie Insekten-ähnliche Außerirdische aussehen, als wie auferstandene Tote. Auch laufen sie, obwohl lobenswerter Weise bei der ersten Erweckung aus dem Erdboden kriechend, bedeckt mit Spinnweben herum. Aber all dies verleiht „Die schwarzen Zombies von Sugar Hill“ einen schrulligen Touch, ebenso wie die Haarmode schwarzer US-Bewohner, die später ja auch vom Zucker/Abrahams/Zucker-Trio all zu gerne verarscht wurde.

Erkennt man erst einmal wie völlig ungruselig der komplette Film gemeint ist und wie augenzwinkernd er freiwillige Komik umgeht, stört auch das Herumgekasper von Baron Samedi nicht mehr. Nein, es passt in einen Film, der von der Zeit völlig überholt wurde, nie so zu wirken weiß wie von Regisseur Paul Maslansky, der mit diesem Werk sein Debut und seinen einzigen Film ablieferte, ursprünglich sicher mal gedacht. Heute weiß  „Sugar Hill" (Originaltitel) nur noch als Mix aus stimmigen und unfreiwillig komischen Trash zu gefallen. Dies jedoch mit gewissen Abstrichen, denn so amüsant das muntere, meist Talent-lose Treiben auch sein mag: kurzweilig ist es nicht. „Sugar Hill - Herrin der schwarzen Zombies“ (Alternativtitel) guckt sich für einen großen Teil recht langatmig, und ist damit ein anstrengendes Stück Trivial-Kost, das man keinesfalls als zweiten oder dritten Film eines cineastischen Marathons konsumieren sollte.

Einen Blick wert ist er aber dennoch, kenne ich doch kein vergleichbares Werk in welchem manch stimmige Optik so hervorragend an albernem Überagieren scheitert wie hier. Da kann nicht einmal der besonders unsinnige „Die Rückkehr der reitenden Leichen“ mithalten, und das muss schon was heißen. Zwar bietet der grob gesehen alles was auch „Black Zombies From Sugar Hill“ (Alternativtitel) ausmacht, aber auf seine typisch schundige Europa-Art, auf die ich immer wieder treffe. „Voodoo Girl“ (Alternativtitel) hingegen schaut sich in seiner selbstherrlichen Mentalität für meine Augen völlig fremd. Es mag daran liegen, dass ich fast nie mit Blaxploitation in Berührung gekommen bin, andererseits kann ich mich nicht erinnern, dass der vor einer Ewigkeit von mir gesichtete „Dr. Black und Mr. Hyde“ so dick aufgetragen war wie hier beispielsweise die Rolle des ermittelnden Kommissars.

Sein Parallelstrang zur Rache nehmenden Witwe ist ohnehin der Motor, der „The Zombies Of Sugar Hill“ (Alternativtitel) zum laufen bringt. Seine ominösen Ermittlungen und Äußerungen gepaart mit den auch beim x-ten Auftauchen immer wieder gern gesehenen Spinnweb-Zombies, macht aus Maslanskys Werk trotz aller Anstrengungen ein sehenswertes Stück Trash, mit dem man sich jedoch arrangieren muss, um etwas mit dem ungewöhnlichen Stil anfangen zu können. Der Anfang stößt einen, zumindest als Fremder im Blaxploitation-Gebiet, vor den Kopf, aber mit der Zeit gewöhnt man sich an den hohen Gehalt an Naivität, Selbstüberschätzung und Hokuspokus-Mumpitz. Und wenn dieser Schritt erreicht ist, sollte der Streifen schließlich das Herz des Schund-liebenden Zuschauers erobert haben. Es wäre zu schade für diesen liebevoll scheiternden Film, wenn dies nicht geschehen würde.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen