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Mittwoch, 3. Dezember 2014

IN CHINA ESSEN SIE HUNDE (I kina spiser de hunde 1999 Lasse Spang Olsen)


Der Bankangestellte Arvid glaubt mit der Tat einen Bankräuber aufgehalten zu haben einen Fehler begangen zu haben. Deswegen sucht er seinen kriminellen Bruder Harald auf, den er schon Jahre nicht gesehen hat, damit dieser ihm dabei hilft einen Geldtransporter zu überfallen. Das Geld des Überfalls möchte er der Frau des von ihm niedergeknüppelten Bankräubers überlassen. Zwar verläuft die Aktion nicht planmäßig, aber das Ziel selbst wird erreicht. Erst der Versuch das durch den Banküberfall getrennte Pärchen zu vereinen, tritt eine Welle unerwarteter Vorfälle los...


Leg die Regeln selber fest...

Mittlerweile schon durch die beiden Vorgeschichten „Old Men in New Cars“ und „Too Fat Too Furious“ fortgesetzt, habe ich mich lange Zeit davor gedrückt „In China essen sie Hunde“ zu schauen, wissendlich dass mir dieser dänische Streifen von vielen Seiten aus empfohlen wurde. Die Story lockte mich nicht. Gaunerfilme sind nie meine erste Wahl, und die Welle humoristisch cooler Stoffe ließ mich glauben, auch Lasse Spang Olsens Werk könnte der typische Massengeschmack des alternativen Publikums sein. Nun habe ich „In China essen sie Hunde“ doch noch gesehen, freilich weil mich wer dazu überredet hat, und ich bin tatsächlich positiv überrascht. Der Film wird seinem Ruf gerecht und weiß in seiner Art tatsächlich zu überraschen.

Glücklicher Weise wusste ich aufgrund der vielen Jahre der Ignoranz nichts mehr von dem was man mir damals über die Handlung erzählt hat, somit war ich völlig unvorbereitet, was die ideale Vorraussetzung für einen Film ist, der sich ohnehin nicht an irgendwelche Spielregeln hält. Wenn gegen Ende die Erzählperspektive eine komplette Wandlung erfährt, überrascht das extremst, obwohl Olsens Werk schon zuvor des öfteren mit verschiedensten Ideen, ob radikalen oder sensiblen, zu überraschen wusste. Obwohl der Aufhänger der Story nicht gerade neu klingt, hat Olsen mit „I kina spiser de hunde“ (Originaltitel) doch ein recht individuelles Stück Film auf die Beine gestellt.

Das liegt unter anderem daran, dass zwar alles vor einem verbrecherischen Hintergrund und Milieu spielt, im Mittelpunkt aber der charakterliche Wandel des ruhigen Arvids steht, dessen veränderte Ansichten und neu gesetzten Grenzen, wenn auch aus einer Art geistigen Abwesenheit heraus begangen, zu einer mentalen Zusammenführung der sonst so unterschiedlichen Brüder führt. In einem Mix aus leichtem Drama und schwärzester Komik lernt Harald die Seite seines Bruders kennen, die nicht einmal er selbst kannte, und die dem entspricht was ein Typ wie Harald sich sicher schon immer als Bruder gewünscht hat.

Dank der nüchternen, sehr wortkargen Situationen zwischen den beiden, wird dieser Storystrang nie unangenehm, weder im übercoolen, noch im kitschigen, noch im zu dramatischen Sinne. Dieser eigentlich im Hintergrund versteckte Mittelpunkt des Streifens, der alles weitere beeinflusst, wird eher sachlisch angegangen. Gefühle werden dank der großartigen Besetzung mimisch versteckt und dabei unglaublich realitätsnah angedeutet, was inmitten dieser völlig übertriebenen Groteske dann auch das einzig realitätsnahe ist. „In China essen sie Hunde“ ist eine überzogene schwarze Komödie, mit nicht vorhersehbaren Wendungen, deren völlig überdrehte Story von gelungenen Charakteren gestützt wird.

Ein einfallsreiches Drehbuch mit gelungenen Running Gags und dem richtigen Gefühl dafür, wann man sich von diesen wieder lösen muss, sorgt in Kombination mit der professionellen Darstellung der Schauspieler für eine gute Grundstimmung, in der man entspannt dem chaotischen Treiben der Geschichte folgt, ohne dass diese sich in irgendeiner Art anbiedert. „In China essen sie Hunde“ schaltet trotz der gezeigten Extreme immer einen Gang zurück. Hier gibt es weder pausenlos Gewalt, noch endlose Action, noch krasse Sprüche im Sekundentakt. Alles wirkt wohldosiert und immer mit Blick auf Glaubwürdigkeit und Psychologie der Charaktere versehen. Wenn man aufgrund seiner filmischen Vorerfahrung glaubt zu wissen wie es ungefähr weiter geht, wird man immer wieder eines besseren belehrt. Olsens Werk ist nun einmal kein ewig wiedergekäuertes amerikanisches Werk, es ist original europäisches Kino, genau so wie es sein soll und genau mit den Stärken punktend, für welches europäisches Kino bekannt ist. Reinschauen lohnt!


Weitere Reviews zum Film:

Kommentare:

  1. Kann ich unterschreiben, ein herrlicher Film. "Wohldosiert" trifft es gut im Bezug auf alle Filmzutaten.

    Wenn Dir hier die Charakterzeichnung gefallen hat, solltest Du mal einen Blick auf "Flickering Lights" ("Blinkende lygter") werfen. Der ist etwas ernster, dafür mit noch mehr Fokus auf den Charakteren.

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  2. Dann danke ich doch mal für den Tipp und werd mir besagten Film mal im Hinterkopf speichern. :)

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