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Samstag, 18. April 2015

DERRICK 1 - 15 (1974/1975 Alfred Vohrer u.a.)


Oberinspektor Derrick arbeitet für die Mordkommission im Großraum München. Während sein Kollege Harry Klein stets auf die Ergebnisse der Fakten seiner logischen Überlegungen setzt, geht der sarkastische Derrick auch gerne mal etwas ungewöhnliche, teilweise gar verspielte Wege, um herauszufinden was am Tatort geschah und wer der Mörder ist...


Als freies Denken noch erlaubt war...

Neben des in meiner Inhaltsangabe bereits beschriebenen Charakters Derricks zeichnet sich die frühe Phase der Serie (anbei die einzige über die ich zur Zeit überhaupt nur berichten kann) durch mutige Drehbücher aus, die bemüht sind stets andere Ansätze, Grundlagen und Schwerpunkte zu setzen. Keine Folge ist wie die andere, so dass selbst Episoden, denen ich weniger positiv gegenüber stehe, Respekt verdienen aufgrund der Bemühung neue Bereiche auszuleuchten wie das Aufdecken eines Mordes zu bewerkstelligen ist, bzw. um zu zeigen was in einem Mörder und dessen Umfeld aufgrund der Tat vorgehen kann. Denn Aufgrund des Luxus für eine Folge fast eine ganze Stunde Zeit zu besitzen, kann sich Autor Herbert Reinecker, der bis zum Serienende 1998 für alle 281 Episoden das Drehbuch schrieb, intensiv in die einzelnen Charaktere hineinversetzen, und dies mit einem solch psychologischen Feingefühl, dass man intelektuell geradezu gekitzelt wird.

Episode 1: Waldweg
Dass man mit dieser eher Thriller-artigen Episode begonnen hat, anstatt den zuerst abgedrehten und erst als vierte Folge ausgestrahlten „Mitternachtsbus“ zu senden, erklärt sich neben der prominenten Besetzung mit Wolfgang Kieling vielleicht auch aufgrund dessen, dass die Geschehnisse im Mädcheninternat ein wenig an die späteren Edgar Wallace-Filme erinnern, eine Reihe die zum Zeitpunkt der Pilotfolge von „Derrick“ zwar schon eingestellt war, deren Echo aber sicher immer noch in den Köpfen des Zuschauers vorhanden war. Ein düsterer, nebliger Tatort, zwielichtige Personen (was atmosphärisch wirkt, obwohl man ja, wie in den meisten Folgen, direkt erfährt wer der Mörder ist) und ein unheimlicher Triebtäter sorgen für eine geradezu schmuddelige Atmosphäre, unterstrichen durch die fiese Idee dass die Mutter des Mörders die Taten ihres Sohnes vom Nebenzimmer aus stets mit anhören musste. Auch der eiskalte Eingangsmord unterstreicht die Düsternis der ersten Folge und fiel gar derart hart aus, dass er in Deutschland nach der Erstausstrahlung nur noch gekürzt gezeigt wurde - auch auf DVD - während Länder wie Frankreich Wiederholungen immer in der ungekürzten Fassung zeigen. Mag der Weg zum Ziel auch nicht so gewitzt und schwierig ausfallen wie in späteren Fällen, „Waldweg“ ist ein großartiger Einstieg in die Serie und zeigt bereits wie ungewöhnlich Derrick bei seiner Arbeit vorgeht. Der Monolog eines in Verdacht stehenden Lehrers zeigt uns mit Blick von heute, wie viel unfreier wir in dem geworden sind was wir reden dürfen und was es für ein Luxus war eine aneckende Persönlichkeit besitzen zu dürfen, die sich erst dann rechtfertigen muss, wenn eine extreme Situation wie die hier vorliegende es nicht anders zulässt.

Episode 2: Johanna
Folge 2 ist wie ein Blick in die spätere Phase der ersten 15 Folgen, besitzt sie doch nicht die intensive Atmosphäre der besseren Episoden, wirkt der Weg zum Ziel, auch wenn er wieder einmal Derrick-typisch verspielt und heimtückisch daher kommt, doch aufgrund dessen was der Lockvogel seelisch durchleben muss unglaubwürdig und konstruiert. Das viel zu plötzliche Geständnis ist wahrscheinlich dem Zeitgeist geschult, geschieht es in der Serie doch des öfteren dass Täter relativ schnell schwach werden und gestehen, und so menschlich glaubwürdig das eigentlich auch ist, gerade bei solch wenig gefestigten Persönlichkeiten wie dem Mörder in „Johanna“, es entlässt den Zuschauer eher unbefriedigt, hatte man sich doch mehr erhofft. Immerhin schwächelt „Johanna“ erst im letzten Drittel und bietet bis dahin eine sympathische Episode, die aufgrund des etwas mangelnden Einfühlens in den absichtlich unsympathischen Täter emotional nie so tief geht wie die Höhepunkte der Reihe. Angenehm routiniert zu unterhalten weiß das Ganze dennoch. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Episode 3: Stiftungsfest
„Stiftungsfest“ ist meiner Meinung nach die beste der ersten 15 Folgen, und es fällt mir schwer mir vorzustellen dass irgendwann eine Episode daher kommt, die besser ausfallen soll als diese. Die sehr empathisch erzählte Geschichte besitzt das Kaliber eines Kinofilms, ist sehr dramatisch erzählt und mit dem so großartig agierenden Siegfried Lowitz, der ab 1978 die Hauptrolle in der Konkurrenz-Reihe „Der Alte“ spielte, perfekt besetzt. Der Zuschauer ist mittendrin in der Ratlosigkeit der Ermittler und dem Seelenleben eines Täters, der auch Opfer ist. Die Ermittlungen werden detailgenau vorgetragen. Man erlebt jenen zufälligen Moment mit, der zur Täteraufdeckung führt, nachdem Derrick auf eher verzweifelte Art verschiedene Methoden antestet, von denen sein Kollege Harry nicht sonderlich überzeugt ist. Autor Reinecker versteht es so genial wie niemals wieder die psychologische Entwicklung des Täters aufzuzeigen, die am Höhepunkt angekommen Derrick dazu veranlasst Worte auszusprechen, welche die Situation auf den Punkt bringt, zumindest zu damaligen Zeiten als Anstand, Würde, Ehrgefühl und sozialer Umgang miteinander noch eine Bedeutung in der Gesellschaft hatten und nicht nur durch hohle Phrasen vorgetäuscht wurden. „Stiftungsfest“ ist ein emotionales und intelligent erzähltes Erlebnis für den aufmerksamen und geistreichen Zuschauer-Typ, der die stillen Momente und nebensächlich scheinenden Aspekte zu genießen weiß. Diese Episode ist ein Liebhaberstück wie keine andere.

Episode 4: Mitternachtsbus
„Mitternachtsbus“ lebt davon, dass sich ein Manipulierer in die Ermittlungen einmischt, ein Mensch der selber nicht der Täter ist, den Mörder aber aus persönlichen Gründen beschützen will. Wie so oft in den ersten 15 Folgen, so hält sich auch hier der Mörder für klüger als er ist, scheitert aber nicht wie zwei Folgen später an unüberlegten Handlungen, sondern am mangelnden Feingefühl psychologisch clever vorzugehen. Derricks Alarmglocken läuten sehr früh, wenn ihm immer wieder fieser Weise ein geistig Zurückgebliebener als Täter serviert wird. Damit ist Derrick in seinem Element, fühlt sich herausgefordert und geht wieder einmal ungewöhnliche Wege um ans Ziel zu kommen. In der Charakterzeichnung spielt „Mitternachtsbus“ psychologisch gesehen wieder an vorderster Front mit, unterstützt durch Schauspieler die so echt in ihren Rollen wirken, dass einem echt anders werden kann. Der Alkoholiker und sein Sohn sorgen für den dramatischen Part der Geschichte, deren Schwächen eiskalt ausgenutzt werden von einem asozialen Selfmade-Man, der die kleine Macht die er im Dorf besitzt nutzt um seinem Sohn das Gefängnis zu ersparen.

Episode 5: Tod am Bahngleis
Noch einmal bekommen wir es mit einem Triebtäter zu tun, der diesmal jedoch nicht eiskalt planend vorgeht wie jener in „Waldweg“, sondern der eher auf kindlische Art geistig stehengeblieben ist. Um Gefallen an „Tod am Bahngleis“ zu finden, muss man etwas mit der Figur des Täters anfangen können, die schwer zu greifen ist. Versteht man sie aber genießt man sie auch, verschafft sich Reinecker doch viel Zeit sie ausleuchten zu können, indem der Täter immer wieder unerkannt agieren kann, da die Polizei trotz diverser Hinweise völlig im Dunkeln tappt. Auch hier mag der Schluss etwas holprig inszeniert sein, zumal er aufgrund dessen was am Schluss erzählt wird düsterer hätte umgesetzt werden können, aber der Blick in eine nicht verstandene Seele macht alles wieder wett, kombiniert mit der wundervollen Idee, dass ein Mann, der einem Außenseiter eine Chance geben will, gar nicht mitbekommt dass er einem Mörder seine Tochter auf dem Silbertablett serviert. Eine teuflisch fiese Idee!

Folge 6: Nur Aufregung für Rohn
Jede Folge Derrick ist anders. Aber „Nur Aufregung für Rohn“ sticht noch einmal ganz besonders als ungewöhnlich hervor, ist sie doch derart absichtlich augenzwinkernd erzählt, dass man dies selbst im Titel deutlich macht. Mit unterschwelliger Komik wird ein Duell gezeigt zwischen den logisch denkenden Ermittlern und eines Mannes, der sich für irre logisch denkend hält, aber einen Fehler nach dem anderen begeht. Besonders lustig ist es zu beobachten wie das Selbstbewusstsein des Mörders immer steht und fällt, je nach Stand der Ermittlungen die stets Aufs und Abs erfahren, und damit um ein weiteres gezeigt wird, wie erbärmlich und rückgratlos eigentlich der Charakter des Studenten ist, der sich nicht einmal zu schade ist einem Kommilitonen gegenüber die Frage zu äußern, ob dieser ihn für ungewöhnlich intelligent hält. Es bereitet dem Zuschauer eine große Freude Horst Tappert bei seinem Spiel als Derrick zuzusehen, wie er sarkastisch grinsend und in ihm den Spieltrieb geweckt Rohn in die Mangel nimmt, der geradezu offensichtlich der Täter ist. „Nur Aufregung für Rohn“ kann man als einen der Höhepunkte der ersten 15 Folgen bezeichnen, macht bei einer Zweitsichtung sogar noch mehr Spaß als bei der ersten, da man bei der Wiederholung von Anfang an begreift was die Folge eigentlich will.

Folge 7: Madeira
Ich wusste dass Curd Jürgens ein talentierter Mensch war, aber dass er so genial schauspielern konnte, so genial sogar dass er alle anderen Mitwirkenden der ersten 15 Folgen überschattet, hätte ich nie gedacht. „Madeira“ gehört zu den wenigen Folgen, in denen es um einen eiskalten berechnenden Killer geht, der im Gegensatz zu Folge 1 und 5 nicht einmal in irgend einer Form geistig abgedriftet ist, sondern stattdessen einen eiskalten Intellekt besitzt und damit auch zur fiestesten Art Mörder wird die es wohl gibt. Seine Opfer sind ältere, einsame Damen, denen er ein wundervolles gemeinsames Leben auf Madeira verspricht, um an ihre Ersparnisse zu kommen, bevor er sie schließlich vergiftet. Die hervorragend umgesetzte und sehr ausführliche Eingangsszene mündet in einer Mordsequenz, die so intensiv zu wirken weiß, dass einem wahrlich anders wird. Der optimistisch fröhliche Blick des Opfers, der sich plötzlich verändert, für einen kurzen Moment die Wahrheit begreifend wenn sie nach ersten Anzeichen der Vergiftung in die kalten Augen des Mörders schaut, um daraufhin einen Todeskampf in ihrem Körper zu durchleben bis sie schließlich tot ist. Kein geistig gesunder Mensch ist in den bisherigen Folgen „Derrick“ so eiskalt vorgegangen wie der alte Mann, dem ein Hund zum Verhängnis seiner Pläne werden soll. Jürgens weiß es jede Facette seiner Rolle gekonnt zu verkörpern. Der verspielte, freundliche Blick wenn er sich Derrick gegenüber als Freund des Hundes ausgibt, nur kurz nach dem völlig entsetzten Blick, als der ihm bekannte Köter ihn am Tisch eines Cafés wiedererkennt und belästigt - Jürgens Spiel ist eine Wucht, und man genießt jegliche Szene in der er auftaucht. Einzig seine Nichte ist charakterlich eine Spur zu naiv gezeichnet, bis es schließlich nicht mehr glaubwürdig ist bei solch erdrückender Indizienlage an die Unschuld des eigenen Onkels zu glauben. Von diesem Schwachpunkt einmal abgesehen zählt aber auch „Madeira“ zu den Höhepunkten der frühen Phase der Serie und zeigt auf ein Neues auf völlig andere Art das geradezu verspielte Duell zwischen Täter und Ermittler.

Folge 8: Zeichen der Gewalt
Mit „Zeichen der Gewalt“ wollte Reinecker mal nicht in die Psyche eines Killers blicken, sondern die Aufklärung eines Mordes aus der Sicht des kompletten Polizeiapparats demonstrieren. Leider klingt der Ansatz interessanter als er ist. Eher lustlos darf der Zuschauer dabei zusehen was für eine Arbeit ein Mord für die Mordkommission bedeutet. Dabei werden dramatische Aspekte vernachlässigt, wenn auch absichtlich, und Charaktere nicht genügend vertieft. „Zeichen der Gewalt“ ist technisch professionell umgesetzt und durchaus durchdacht erzählt, ihm fehlt aber die Seele und der Charme anderer „Derrick"-Episoden, macht aufgrund der fehlenden Verspieltheit Derricks sogar den Ermittler austauschbar, so dass diese Folge die Episode einer x-beliebigen Krimireihe hätte sein können und damit weit unter dem Niveau der bis dahin gesendeten „Derrick"-Teile liegt.

Folge 9: Paddenberg
Das Verspielte eines Derricks möchte Reinecker diesmal auf die Frau des Ermordeten projezieren, die von ihrer Phantasie beflügelt fasziniert vom Mörder ihres Mannes ist. Im Gegensatz zu Derrick verfolgt sie damit kein spezielles Ziel, spielt eher intuitiv mit ihrem Täterwissen, während der fast wehrlose Mörder irritiert ist was die Mitwissende eigentlich von ihm will. Liegt eine Erpressung vor? Geht es um Rache? Der Mörder fragt sich etwas, das die Witwe selbst nicht beantworten könnte. Das klingt nach einer interessanten Ausgangslage, schließt aber so verworren und leer wie es beginnt. Eine Antwort gibt es am Ende nicht. Und da dies dem Zuschauer im Laufe der Episode immer bewusster wird, verliert der auch mit der Zeit das Interesse an den ollen Psychospielchen der Gattin des Ermordeten. Immerhin weiß die Rolle des Derrick der Episode etwas mehr Tiefgang zu bescheren, ist dieser während seiner Ermittlungen doch immer faszinierter und angenehm überraschter, je mehr er über den Charakter des Ermordeten erfährt. Er sympathisiert geradezu mit ihm, während der Gattin all das an ihm missfiel was Derrick an dem Mann so bewundert.

Episode 10: Hoffmanns Höllenfahrt
„Hoffmans Höllenfahrt“ gehört von jenen Episoden, die uns tief in die Erlebnisse des Täters blicken lassen, zu den schwächesten. Nicht nur dass Reinecker trotz seiner ansonsten so großen Bemühungen jede Folge möglichst anders zu gestalten, schon wieder die selbe Todesart vorsetzt wie in der Folge „Stiftungsfest“ (was aufgrund der Art der Tat schon arg zufällig ist), auch dieser Mord passiert wieder versehentlich so wie dort, so dass diese zu deutlichen Parallelen zunächst einmal ernüchtern. Erhoffte ich mir zumindest aufgrund der Anwesenheit von Klaus Löwitsch in der zentralen Rolle eine gute Folge, so musste ich feststellen, dass dieser keineswegs so überzeugend wie sonst agiert. Würde ich nicht Werke wie „Welt am Draht“ oder „Was tun wenn‘s brennt“ kennen, ich hätte ihn für ein austauschbares Allerweltsgesicht gehalten. Aber auch der Kriminalfall selbst bietet wenig Potential. Er ist zu bemüht erzählt, erhält aber nie die psychologische Griffigkeit und Glaubwürdigkeit vergleichbarer früherer Episoden. Hoffmann begeht Fehler die nicht nachvollziehbar sind. Und obwohl er stets im Mittelpunkt steht, lernen wir ihn nie richtig kennen. Erklärungsversuche Reineckers sind nicht wirklich überzeugend, und der viel zu plötzliche Schluss erscheint einem wie eine Notlösung, so als habe man selber nicht gewusst worauf man diesmal eigentlich hinaus wollte. Eine schwache Episode, wenn auch mit manch interessanter Idee versehen!

Folge 11: Pfandhaus
In "Pfandhaus" stößt Derrick wieder einmal auf einen Täter der gleichzeitig auch Opfer ist, dies jedoch nicht wie sonst durch unglückliche Umstände, sondern aufgrund eines Fehlers in seiner eiskalten Tat. Der Täter, der aufgrund von Erpressung für den Rest der Folge in eine Opferrolle gedrängt wird, ist ein unmoralischer Mensch, der in einer ethisch so zurechtgerückten eigenen Welt lebt, dass er von sich und seiner Art zu leben absolut überzeugt ist. Eigentlich erzählt „Pfandhaus“ eine recht interessante Geschichte. Nur leider ist das Spiel und die Charakterisierung des Erpressers aufgrund diverser Übertreibungen nicht sonderlich überzeugend, sondern wirkt viel zu überzogen um sein Treiben als Zuschauer für 60 Minuten als wahrhaftig akzeptieren zu können. Würde nicht das Spiel des Pfandhausbesitzers so gekonnt dagegen steuern, hätte auch „Pfandhaus“ zu den enttäuschenden Folgen der frühen Phase gehören können. Nun kann er sich keineswegs mit der Qualität der ersten sieben Folgen messen, als unterhaltsamer Kriminalfall für zwischendurch geht er jedoch in Ordnung.

Folge 12: Ein Koffer aus Salzburg
Ähnlich wie bei „Zeichen der Gewalt“ interessiert sich Reinecker in dieser Episode für den kompletten Polizeiapparat hinter den Ermittlungen. Er zeigt uns Derrick als Teil des Gesamten, aber auch in seiner führenden Rolle dort. Erweitert wird der ursprüngliche Gedanke durch die Ergänzung von Interpol, führt die Spur des Mordes doch in die Schweiz. Zudem geht Reinecker andere Wege indem er den Zeitraum der Ermittlungen über mehrere Monate ansiedelt und den Mord in Kombination zu den Taten eines Drogenkartells stellt. Somit ist auch das Drogendezernat am Mordfall beteiligt, und dass die Episode sich nicht so leer anfühlt wie die Vergleichsfolge liegt an den unterschiedlichen Gimmicks die sie dem Zuschauer serviert. Da gibt es eine rätselhafte Methode mit der Drogen geschmuggelt werden und deren Auflösung wir erst am Ende der Folge beiwohnen dürfen. Da gibt es menschliche Schicksale wie jenes des Sohnes der Verstorbenen, der nicht versteht warum der Mörder seiner Mutter nicht umgehend festgenommen wird. Und da gibt es wie so oft Derricks Spiel mit dem Täter. Wieder einmal will er ihn im Glauben lassen die Polizei hätte ihn nicht in Verdacht. Und dass dies so bleibt ist in manchen Momenten ein spannungsgeladener Drahtseilakt. So viel besser „Ein Koffer aus Salzburg“ auch gegenüber der Vergleichsepisode ausgefallen ist, sympathischer sind mir eher die klassischen Mordfälle. Mir bringt es nicht viel gezeigt zu bekommen wie genau und wie toll das Zusammenspiel der einzelnen Polizeibereiche funktioniert, wird doch der dramatische Aspekt, der die Serie „Derrick“ so besonders macht, damit an den Rand gedrückt. Stellt man sich aber auf eine völlig andere Episode ein, weiß sie durchaus zu gefallen. Lediglich der Schluss ist etwas arg plump in Szene gesetzt und wirkt fast schon wie ein Werbespot der Polizei.

Folge 13: Kamillas junger Freund
Wieder einmal dürfen wir nicht in das Seelenleben des Mörders blicken. Wieder einmal wird er uns lediglich als kalter, fast schon anonymer Täter gezeigt. Der Pluspunkt ehemaliger Folgen wird ignoriert. Aber das macht nichts, denn dafür lernen wir diesmal die Opfer besser kennen. Und eines von diesen lernen wir ungewohnter Weise sogar erst während der Ermittlungen kennen und nicht schon wie sonst während der Vorgerschichte. „Kamillas junger Freund“ mag nicht zu den Highlights der Reihe zählen, aber er orientiert sich endlich wieder an dem was die Serie eingangs so auszeichnete. Wir sind wieder mittendrin in den gedanklichen Ermittlungen Derricks. Wir bekommen ein Opfer präsentiert, dass aus einer nachvollziehbaren Dramatik heraus, nämlich aus Scham, Wissen zurückhält. Und ist dieses Wissen erst einmal offen gelegt, dürfen wir Derrick wieder bei seiner verspielten Art zuschauen, wie er wen offensichtlich Verdächtiges doch noch zu einer Aussage bewegt. „Kamillas junger Freund“ wechselt stets die Schwerpunkte und die Figuren die im Zentrum stehen und wirkt dadurch ein wenig episodenhaft inszeniert. Dank einer interessanten Geschichte und ungewöhnlicher Charaktere stört dies jedoch keinesfalls. Im Gegenteil, damit sorgt Reinecker für Abwechslung. Und Regisseur Alfred Vohrer weiß diese Episode so schwungvoll wie man es von ihm gewohnt ist umzusetzen.

Episode 14: Der Tag nach dem Mord
Wie schon in „Mitternachtsbus“, so manipuliert auch hier der Vater des Mörders die Ermittlungen, um seinen Sohn zu schützen. Dass „Der Tag nach dem Mord“ sich jedoch keineswegs wie ein Ableger dieser Folge guckt, verdankt er den kleinen aber feinen Unterschieden. So ist der aus dem Affekt handelnde Mörder diesmal Opfer, eigentlich zum Geständnis bereit, vom Vater jedoch aufgehalten und gelenkt. Dieser hält sich aufgrund seines Berufes im Versicherungsbereich für unglaublich raffiniert, begeht aber einen Fehler nach dem nächsten. Und da es sich zudem um einen recht unsympathischen, jähzornigen Menschen handelt, geht er Derrick noch bevor dieser ihn in Verdacht hat zu lügen gewaltig gegen den Strich. Der Kern der Folge, der den aufmerksamen Zuschauer immer wieder anweht, wird mit einem Schluss-Satz Derricks noch einmal zusammengefasst und bringt damit das Geschehen, dem wir beiwohnen durften, auf den Punkt. Mag der seltene Spielortwechsel und der Ansatz dass die Charaktere häufig streiten der Folge an mancher Stelle auch die Wirkung einer plumpen Soap bescheren, die Geschichte weiß zu überzeugen und die Schauspieler ebenso.

Episode 15: Alarm auf Revier 12
Diesmal arbeitet die Mordkommission mit dem Dezernat für Einbruchsdelikte zusammen, und im Zentrum der Ermittlungen steht ein Mann aus Derricks Vergangenheit, ein Mann dem Derrick den Mord den er einst verübte nicht nachweisen konnte. Nun bekommt er seine zweite Chance und das Psycho-Duell zwischen den beiden ist eröffnet. Mit Gert Haucke hatte man dann auch einen Schauspieler am Start, der gekonnt das übertriebene Ekel zu verkörpern wusste und das beste ist was dieser Folge geschehen konnte. Er verkörpert seine Rolle mit so viel Energie, dass es eine Freude ist den Kerl zu hassen. Aus Derricks Sicht wird er klüger dargestellt als er auf den Zuschauer wirkt, aber das könnte man auch als menschlichen Aspekt sehen. Vielleicht benötigt Derrick diesen Irrtum um akzeptieren zu können, dass der gute Mann ihm durch die Lappen gegangen ist. Mehr denn je überführt Derrick den Mörder auf ungewöhnliche Art. Diesmal sitzt man als Zuschauer rätselnd daneben was der gute Oberinspektor wohl damit bezweckt, wenn er Ross nach Feierabend auf einen Drink einlädt. „Alarm auf Revier 12„ kommt charakterlich und inhaltlich verspielt daher, und da stört es auch nicht weiter wenn die Geschichte in der TV-Realität spielt anstatt in der unseren. Ganz im Gegenteil, es beweist um ein weiteres wie abwechslungsreich und völlig verschieden die einzelnen „Derrick“-Episoden konzipiert und umgesetzt sind.


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