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Samstag, 18. April 2015

7 ZWERGE 2 - DER WALD IST NICHT GENUG (2006 Sven Unterwaldt Jr.)


Die Zwerge leben mittlerweile getrennt. Aber sie finden wieder zusammen um Schneewittchen zu helfen. Deren Baby soll zu seinem ersten Geburtstag entführt werden, wenn bis dahin nicht herausgefunden wurde wie der Name von Rumpelstilzchen ist...


Infantil ist nicht genug...

Nachdem „7 Zwerge - Männer allein im Wald“ zur großen Überraschung mittelmäßig, aber doch recht angenehm guckbar war, ließ ich mich doch mal darauf ein auch der Fortsetzung eine Chance zu geben. Im Gegensatz zum Vorgänger ist Teil 2 jedoch nur noch gerade eben zu ertragen und wird somit zur harten Geduldsprobe für den Zuschauer. Zwar kann Teil 2 noch mehr und noch überraschendere Gastauftritte vorweisen als im Vorgänger, die Hälfte davon ist aber schon deswegen egal, weil es, sowie der Großteil vom Hauptcast, Möchtegernstars aus dem TV-Bereich sind. Verraten werde ich an dieser Stelle nicht wer alles überraschend auf den Zuschauer wartet.

„7 Zwerge 2 - Der Wald ist nicht genug“ besitzt etwas mehr erzählerichen Gehalt als sein Vorgänger, trotzdem hat man nicht so richtig das Gefühl eine Geschichte erzählt zu bekommen. Noch immer hüpft man von einer Nummern-Revue zur nächsten, es herrscht ein Nonstop-Herumgealber. Besser hat das Ganze jedoch komplett ohne Erzählversuch funktioniert, wie Teil 1 zeigt. Das bisschen Mehr in der Geschichte ist eigentlich bereits zu viel. Erstens führt der Erzählfluss nirgendwo ernsthaft hin und verpufft schließlich wieder und zweitens war es eine schlechte Idee die Zwerge in unsere reale Welt kommen zu lassen, wirken sie dort angekommen doch noch debiler als zuvor, und schon zuvor war die Witzequalität doch recht infantil.

Freilich hätte ein guter Autor aus dieser Idee durchaus etwas heraus holen können, aber doch keiner der einen „7 Zwerge“-Otto-Film schreibt. Stattdessen werden Ampelmännchen auf Blödelart in Verbindung mit einem Polizisten gebracht. Diesen Vergleich hatte Udo Lindenberg bereits in den 90er Jahren in seinem Song „Auf dem blauen Planet“ verwendet, und selbst da war es keine neue Idee, durften doch bereits „Die kleinen grünen Männchen“ von Pat Mallet in den 80er Jahren auf diesem Witz herumreiten. Einfallsreich ist das Mitte der 00er Jahre nun erst recht nicht mehr.

Die Aufteilung der Rollengröße im Gesamtfilm hat sich meiner Meinung nach ebenfalls verschlechtert. Ralf Schmitz bekommt leider mehr Bildschirmpräsenz gewährt, bleibt aber wie zu erwarten genauso unwitzig wie er es eigentlich immer ist. Martin Schneider hat leider überhaupt keine guten Szene mehr geschrieben bekommen. Rüdiger Hoffmann wiederholt seine wunderbare Rolle aus Teil 1 auf die witzlose ja geradezu schmerzhaft Pointen-lose Art. Helge Schneider darf etwas mehr sagen, sogar ein Lied vortragen, ist aber auch nicht mehr so 100% witzig, wenn im direkten Vergleich zum restlichen Mist aber noch immer ein Lichtblick. Die beiden damals so überraschend sympathisch agierenden Hagens fallen diesmal auch nicht positiv auf. Nina Hagen nervt lediglich und ihr niedliches Töchterchen muss im Gegensatz zu Teil 1 diesmal schauspielern, was sie aber leider nicht kann. Glücklicher Weise ist ihre Anwesenheit stark begrenzt, so wie die von Atze Schröder. Das nenne ich mal weise Entscheidungen.

Der Bösewicht des Films ist gut besetzt, was wohl die einzig positive neue Besetzung ist. Das Aufrücken von Mirco als Kopf der Zwerge kann man als gute Idee bezeichnen, auch wenn sein Vorgänger auf seine bodenständigere Art mehr zu wirken wusste. Aber auch bei solch brauchbarer Besetzung wie Mirco verpufft jeder gute Ansatz ziemlich schnell ins Leere, da kann auch ein Profikomiker wie er nichts mehr dran rütteln, der von seiner Humorrichtung her doch eigentlich stilvoll aber hemmungslos herumzublödeln vermag.

Die umstrittene Szene mit Piocchio gehörte meiner Meinung nach zu den wenigen geglückten. Wortspielerein zum Thema Holz, Baum und Wald fallen im Sekundentakt. Und was theoretisch gesehen schnell anöden müsste funktioniert sogar, weil man drauf verzichtete so öde Wortspiele zu verwenden wie Brösel sie zum Thema Bären in seinen „Werner"-Comics oder Otto sie zum Thema Zugfahrt in „Otto 5 - Der Katastrophenfilm“ verwendeten. An dieser Stelle wurde sich im Vergleich dann doch etwas mehr Mühe gegeben. Am besten gefiel mir der Flach-Köpper "ich komme vom Holz-Nasen-Ohren-Arzt".

Mirco und Ralf bekommen zwei gesonderte auf sie zugeschnittene Szenen beschert, in denen sie zeigen dürfen was sie können. Allerdings sieht man beiden Szenen auch an dass sie deshalb drin sind, so dass sie aufgesetzt wirken. Mirco darf den Kammerjäger spielen und Ralf darf pantomimisch ein Gespräch übersetzen. In beiden Fällen ist die Szene nur halbkomisch ausgefallen, was für Mirco einen Abstieg bedeutet, für den sonst so unwitzigen Ralf Schmitz aber zumindest einen Aufstieg.

Der 7. Zwerg, ein Halbpromi-Muskelpaket dessen Name mir nichts sagt, ist eine Strafe welche die Verantwortlichen des Filmes sich selber zugefügt haben. Man musste bereits in Teil 1 jeden Möchtegern-Promi irgendwo noch mit einbauen, und als schlechten Schlussgag wurde das Muskelpaket schließlich zum siebten Zwerg. Dummer Weise verfügte der allerdings über noch weniger schauspielerisches oder komisches Talent als der Rest, von einigen hohlen Blicken die zu wirken wissen einmal abgesehen, und nun hatte man ihn für die Fortsetzung an der Backe.

Glücklicher Weise machten die Verantwortlichen daraufhin genau das richtige. Sie hielten Mr. Muskel so kurz an der Leine wie nur möglich. So hat beispielsweise jeder Zwerg zu Beginn der Story seine eigene kleine Geschichte die er erlebt. Lediglich der Muskelprotz-Zwerg kommt schlussendlich ohne eine solche dazu. Während jeder Zwerg einmal belustigend gegen eine Wand rennen darf, hört man bei Mr. Muskelpaket nur das Zusammenstoßgeräusch, weil die Kamera gar nicht erst drauf hält. Plappern alle anderen Zwerge wie am Fließband (was zugegebener Maßen nervt), bleibt der starke Zwergenmann eher ruhig und kriegt nur hin und wieder einen Satz in den Mund gelegt.

Wessen Zurückhaltung viel mehr überrascht ist die von Nervfresse Otto Waalkes. Aber man darf wohl anzweifeln dass es seine eigene Idee war sich selbst nicht mehr so in den Vordergrund zu spielen. Interessanter Weise ist es aber gerade sein Part zu Beginn, der noch am ehesten zu belustigen weiß. Und entgegen aller Erwartungen nervt er zu Beginn auch nicht, wo es sich dort doch zunächst einzig um ihn dreht. Dass ausgerechnet Otto am wenigsten peinlich wirkt, gleicht eigentlich einem wahren Wunder.

Das nervige Zwergenlied aus Teil 1 bekommt man in der Fortsetzung glücklicher Weise zwar nur einmal zu hören, stattdessen wird der Zuschauer aber mit einer grauenhaft unkomischen deutschen Coverversion von "Go West" gefoltert. Darauf hätte ich gut und gerne verzichtet, erst recht beim dritten Hören im Abspann.

Was bleibt ist ein Hauch netter Witze, einige lobenswerte Versuche die nur halbgar ausgefallen sind und ansonsten wieder jede Menge debiles Getue, das bereits in Teil 1 schon nicht sonderlich witzig war (die Mützen-Errektions-Witzchen, das Brettspiel, ...). Somit ist Teil 2 auch für die wenigen Freunde des Vorgängers mit Sicherheit eine kleine Enttäuschung, für den Rest eher sogar eine große.


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