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Freitag, 7. August 2015

ANGRIFF DER RIESENSPINNE (The Giant Spider Invasion 1975 Bill Rebane)


In einem kleinen Kaff in Wisconsin kommt ein Meteor herunter, der jede Menge Geoden hinterlässt aus denen Spinnen krabbeln. Ein schwarzes Loch hat sich gebildet und wird zum Tor eines Paralleluniversums, aus dem eine 15 Meter große Riesenspinne heraustritt und die Menschheit bedroht. Auch die anderen Spinnen werden größer mit der Zeit...


Die Spinne aus dem schwarzen Loch...

Im selben Jahr wie der im Film erwähnte „Der weiße Hai“ erschienen, und damit zum Startpunkt der Tier-Horrorwelle der 70er Jahre gedreht, kommt der stockbiedere „Angriff der Riesenspinne“ noch zwei Jahre vor „Mörderspinnen“ und „Taranteln - Sie kommen um zu töten“ daher, welche mit kleineren Achtbeinern eine wesentlich größere Bedrohung zauberten als es Regisseur Bill Rebane mit der übergroßen Variation 1975 gelingt. Während in „Taranteln - Sie kommen um zu töten“ die Gefahr schnell erkannt ist und das Volk rational handelnd zusammen arbeitet, wird in „The Giant Spider Invasion“ (Originaltitel) altbacken wie in den 50er Jahren auf die Institutionen Wissenschaft, Sheriff und Presse gesetzt, die freilich vereint Hand in Hand in vollstem gegenseitigen Vertrauen handeln, so dass der Bürger beruhigt sein kann und alles der Regierung überlassen kann.

Dennoch bildet sich gegen Ende ein Mob im Film, aber der bekommt von der Riesenspinne was er verdient, kurz nachdem ein Mitarbeiter des Sheriffs versucht hat die gewaltbereite Bande von ihrem Plan abzubringen die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Zumindest tut sich an dieser Stelle etwas im Film, die meiste Zeit sind unsere Helden damit beschäftigt zu diskutieren und zu telefonieren. Viele Ereignisse erfahren wir lediglich durch den Dialog, die Ausweitung der Gefahr ebenso. Und wenn sich zwei Wissenschaftler mit einem Geigerzähler auf dem Weg zum Sheriff machen, hat das noch lange nicht zu bedeuten, dass nun das bedrohte Gebiet untersucht wird. Stattdessen sitzt man tratschend in der Dorfkneipe und untersucht die Gegend erst einen Tag später.

Eine ähnliche Ruhe legt man an den Tag, wenn die 15 Meter große Spinne endlich von den Helden entdeckt wird. Nun bleibt erst einmal Zeit die Geoden zu untersuchen, und Verletzte werden ins Krankenhaus gebracht. Dass die Spinne auch dorthin gelangen könnte scheint niemand zu glauben, nicht einmal der Autor der Geschichte. Der geht aber ohnehin ebenso wie die Regie höchst naiv vor. Dürfen die kleinen Viecher noch ein ordentliches Tempo vorlegen (da mit echten Arachniden gedreht), schleicht die Riesenspinne für ihre Verhältnisse in aller Seelenruhe daher, was zur lahmen Inszenierung wunderbar passt.

Dass „Angriff der Riesenspinne“ dennoch zu funktionieren weiß, liegt an seinem ordentlichen Trash-Gehalt. Die Ankunft aus dem All ist so billig getrickst, dass sie eine Schau für sich darstellt. Die Figurenzeichnungen sind lahm und idiotisch. Zum Hinhalten, während allerorts langweiliges Treiben gezeigt wird, schwenkt die Kamera gerne mal zu bedrohlicher Musik auf ein Spinnennetz, damit der Zuschauer sich erinnert in welcher Art Film er rein theoretisch eigentlich sitzt. Und wenn die titelgebende Riesenspinne endlich zu ihrem Einsatz kommt, steht sie der bisherigen unfreiwilligen Komik in nichts nach, so knuffig und putzig wie sie zusammengebastelt wurde. Zwei drollige Augen bilden optisch das Pünktchen auf dem I, so dass es eigentlich niemanden geben dürfte, der sich vor diesem Stück knuffigen Schrott erschrecken müsste.

Zuschauer mit Spinnenangst werden vor den kleinen, echten Vertretern wesentlich eher zusammen zucken als vor dem kuschelig-peinlichen Monstervertreter. Wenn die Spinne dann noch auf „Tarantula“- und „King Kong“-Art eine Frau im Haus bedrohen darf, immer wieder seine Ärmchen durch Fenster und Wände nach der Frau ausstreckend, dann weiß das den Freund schundiger Billigfilmchen tierichst zu unterhalten. Allerdings benötigt „Angriff der Riesen-Spinne“ eine gewisse Anlaufzeit bis es derartige Momente zu bewundern gibt, und man muss schon über die biedere Lebensart schmunzeln können oder über die verzweifelten Versuche absichtliche Komik einzubauen. Wem das nicht gelingt, dem wird die recht langwierige Monster-freie Zone nicht gefallen.

Dass Bill Rebane im Monsterfilm zu Hause ist, sieht man dem Streifen nicht an. Er guckt sich eher so, als ob eine Kleinstadt sich zusammengerauft hätte, um gemeinsam für den schnellen Dollar einen B-Movie auf die Beine zu stellen. Zumindest in der Szene auf dem Football-Feld, wenn eine etwas größere Gruppe Menschen vor der Riesenspinne davon läuft, die hinter ihnen so wirkt wie die Zusatzattraktion in der Spielpause oder wie ein übergroßes Stück Spinnenwagen beim Karnevalszug, ergibt sich dieser Eindruck sehr deutlich. Schaut man aber in die Filmographie Rebanes, muss man feststellen dass er bereits 1965 „Monster a-Go Go“ gedreht hat, dann nach einer neunjährigen Pause den Alien-Streifen „Invasion aus der Tiefe“. Sein dritter Beitrag war der hier besprochene Film, dem noch Werke folgen sollten wie „Rana - Hüter des blutigen Schatzes“, „Big Foot - Die Rache des Jägers“ und „The Alpha Incident“. Einige davon kenne ich, aber keiner war mehr so unterhaltsam wie der völlig bescheuerte „Angriff der Riesenspinne“, der es hierzulande noch immer nicht auf DVD geschafft hat.


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