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Samstag, 12. September 2015

EIN MONSTER IN PARIS (Un monstre à Paris 2011 Bibo Bergeron)


Obwohl sie das Labor des Wissenschaftlers in seiner Abwesenheit nicht betreten sollen, spielen zwei Männer, die eigentlich nur eine Ware abliefern sollten, mit den Chemikalien eines Forschers herum und lassen dabei versehentlich einen Floh mutieren, der schnell als Monster von Paris bekannt wird. Während der Polizeichef die Jagd nach der Bestie nutzt um seine Popularität zu steigern, entdeckt eine junge Sängerin, dass der mutierte Floh eigentlich eine brave, friedliebende Kreatur ist, der unrecht getan wird...


Das Phantom auf der Bühne...

Das Zeichentrick-Projekt von Produzent Luc Besson klang nach einem etwas andersartigen Film als die üblichen Trickfilm-Beiträge die normalerweise aus Amerika kommen und in ihrem braven Stil rund um den Erdball herum meist inspirationslos nachgeahmt werden. Aber bereits die viel zu rund und brav ausgefallene Figurenzeichnung, wie sie typisch für Werke wie „Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen“ ist, macht deutlich dass man nicht zu viel Andersartigkeit von „Das Monster von Paris“ erwarten sollte, dem Folgefilm des Regisseurs vom sympathisch ausgefallenen „Große Haie - Kleine Fische“, der immerhin 7 Jahre auf sich warten ließ.

Trotz der zu gewöhnlichen Figurenzeichnung wissen die Charaktere die Geschichte halbwegs zu tragen, auch wenn sie die typischen Abziehbilder bereits bekannter Zeichentrick-Stereotype sind. Wie sie durch ein cineastisch nostalgisch animiertes Paris umherstolpern weiß zumindest optisch zu gefallen. Hier konnte man schlichtere Animation mit einem größeren Effekt kombinieren, was sicherlich auch finanziell dem Projekt entgegen kam. Die Idee einen zwei Meter großen Floh als Phantom von Paris einzubauen klingt dann auch inhaltlich wie eine schöne abgedrehte Idee, aber die zwei Verantwortlichen für das Drehbuch beweisen keinerlei Raffinesse und hauen mit voller Wucht die Geschichte einfallslos mit dem Holzhammer von einem Erlebnis zum nächsten, ohne so etwas wie eine Entwicklung der Geschichte zu beherrschen.

Der Grund warum der Floh wächst, er die Liebe zur Musik entdeckt, ein Mensch seine Liebartigkeit erfährt und der Bösewicht am Ende die gerechte Strafe erfährt wird alles sprungartig ohne nachvollziehbare Erklärung einfach als Fakt in den Raum gestellt, mit welchem sich der Zuschauer dann abzufinden hat. Während Nichtigkeiten wie Verfolgungsjagden oder Tanzsequenzen detailreich und sauber herausgearbeitet umgesetzt sind, ist es die eigentliche Geschichte die zu sprunghaft und fern der Nachvollziehbarkeit vonstatten geht. Dass dementsprechend auch auf das Fehlen jeglicher Feinfühligkeit im zwischenmenschlichen Bereich mit einer solch brachialen Umsetzung einhergeht und der Zuschauer sich bei der ganzen Chose nie zu Hause fühlt, ist der logische Rattenschwanz der bei solch mangelndem Erzähltalent fast schon obligatorisch mit einhergehen muss.

Manche Szenen sind durchaus geglückt. Die Musikeinlagen werden aufgrund dessen dass sie fast ausschließlich auf der Bühne vorgetragen werden nicht so ärgerlich eingefangen wie in manch anderem Animationsfilm (erst kürzlich hat mich „Küss den Frosch“ mit seinem ewigen Geträller stark genervt), trotzdem wissen sie nie das Herz des Zuschauers zu gewinnen wie in Zeichentrickfilmen, für welche die Lieder zum wahren Gewinn an Sympathie werden (z.B. in Disneys „Robin Hood“). Also egal welchen Themenbereich man vom Film letztendlich anspricht: „Un monstre à Paris“ (Originaltitel) ist in so ziemlich jedem Belang Mittelmaß geworden, abgesehen vom Drehbuch, das man mit seiner Orientierungslosigkeit und seinem Elegfantengetrampel durch den Porzellanladen wahrlich nur als schlecht bezeichnen kann. Darauf bezogen darf man sogar erstaunt sein, wie verdaulich das Endprodukt doch noch ausgefallen ist.


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