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Sonntag, 25. Oktober 2015

FACK JU GÖHTE (2013 Bora Dagtekin)


Bankräuber Zeki kommt aus dem Knast heraus, will seine versteckte Beute holen und muss feststellen dass an dem Ort, an dem eine Bekannte sie verbuddelte, nun die Turnhalle einer Gesamtschule steht. Dank glücklicher Umstände ergattert Zeki einen Job als Aushilfslehrer, besitzt somit die Schlüssel zu den wichtigsten Räumen und kann nachts einen Tunnel graben, während er tagsüber die Problemklasse 10b unterrichtet. So nach und nach wächst in Zeki das Engagement den Schülern wirklich helfen zu wollen, nicht zuletzt durch den Ansporn einer nervigen, aber süßen Kollegin. Und auch die Schüler finden mit der Zeit Gefallen an dem zunächst so asozial scheinenden Zeki...


Bildungsnotstand...

Mit leicht lästerndem Unterton möchte ich zunächst verkünden, dass „Fack ju Göhte“ streng genommen eigentlich nur eine Neuverfilmung des zweiten und vierten „Die Lümmel von der ersten Bank“-Teil ist, also von „Zum Teufel mit der Penne“ und „Hurra, die Schule brennt“. Im Erstgenannten gibt sich Peter Alexander illegal als Vertretungslehrer aus und macht dabei ganz nebenbei aus einer Problemklasse eine engagierte, die ihren Lehrer zu achten beginnt. Im Letztgenannten macht er selbiges ohne den Job per Betrug zu erhalten und modernisiert als Schulprojekt gemeinsam mit der Klasse ein klassisches Theaterstück, die Geschichte des Wilhelm Tell.

In „Fack ju Göhte“ muss hierfür „Romeo und Julia“ herhalten, in einem Mainstreamfilm wohl deshalb gewählt, weil es das einzig klassische Stück ist, was wohl selbst die größten Volldeppen vom Namen her kennen. Denn eins trennt beide Filmversionen sehr stark voneinander: der Respekt vor Wissen und Kultur. Das Wissen ist in „Fack ju Göhte“ nur der lästige Weg um ein Ziel zu erreichen, den Schulabschluss, während Kulturgüter wie der TV-Sender Arte als zu anstrengend belächelt werden. In den Lümmel-Filmen möchte man lediglich das Autoritäre der Lehrer brechen und respektiert sehr wohl Wissen und Kultur.

Fairer Weise muss man aber betonen, dass „Fack ju Göhte“ aufgrund des aktuellen Bildungsstandes einen anderen Schwerpunkt besitzt. Er mixt die Thematik der Lümmel-Filme mit der Thematik eines „Dangerous Minds“ und Co, und da gräbt man also beim intellektuellen Bodensatz nach Lernerfolgen, wohingegen wir es bei den Komödien um Hansi Kraus mit einer Abi-Klasse zu tun hatten. Der Fehler von „Fack ju Göhte“ ist nun, dass er ähnlich naiv daher kommt wie der Vergleichsfilm mit Michelle Pfeiffer. Zwar liegt hier eine Komödie vor, aber das hier vorgeführte Weltbild alles ließe sich auf solch schlichtem Wege verbessern, wenn wir uns alle nur mehr einander annähern würden, ist mir dann selbst für einen humoristisch orientierten Feel Good-Film zu plump.

Das ist eigentlich schade, denn auf simple Art weiß der humoristische Part zu funktionieren, allein schon weil er mit übertriebenem Augenzwinkern Mentalitäten wiedergibt, die jeder im Alltag beobachten kann und die alle auch ordentlich verarscht gehören. Es ist zwar beschämend dass es gerade solch ein formal banaler Film ist, der in Deutschland zum großen Kinohit werden konnte, mehr als sympathischer Durchschnitt ist „Fack ju Göhte“ mit seinem dem für wiedergekäuerte Geschichten folgenden Lehrbuch nun wahrlich nicht geworden, aber das spricht eben für das im Film immer wieder aufblitzende Problem der mangelnden Bildung in Deutschland.

Werke wie „Fack ju Göhte“ helfen einem dabei über diesen katastrophalen Zustand schmunzeln zu können, was jedoch besser funktioniert hätte, wenn der Streifen auf die moralische Keule verzichtet hätte. Als reiner Spaßfilm kann er dadurch nicht funktionieren und wird mit den Aussagen die er treffen möchte selbst zum Spiegelbild des Problems, anstatt lediglich das Medium als Projektionsfläche zur Parodie zu nutzen. Dementsprechend ist man hin und her gerissen zwischen angenehmer Unterhaltung durch sympathische Mimen, einer süßen Love Story und einer herzlich locker flockigen Umsetzung, und zwischen Fremdschämen über das was heutzutage als intelligent, engagiert oder normal gilt.

Geht man mit „Fack ju Göhte“ nicht so streng um wie ich es tue, kann man durchaus kurzweiligen Spaß mit ihm erleben, der zwar über durchschnittliches Niveau nicht hinaus geht, aber mehr auch nicht leisten muss um zu unterhalten. Leider kann ich die Stimme in meinem Hinterkopf aber nie ganz ausschalten die mir zuflüstert: massenkompatibel und Mithelfer der Volksverdummung! Habe ich gerade leider geschrieben?


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