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Donnerstag, 19. Mai 2016

THE GOOD GIRL (2002 Miguel Arteta)


Die 30jährige Supermarktangestellte Justine hasst ihr eingefahrenes Leben, welches sie gemeinsam mit ihrem kiffenden Ehemann und dessen Freund Tag ein Tag aus lebt. Als auf ihrer Arbeit ein neuer Kollege, der junge Schriftsteller Holden, auftaucht, beginnt sie mit ihm eine Liebesaffäre. Das macht die Dinge allerdings lediglich verwirrender anstatt angenehmer...


Momentaufnahmen...

Mag sein dass „The Good Girl“ in seinem Herzen ein wenig spießig ausgefallen ist, sehnt sich die Geschichte doch nach einem Wohlgefühl und einer Antwort auf die Frage was richtig und was falsch ist, und meint, wie so oft in amerikanischen Filmen, die Antwort in der Familie zu finden. Andererseits erweist sich Artetas Drama als recht distanziert, verurteilt Justine selbst dann nicht wenn ihre Taten wahre Löcher in das Leben anderer reißen und weiß stets Verständnis für die junge Frau aufzubringen. Das ist schon eher ungewöhnlich für amerikanische Filme diesen Themas, zumindest so lange sie sich nicht als Satire a la „American Beauty“ verstehen.

Diese verständnisvolle Distanz ist es schließlich, die dem eingefahrenen Stammzuschauer romantischer Stoffe nicht gefallen wird, erweist sich die Suche nach Liebe und Glück doch keinesfalls als romantische Komödie oder Liebes-Drama, sondern viel mehr als nüchterne Betrachtung diverser Momente einer verwirrten Frau. Ihre Suche nach dem Glück, ihr Versuch das Richtige zu tun, ihre Entwicklung die sie aufgrund ihrer neuen Erfahrungen durch macht, das alles hält die Geschichte beisammen in einem Film der sich auf Momentaufnahmen eines kurzen Lebensabschnittes konzentriert (die Geschichte spielt in nur wenigen Wochen), und ein Film der sich dessen bewusst ist, dass selbst das scheinbare, recht nüchtern aber lebensnahe Happy End eine solche Momentaufnahme ist.

Manch einer wird sich wundern, dass Probleme am Ende nicht wirklich gelöst werden. Aber so ist das Leben für Menschen wie Justine, und daraus zaubert Miguel Arteta keine kitschige oder träumerische Wunderwelt, er präsentiert uns keinen magischen Kinozauber, er und der Autor der Geschichte präsentiert uns den für sein Entstehungsland mutigen Schritt uns die Entwicklungsphase einer durchschnittlichen Frau aufzuzeigen, die auf unaufgeregte Art Aufregendes erlebt, und die erfahren muss dass Fehler nicht rückgängig zu machen sind. Zwar ist Jennifer Aniston mit ihrem süßen Aussehen keinesfalls Durchschnitt und deswegen vielleicht etwas fehlbesetzt für einen solchen Streifen, aber sie macht ihre Sache gut.

Der Film erzählt zum Schluss davon, wie man sich das Leben schön lügen muss um glücklich zu sein, und trifft damit eine mutige Aussage, auch wenn das im Film selbst gar nicht so mutig wirkt. Zumindest stimmt diese Lebenserkenntniss mit den Erkenntnissen der Neurowissenschaften überein, und „The Good Girl“ weiß dies ohne Besserwisserei recht massenkompatibel dem Mainstreampublikum zu verkaufen. Allerdings ist Arteta viel zu sehr auf der Suche nach dem Wohlgefühl, als dass er all zu viel Tiefgang zulassen würde, so dass der Film weder intellektuell genug noch herzlich genug ausgefallen ist und einen trotz angenehmer 90 Minuten etwas unbefriedigt zurück lässt.

Dennoch war „The Good Girl“ eine sympathische Erfahrung, zumal es schön war die Sinnsuche einer Frau mal nicht aus dem Verwöhnblickwinkel der gut verdienenden oberen Mittelschicht erzählt zu bekommen. Justine hat einen Durchschnitts-Job, einen liebenswerten aber passiven Ehemann und ziemlich geringe Ansprüche an sich selbst. Sie ist egoistisch und bleibt es auch, die Geschichte wird keinesfalls zur moralischen Anklage, sondern erkennt dass Justine diesen Weg gehen musste um an ihr Ziel zu gelangen, ein Ziel das nicht nur aufgrund Justins Einflüsse lediglich nur eine Momentaufnahme darstellt. Auch ihr Mann könnte jederzeit Einfluss auf das zukünftige Leben nehmen. Selbstverständlich sollte man meinen, aber eben nicht für einen amerikanischen Film über Liebe und Träume.


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