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Dienstag, 17. Mai 2016

CAROLINA - AUF DER SUCHE NACH MR. PERFECT (Carolina 2003 Marleen Gorris)


Während die Großmutter mit unkonventionellen Methoden ihre etwas schräg geratene Familie beisammen hält, fällt es der von allen Familienmitgliedern am normalsten ausgefallenen Carolina am schwersten ihre Art zu akzeptieren. Erst über Umwege stellt sie fest, dass ihre Oma stets Recht behält - auch was den besten Freund Carolinas, ihren Bücher schreibenden Nachbarn Albert, angeht, welcher der jungen Dame hinterher schmachtet, während diese ihr Glück mit einem gut aussehenden und wohl erzogenenen Engländer versucht...


Sichern, sichern, sichern...

Liebeskomödien gibt es wie Sand am Meer, und nie könnte man aufgrund einer Geschichte erraten ob sich hinter einem solchen Streifen ein brauchbarer oder weniger brauchbarer verbirgt. Da diese Art Film stark mit der Sympathie zu ihren Figuren und den sie spielenden Darstellern verbunden ist, habe ich als Bewunderer der unglaublich süßen Julia Stiles freilich nicht gezögert zu „Carolina“ zu greifen, auch wenn die Geschichte sich auf dem DVD-Cover 08/15 las. Nicht dass ich mich nicht auch mal bei einer RomCom mit 08/15 zufrieden geben würde, mutig bin ich eher nicht bei meinen Stichproben dieses eigentlich von mir gern geguckten Genres.

Mir hätte es mit Julia Stiles in der Hauptrolle also wahrscheinlich durchaus gereicht mit Durchschnitt a la „Management - Die Liebe ist eine Baustelle“ abgefertigt zu werden, um so erfreuter war ich, als ich feststellen durfte welch herzensguter Film hinter dem unscheinbaren Produkt steckte, eine Geschichte die das Leben zwar manipulativ schön malt wie es für sein Genre fast schon obligatorisch ist, dies aber in einer solch angenehm einlullenden und nicht vollkommen kopflosen Art tut, dass man sich nur all zu gern dem Träumen hingibt, zumal man sich nicht einzig in Carolina verliebt, sondern gleich auch in ihre komplette ziemlich schräge Familie.

Mit der mit Shirley MacLaine so grandios besetzten Großmutter, die fast schon wichtiger für den Film ist als es Carolina zu sein scheint, spricht der Film einige Wahrheiten gerade heraus aus, während er gleichzeitig Fremdschämen verursacht, der einen wiederum an Carolina bindet. Zumindest ist dies die beste Art um den Film vollends genießen zu können, darf man sich doch mit Carolina zusammen vom Leben belehren lassen, dass man sich manches Mal an falscher Stelle fremdschämt.

Was den etwas müde besetzten Albert betrifft, der sich als der Idealkandidat für Carolina entpuppt, so ist die junge Frau im Zentrum vielleicht ein wenig zu schwer von Begriff gezeichnet, als dass es zum Restcharakter der an sich taffen Frau passen würde. Aber wer Freund der Gattung romantische Komödie ist weiß ohnehin dass man nie all zu viel Realität erwarten darf, selbst bei solch originellen und lebensnahem Genrebeiträgen wie „Harry und Sally“.

Hilfreich kommt dem hier besprochenen Film zu Gute, dass er zudem der Gattung der Tragikomödie angehört, was sich als wundervoller Mix herausstellt. Selbst wenn das finale Drama ein wenig konstruiert in die Geschichte geschuppst wird, so wirkt dies aufgrund der emotionalen Vorarbeit doch nie wie ein Fremdkörper in einem sonst gelungenen Film. Ganz im Gegenteil schafft es dieser Aspekt die Geschichte in eine wesentlich unverkrampftere Richtung zu lenken um das zu erzählen was noch erzählt werden muss, als das was alternativ ohne das tragische Schicksal am Ende an Möglichkeiten zur Auswahl gestanden hätte - zumindest orientiert an den Konkurrenzprodukten aus Amerika, die sich mit dem letzten Drittel gerne hin und wieder schwer tun.

„Carolina“ ist ein wundervoller Film über das Leben, die Familie und die Liebe, über das was wichtig und unwichtig ist und zeigt uns damit warum es auch immer Filme für naive Träumer geben muss, über die eiskalte Intellektuelle immer wieder aufgrund der Realitätsferne durch Verschönerung von Augenblicken schimpfen werden. Lasst sie schimpfen! Die haben doch keine Ahnung wofür Kino alles da sein kann! Kino darf alles sein, erst recht wenn es solch ein gutes Gefühl hinterlässt wie Marleen Gorris Film, das bislang erste Werk welches ich von ihr gesehen habe.

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