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Donnerstag, 2. Juni 2016

DER HEXER (1932 Carl Lamac)


Die Schwester des kürzlich verstorbenen Hexers wird tot in der Themse aufgefunden. Als kurz darauf die in Australien lebende Witwe des Verbrechers mit einem Schiff in London ankommt und Scotland Yard die Information erhält dass die Leiche des totgeglaubten Hexers jemand anders war, ist allen klar dass er zurückgekehrt ist um Rache zu nehmen. Am verdächtigsten erscheint Rechtsanwalt Meister, bei dem die Schwester des Kriminelle tötetenden Kriminellen als Sekretärin eingestellt war und für den seit neuestem die attraktive Schwester eines seiner Mandanten arbeitet...


Der Hexer ist unter uns...

Im Gegensatz zu dem ein Jahr zuvor erschienenden Edgar Wallace-Krimi „Der Zinker“ kommt „Der Hexer“ wesentlich unverkrampfter und damit unterhaltsamer daher als sein Vorgänger. Die Zusammenkunft verschiedenster interessanter Charaktere sorgt zwar nicht für ein vielfältiges Mörderraten, dafür kommen zu wenige Personen in Frage, um so überraschter darf man dann aber doch sein wer sich als Hexer entpuppt. Und bis es zur Auflösung kommt sorgt besagte Charaktervielfalt für einen unterhaltsamen Weg zum Ziel.

Carl Lamacs Werk war nach „Der Würger kommt um Mitternacht“ aus dem Jahre 1931 bereits die zweite Verfilmung des mittlerweile sieben mal verfilmten Stoffes, von welchem die deutsche Produktion aus dem Jahre 1964, unter der Regie von Alfred Vohrer, wohl die berühmteste sein dürfte. Die hier besprochene Version steht dem nicht in vieles nach. Zwar mag „Der Hexer“ der letzte seit der Stummfilmzeit gedrehte ernste deutsche Kriminalfilm nach einer Vorlage von Edgar Wallace sein bevor 1959 mit „Der Frosch mit der Maske“ die berühmte Rialto-Reihe begann (1934 entstand lediglich noch eine mit Kriminalfilm-Elementen spielende Komödie unter dem Titel „Der Doppelgänger“), leicht humoristische Ansätze hat aber auch er zu bieten, gerade was die Rolle des Kleinganoven Hackitt betrifft.

Durch sein durch die Stummfilmzeit geprägtes fast schon comicartig diabolisches Spiel fällt in erster Linie jedoch Fritz Rasp in den Vordergrund, auch wenn er lediglich eine große Nebenrolle spielen darf. Wie er den zwielichtigen Anwalt Meister verkörpert ist bereits das Einschalten wert, und es tat gut ihn zudem in der besten Szene des Streifens erleben zu dürfen, wenn der Hexer ihm erfolglos nach dem Leben trachtet in einer verspielten Licht- und Schattensequenz, in der deutlich wird, dass die Zeit des Stummfilms erst vor kurzen vom Tonfilm abgelöst wurde.

Dies merkt man allerdings bereits in der allerersten Szene, wenn die Tote aus der Themse gefischt wird und es einige Zeit dauert bis auch der Ton seinen Platz im Film findet. Dieser ist ebenso wie die Bildqualität auf einem relativ niedrigen Niveau (wobei „Der Zinker“ sich diesbezüglich anstrengender anhörte), das liegt aber auch daran dass „Der Hexer“ viele Jahrzehnte als verschollen galt und die einzig bislang wiederentdeckte Kopie schon derart zerstört war, dass sie selbst nach der Restaurierung noch einige Schäden aufwies. Als vielseitig interessierter Cineast nimmt man diese Makel freilich gern in Kauf, ist Lamacs Version des so oft verfilmten Stoffes doch sowohl ein interessantes Zeitdokument als auch ein kurzweiliger Kriminalfilm den man sich als Vergleich zu Vohrers Version nicht entgehen lassen sollte.

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