Wer sich wundern mag warum ein von Charles Band produzierter Film mit so viel Sorgfalt umgesetzt ist, gerade was die Puppenanimationen und die Spezialeffekte betrifft: der Billigfilmer war im Falle von „Dolls“ nicht allein verantwortlich für die Produktionsbedingungen. Ihm stand Brian Yuzna zur Seite, der mit dem hier Regie führenden Stuart Gordon bereits „Re-Animator“ und „From Beyond - Aliens des Grauens" gezaubert hatte, zwei Filme wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, die aber beide ihren Reiz besaßen. Mit „Dolls - Killerpuppen spielen nachts absolut tödlich“ (Alternativtitel) setzten sie ihre Arbeit fort, und erneut ist ihnen ein Genre-Beitrag geglückt, der sich mit den Vorgängern nicht vergleichen lässt.
Nach dem schwarzhumorigen Zombiefilm und dem hart und ernst umgesetzten Monsterfilm mit Sadomaso-Touch haben sie mit „Dolls“ einen märchenhaften Horrorfilm umgesetzt, der sich an die Träumer und Nostalgiker wendet. Das bedeutet keinesfalls dass das hier besprochene Werk nicht ebenfalls düster ausgefallen wäre, es ist morbide und brutal, aber in seiner Aussage eben an die Fantasie und Träumerei appelierend und ähnlich wie Hoopers „Poltergeist“ stets zwischen funktionierendem Horror und Märchen für Erwachsene hin und her pendelnd.
Die reichhaltige Puppenausstattung, das unheimlich wirkende Haus und eine kleine Gruppe überraschend gut agierender Schauspieler machen in Kombination mit der düster-verträumten Grundstimmung das tolle Ergebnis von „Dolls“ aus, der völlig zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist. Mit dem berühmtesten Vertreter zum Thema Puppen-Horror, „Chucky - Die Mörderpuppe“, kann er es locker aufnehmen, beide Werke stehen sich in nichts nach. Und Charles Bands aus eigenem Haus kreierte Konkurrenz „Puppet Master“ und „Demonic Toys“, beides Filme die immer wieder unter seiner Aufsicht fortgesetzt werden, lässt er locker hinter sich.
„Dolls“ ist ein Liebhaberstück aus den verspielten 80er Jahren, in seinem Herzen stets Popkornkino, und doch düster genug umgesetzt um Horror-Fans das Herz höher schlagen zu lassen. Von verspielten Ideen wie der Tagtraumsequenz Judys, in welcher ihr Teddy zur mörderischen Riesenbestie mutiert, bis hin zu solch beeindruckenden Szenen wie die Verwandlung einer jungen Frau in eine Puppe und dem Todestribunal einer Gruppe Soldatenpuppen bietet Stuart Gordon, der einige Zeit später mit „Castle Freak“ schon wieder einen sehenswerten Genre-Beitrag schuf der mit den Vorgängern stilistisch nichts gemein hat, jede Menge Abwechslung in einem dicht erzählten Film, der dank interessanter Charaktere und seiner charmanten Geschichte das Publikum an sich zu binden weiß. Und gerade dann wenn man denkt der Film würde ewig harmlos verspielt auf zugegebener Maßen angenehme Art vor sich hinplätschern, geht der Streifen unerwartet hart zur Sache und präsentiert uns eine Flut wirkungsreich umgesetzter, handgemachter Spezialeffekte, die man gerade in einer Charles Band-Produktion nie erwarten würde - auch nicht in den 80er Jahren. OFDb
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