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Freitag, 8. Juli 2016

DAS GEHEIMNIS DER WEISSEN NONNE (The Trygon Factor 1966 Cyril Frankel)


Als Cooper Smith den Kriminalfall eines verstorbenen Kollegen übernimmt, vermutet er instinktiv illegales Treiben in einem Kloster. Tatsächlich plant man dort einen Bankraub besonderem Ausmaßes...


Das Geheimnis der gebrannten Vasen...

„Das Geheimnis der weißen Nonne“, der zweite Farbfilm der Wallace-Reihe der Rialto-Studios, ist in vielerlei Hinsicht ein besonderer Vertreter besagter Reihe. Nicht nur dass er der letzte Teil sein sollte in welchem Wallace-Urgestein Eddi Arent mitspielte, der in englischer Co-Produktion an Original-Schauplätzen entstandene Streifen ist zudem der teuerste Film der Serie gewesen und war für einige Jahre der letzte Wallace-Film, der von einem anderen Regisseur als Alfred Vohrer umgesetzt wurde, der bis „Der Mann mit dem Glasauge“ 1969 das Ruder übernahm.

Die Regie übernahm zum einzigen Mal Cyril Frankel. Und auch die mit dem damaligen US-Star Stewart Granger besetzte Rolle des Cooper-Smith sollte eine einmalige Angelegenheit sein, obwohl er noch im selben Jahr gemeinsam mit manch deutschem Dauergast der Reihe auch in „Das Geheimnis der gelben Mönche“ mitwirkte, ein Werk das jedoch nicht auf einer Arbeit von Edgar Wallace beruhte. Neben Eddi Arent ist auch Siegried Schürenberg als Sir John im hier besprochenen Streifen als eines der wenigen Originale der Reihe vertreten. Zumindest durfte zudem wieder Peter Thomas die Musik beisteuern, die sich dieses Mal sehr zurückhält und fast schon konservativ ausgefallen ist.

Aufgrund der strengen Auslegung des Kommissaren-Charakters könnte man dies auch voreilig von „Das Geheimnis der weißen Nonne“ behaupten, aber was sich zunächst recht engstirnig und routiniert guckt wird zu einem recht ungewöhnlichen Kriminalfall, in welchem ein Kommissar mit Nonnen kämpfen darf, eine futuristisch wirkende Waffe von einem Mann in einem nicht weniger futuristisch wirkenden Schutzanzug abgefeuert wird, mehr Menschen sterben als es in einem Wallace-Film üblich ist, Geisteskranke umherlaufen als wären sie die normalsten Bürger der Welt und wieder einmal ein Maske tragender Mörder umgehen, obwohl der eigentliche Kriminalfall diesen nicht zwingend nötig gehabt hätte.

Trotz seiner recht konventionellen Erzählung kommt „The Trygon Factor“ (Originaltitel) somit recht schräg daher und wird zeitgemäß zudem mit manch für damalige Zeiten erotischen Elementen aufgepeppt. Auch wenn der eigentliche Aufhänger der Geschichte eher unsinniger Natur ist, da man nie so ganz begreift was Cooper Smith eigentlich so treibt und warum ihm das Kloster ein Dorn im Auge ist (es gibt keinerlei Gründe, geschweige denn Beweise, dass dort etwas Illegales vor sich gehen würde), so ist „Das Geheimnis der weißen Nonne“ doch wesentlich besser ausgefallen als die mit Christopher Lee besetzte deutsch-britische Co-Produktion des Rialto-Wallace-Krimis „Das Geheimnis der gelben Narzissen“ fünf Jahre zuvor, der wohl der Tiefpunkt der Reihe war.

Es ist der Mix aus der ernsten, konservativen Umsetzung, die auf leichte humoristische Einflüsse und skurrile Gimmicks trifft, der mich an dem ungewöhnlichen Kriminalfilm reizt. Zudem gefällt es mir, dass die Verbrecher diesmal keine fehlerlosen Superverbrecher sind. Wenn während des entscheidenden Diebstahls zur falschen Zeit ein Polizist aufkreuzt, droht der Plan zu platzen, und selbst die selbstsichersten Köpfe der Organisation beginnen zu schwitzen. Diese atmosphärisch dichte, geradezu spannend ausgefallene Szene zeigt zudem, dass „Das Geheimnis der weißen Nonne“ aus verschiedenen Perspektiven erzählt ist. In diesem Moment bangt man mit den Tätern mit, im nächsten wünscht man Cooper-Smith Erfolg den Fall zu lösen.

Nicht immer ergibt jegliche Zutat ein perfekt zusammengezimmertes Ganzes. Die Love Story wird ein wenig umständlich und eigentlich auch recht unglaubwürdig eingebaut, und auch die Idee des geistig behinderten Sohnes einer alten Lady wird eher ruppig eingefangen und dient einzig dem Zweck dem Ganzen einen weiteren schrägen Zusatzreiz zu bescheren. Dass das komplette Verbrechen mal wieder viel zu umständlich angegangen wird, ist eine typische Wallace-Krankheit. Das kann man dem Film speziell also somit nicht vorwerfen. So fallen weiße Nonnen am Tatort schließlich extremer auf als normale Passanten, und ein einreisender Fremder würde weniger Misstrauen ernten als ein aus dem Ausland überführter Toter im Sarg.

Aber diese Spielereien gehören zu einem Film dieser Reihe einfach dazu, und auch wenn sich „Das Geheimnis der weißen Nonne“ mehr in englischer als wie üblicher Weise in deutscher Hand befindet, so ist er doch ein kompatibler Beitrag und kein Fremdstück wie es später „Das Gesicht im Dunkeln“ oder die beiden Giallos am Ende der Serie werden sollten. „Das Geheimnis der weißen Nonne“ steht zwar manches Mal auf wackeligen Beinen, aber die atmosphärisch recht hoch gehaltene Inszenierung weiß dies wieder auszubügeln.


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