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Samstag, 9. Juli 2016

DER BABADOOK (The Babadook 2014 Jennifer Kent)


Ihren Mann hat Amelia auf dem Weg zur Entbindung verloren. Deswegen muss sie sich um ihr verhaltensauffälliges Kind all die Jahre alleine kümmern. Eines Tages liest sie ihm aus einem ungewöhnlichen und düsteren Buch namens Der Babadook vor, von dem sie nicht weiß wie es überhaupt ins Haus gelangt ist. Und von diesem Tag an glaubt ihr Sohn Samuel der Babadook käme ihn und seine Mutter holen. Die überforderte Mutter muss mit der Zeit erkennen, dass tatsächlich etwas Unheimliches in ihrem Haus vor sich geht seit das Buch gelesen wurde...


Schwarzer Mann, Boogeyman, Babadook...

Als im Internet von den Horrorfilmen „It Follows“ und „Ich seh, ich seh“ regelrecht geschwärmt wurde, da konnte ich den lobenden Worten nur zustimmen, waren doch beide Genrebeiträge so innovativ wie effektiv. Ähnlich positiv wird „Der Babadook“ in den meisten Fällen besprochen, ein australischer Streifen, der auf dem Kurzfilm „Monster“ beruht. Diesmal kann ich den Hype nicht verstehen, ist Jennifer Kents Spukfilm doch zwar ein kurzweiliges Stück Horrorunterhaltung mit einigen tatsächlich großartigen Eigenschaften, insgesamt aber dann doch zu durchschnittlich ausgefallen, als dass er wahrlich zu begeistern wüsste.

Letztendlich ist die eigentliche Entwicklung der Geschichte zu routiniert ausgefallen, auch wenn Kent dies zunächst perfekt zu tarnen versteht, wenn sie uns gekonnt die Leiden Amelias aufzeigt, die einem wahrlich leid tun kann. Samuel nervt derart penetrant und damit nicht nur theoretisch, dass man den Druck der auf der Mutter lastet perfekt mitempfinden kann. Noch bevor der Spuk Einzug in die Geschichte hält, erlebt diese Frau bereits den wahren Horror, der sie immer mehr von der Gesellschaft anderer isoliert. Essie Davies mag nicht zum Subtilen neigen, aber sie spielt die Mutter am Rande des Nervenzusammenbruchs genauso glaubwürdig und bewundernswert, wie sie auch ihre charakterliche Verwandlung im Laufe des Streifens gemeistert bekommt.

Es dauert einige Zeit bis der eigentliche Horror ins Geschehen tritt und tatsächlich Terror verbreitet. Doch bis es so weit ist wissen allein die so wirkungsvoll ausgefallenen Zeichnungen im Babadook-Buch wahren Grusel zu vermitteln. Das nicht zu Ende gezeichnete Werk ist ein düsteres Buch, dem man tatsächlich abkauft dass es Kinder verängstigen kann. Und Kent weiß es optisch wirkungsvoll einzufangen inmitten eines Filmes, der ohnehin atmosphärisch dicht erzählt ist und einen allein schon aufgrund der Alltagsgeschehnisse bereits eng an die Figuren bindet.

Wenn der wahre Spuk über Mutter und Kind hereinbricht, in einem Mix aus „Boogeyman“ und „Shining“, hört „Der Babadook“ irgendwann auf sonderlich innovativ und kraftvoll zu wirken. Der Gruselgehalt erreicht nie die Intensivität eines „The Grudge - Der Fluch“, „Insidious“ oder „Paranormal Activity“. Zwar weiß Kent das düstere Treiben gehaltvoll erscheinen zu lassen, da es durch eine wohldurchdachte Psychologie des Verdrängens gestützt wird, ein Punkt der besonders wichtig für die bevorstehende Schluss-Pointe ist, aber rein effektiv wäre mehr im letzten Drittel an wirkungsreichem Spuk möglich gewesen.

So unterhaltungsfreundlich „Der Babadook“ auch in dieser letzten Phase bleibt, leider vergeigt es gerade das letzte Drittel, dass der Film trotz all seiner positiven Eigenschaften zur wahren Empfehlung wird. Besagter Teil des Streifens degradiert ihn zur Horror-Routine, auch wenn man es aufgrund seiner Stärken kaum glauben kann. So intensiv das menschliche Drama ausgefallen ist, so großartig die Fantasie im Buch Gestalt annimmt und die Psychologie geistreich durchdacht im Hintergrund mitspielt, so austauschbar fällt letzten Endes leider der eigentliche Horrorgehalt aus, der zwar in der Phase seiner Entstehung gekonnt eine Erwartungshaltung aufzubauen vermag, aber dann in den entscheidenden Momenten nichts bietet was ihn von vielen anderen Werken dieser Art unterscheidet. Zumindest darf sich „Der Babadook“ zu den interessanten Werken des Durchschnitts-Horrors zählen. Bei der Nähe zu seinen Figuren und seinem Einfallsreichtum ist er alles andere als ein Langeweiler. Und seine Schluss-Pointe muss man einfach lieben.


Nachtrag:
Die Zweitsichtung lässt mich weniger streng mit "Der Babadook" umgehen. So ist es zwar richtig, dass er es in seinem letzten Drittel nicht schafft wahrhaftigen Grusel zu erzeugen und damit den Zuschauer zu ängstigen, aber das muss er in seiner psychologisch durchdachten, interessanten, mit griffigen Charakteren versehenen Art auch gar nicht. Auch hier bleibt "Der Babadook" intelligent und gut erzählt wie zuvor, und das macht ihn bereits zu einem gelungenen, hervorhebenswerten Film. Wie gut man den Film findet, hängt somit ein wenig von der Erwartungshaltung ab. Verängstigt "Der Babadook"? Nein! Aber er gibt seinem Spuk-Phänomen einen psychologisch durchdachten Hintergrund, der im Finale gerade dann zu wirken weiß, wenn man weiß worauf der Film hinaus will. In meinem Fall war das somit die Zweitsichtung.


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1 Kommentar:

  1. Den habe ich ähnlich gesehen wie du. Mit dem Einzug des wahren Horrors (auch wenn der Sohn selbst schon Horror genug entwickelt) wird der Film sehr klischeehaft und arbeitet sich an vielen Horrorversatzstücken ab. Das ist im Endeffekt dann doch nicht genug, um besser als der Rest des Genres zu sein.

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