Schlombies Filmbesprechungen auf Facebook:

Montag, 29. August 2016

AFTER EDEN (2015 Hans Christian Berger)


Adam ist so vernarrt in die Pornodarstellerin Eve, dass er ihr per Videokamera nachspioniert. Als er eines Tages den Mut fasst sie für einen Privat-Dreh zu engagieren, sagt Eve überraschend zu...


Manche Fantasie sollte Fantasie bleiben...

Erotikfilm versteht sich gerne als Kunst, kann im besten Fall gar zu einem sensiblen Drama über das werden, über das öffentlich nur ungern ehrlich geredet wird. Will man den Schatten des Schundfilmes überwinden, muss ein intellektueller Touch her, und das endet gerne mal in pseudo-intellektuellem Getue, zu Kunst-getarntem Schmonsens, und auch wenn ich nicht all zu hart mit „After Eden“ ins Gericht gehen möchte, so muss ich doch trotzdem sagen dass er in diese unangenehme Richtung tendiert, holt Regisseur Hans Christian Berger, für den der hier besprochene Film sein Debut und sein bislang einziger Spielfilm ist, doch zu wenig aus der Ausgangsidee heraus.

Es reicht einfach nicht lange unterkühlte Kameraeinstellungen zu wählen, die nackte Haut ebenso zu unterkühlen um den Erotikaspekt zu minimieren und jeglichen Handlungsaspekt angedeutet zu lassen. So etwas reizt einige Zeit, hält ein solches Werk für ein interessiertes Publikum sogar länger über Wasser als man meinen sollte, aber am Ende bleibt wenig Nachhall. Hier wirkt alles eine Spur zu offen. Auch in dieser Art Film, die absichtlich nicht zu viel kommentieren will, sondern es darauf anlegt das Publikum selbst entdecken zu lassen, hätte ich mir ein deutlicheres Ende gewünscht, das zumindest kurz andeutet was es nun wirklich wollte.

Klar macht man sich als Zuschauer seine Gedanken, wenn man Adams Vorbereitungen parallel zu Eves Alltag begleitet. Sicher wird deutlich wie sehr Eve eine Rolle spielt und wie sehr Adam, trotz provozierender Fragen, in ihr nichts weiter als den lüsternen Pornostar sehen will. Das kann freilich auch nicht erfreulich für Adam enden. Und natürlich reizt auch das Nichtwissen dessen was (nicht) geschehen ist in der entscheidenden Nacht. Außerdem weiß das Finale aufzuwühlen, aufgrund der beunruhigenden Szenen Adams im Umgang mit seiner Waffe. Uns von Anfang an solche Bilder vorzusetzen ist ein berechnender wie wirksamer Kniff innerhalb eines Filmes, der in seiner digitalen Optik und der Dialog-armen Umsetzung dokumentatorisch wirkt.

Hilfreich kommt diesem Effekt zudem zu Gute, dass Hauptdarstellerin Alyssa Reece tatsächlich aus der Porno-Branche stammt. „After Eden“ ist ihr erster Nicht-Hardcore-Film. Schauspielerisch musste sie jedoch nur das bewerkstelligen, was man auch in ihren Beischlaf-Werken sichtet. Ein unentdecktes Talent ist sie nicht. Interessant ist der Kniff sie in jenen typischen Pornomomenten zu zeigen, in welchen die Darstellerinnen vor den nackten Taten zunächst pseudo-realistisch interviewt werden. Ob man sich da die Rechte aus den realen Pornofilmen von Reece gesichert hat, oder ob das Ganze sehr echt nachgestellt wurde, kann ich nicht beantworten, aber es gibt dem Streifen einen authentischen Touch.

Mag ein Kunstfilm auch nicht viel offen aussagen von dem was er aussagen will, so wirkt die Verschwiegenheit in „After Eden“ eher wie ein krampfhafter Versuch etwas simpel Abgefilmtes als intellektuell zu verkaufen. Trotz aller angedeuteten Themen und zu entdeckenden Wahrheiten, wahre Tiefgründigkeit tut sich hier nicht wirklich auf. Man bekommt den Eindruck Berger drehte den Film so, weil man das nun einmal so tut um in intellektuellen Filmkreisen bemerkt zu werden, und nicht weil er damit tatsächlich mehr bezwecken will als die oberflächliche Analyse, die ich hier lustlos angedeutet habe, um zu signalisieren dass sie mir trotz der scharfen Kritik die ich hier äußer durchaus nicht entgangen ist.

Komplett verreißen könnte ich „After Eden“ jedoch trotzdem nie, sind die Ansätze doch durchaus interessant, der Einsatz einer ollen Digi-Cam legitim, da diese Art Bilder zu anderen Aussagen fähig ist als ein mit überarbeiteten Bildern abgeliefertes Werk. Auch besaß Bergers Streifen wesentlich weniger Erotikszenen als das DVD-Cover vermuten lässt und tarnt somit keinen reinen Nackedei-Film als Pseudo-Kunst. Doch trotzdem muss ich dieses Wort verwenden. „After Eden“ ist pseudo. Nicht ohne Reiz, aber weder Hamilton, Haneke noch Franco. „After Eden“ wirkt nicht ehrlich und echt, er wirkt gewollt intellektuell, er wirkt in den tiefen Aspekten zu zufällig, und er wirkt in seinem kommentarlosem Abschluss feige anstatt tiefsinnig. Das kann wer anders aber freilich völlig anders empfinden. Anbei hätte ich „After Eve“ für den besseren Titel gehalten um das Gesehene besser nachhallen zu lassen.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen