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Samstag, 22. Oktober 2016

HUBERT UND STALLER - STAFFEL 1 - 3 (2011 Oliver Mielke u.a.)


Hubert und Staller sind zwei völlig unterschiedliche Kleinstadt-Polizisten aus Ober-Bayern, die stets gemeinsam zufällig auf Mordfälle stoßen, die es dann zu lösen gibt...


Hubsi und Hansi...

Ermittelten „Derrick“ und „Der Alte“ noch auf hochdeutsch, da erlebt man in der humoristischen Krimi-Serie „Hubert und Staller“ die Ermittler und ihr Umfeld auf bayrisch, was den ein oder anderen davon abhalten könnte einzuschalten. Dann verpasst man jedoch eine der charmantesten deutschen Fernsehserien der letzten Jahre, die nicht nur mit einer ungewöhnlichen und intelligenten Charakterzeichnung daher kommt, sondern auch den Mix aus interessantem Kriminalfall, sowie lautem und subtilen Humor gekonnt beherrscht und trotz, bzw. mittels comichafter Übertreibung stets aus menschlicher Perspektive erzählt ist.

Das bedeutet, dass die Ermittler keine überkorrekten und lebensfremden Beamten sind, sondern Menschen wie Du und ich, die ebenso über die Tücken des Alltags stolpern wie jeder andere auch. Der Mix aus Ahnungslosigkeit, Naivität und Professionalität verhindert in der Charakterisierung der Hauptfiguren jede Form von Stereotyp, zumal die Figuren analytisch tief greifen und auch von ihren Widersprüchlichkeiten profitieren. Dass ein Phantast auch ein festgefahrener Spießer sein kann, beweist die Figur des clowneresken Staller, wohingegen der menschenscheue Hubert ein verschlossener Typ ist, außer wenn es darum geht andere zu kritisieren, zu beleidigen oder zynische Sätze loszulassen. Unsensibel sind sie beide, und zwischen ihnen herrscht so eine Art Hassliebe, eher von der Pflicht aneinander gebunden als vom menschlichen Faktor her, aber doch meist zusammenhaltend und als Team agierend.

Lebte die erste Staffel charakterlich fast ausschließlich von ihnen und dem von Michael Brandner so gekonnt verkörperten Chef Girwidz, der wahrlich unter allen Chefrankheiten leidet, welche Arbeitnehmer so gar nicht mögen, so entfalten sich die Nebenfiguren in den kommenden zwei Staffeln schließlich auch noch, bis man schließlich ein komplett charmantes Team beisammen hat, welches selbst in schächer ausgefallenen Folgen, die aber nur sehr rar gesät sind, dafür sorgen, dass die 45 Minuten trotzdem noch genügend Spaß bereiten um das Einschalten nicht zu bereuen.

Einige unnötige Regelmäßigkeiten in Staffel 1 verhinderten, dass dieser Idealzustand zuvor auftreten konnte. So gab es serielle Pflichten, die es pro Folge abzuarbeiten gab, die den flüssigen Verlauf der Erzählung unangenehm unterbrachen. Allen voran wäre der merkwürdige Angelpartner Huberts zu nennen, der stets pseudo-intelluktelle philosophische Denkansätze zu den Kriminalfällen äußerte und nach Staffel 1 glücklicher Weise nie mehr gesehen war. Das zweitgrößte Hindernis guter Unterhaltung, die äußerst unsympathische Reporterin Hansen, wird man erst in Staffel 3 komplett los, allerdings kommt sie bereits in Staffel 2 nicht mehr so dominant vor wie in der etwas ruckelig ausgefallenen, aber trotzdem schon stark sympatrhischen Staffel 1.

Selbst der Polizeichef wird in dieser ersten Season noch relativ monoton eingebracht, was den von mir so gern gesichteten Michael Brandner sichtlich unterfordert. Und auch die Kabbeleien zwischen Hubert und seiner Ex-Frau, der Pathologin Licht, fallen zunächst arg flach und vordergründig aus, bevor sie später verspielt, subtil und doch nur halbehrlich umgesetzt werden, was gerade durch letztgenannten Punkt zu einer interessant emotionalen Spannung zwischen beiden führt. Einzig der Türke Yazid hat es in Staffel 1 mit seiner Dönerbude in der Einöde besser erwischt als später als selbstständiger, halblegaler und semi-professioneller Unternehmer, so dass er später eher nervt anstatt, wie zuvor, die Ermittlungen mit trockenen Kommentaren zu bereichern.

Die Fälle selbst schwanken zwischen sehr interessant und mittelmäßig, ein uninteressanter war bislang nicht dabei, und selbst die mittelmäßigen werden aufgrund der Ermittlungshemmnisse, bzw. dem Beheben dieser durch neue Erkenntnisse, meist aufgefrischt und damit interessanter gestaltet als sie eigentlich sind. In Staffel 3 neigt man leider etwas zu sehr dazu reißerische Themen aufzugreifen, was sich aufgrund des relativ kleinen Radius, in welchem sich die Polizisten bewegen, arg unglaubwürdig guckt. Zwar hat man nicht das Problem eines „Mord mit Aussicht“, dass die Quote der Verbrechen nicht zur Umgebung passt, das verhindert allein schon der comichafte Grundton, aber dass ab Staffel 3 immer wieder Hintergründe wie Geldfälscherei, mafiosische Machenschaften oder illegaler Wildhandel, um nur ein paar zu nennen, aufgedeckt werden, überspannt den Bogen dann doch.

So schaut sich die Serie immer dann am wirksamsten, wenn es einen ganz normalen Mord aufzuklären gibt, und da dies in der Regel der Fall ist und die ohnehin interessant geschriebenen Charaktere sich zudem im Laufe der Zeit weiterentwickeln dürfen, steht dem Sehspaß über dem gelegentlichen Gucken hinaus nichts im Weg. Allein die gute Besetzung ist einen Blick wert, in welcher lediglich Paul Sedlmeier etwas zu monoton wirkt, im immergleichen Spiel, was aber sicherlich mehr am Drehbuch liegen dürfte, welches ihm zu wenige Chancen einräumt sich beweisen zu dürfen, als an Sedlmeier selbst.

Wer kein Problem mit dem bayrischen Dialekt hat, sollte also ruhig einmal in diese humoristische Krimiserie hineinschauen, bietet sie doch sowohl den kurzweiligen Entspannungsfaktor, den man nach der Arbeit geplagt von einer Vorabendserie erwartet, im Gegensatz zu vielen Konkurrenzproduktionen aber trotzdem nicht auf den kleinen intellektuellen Gehalt verzichtet, der dafür sorgt dass man geistig nicht völlig unterfordert wird.


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