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Mittwoch, 1. Juli 2015

DER REGENSCHIRMMÖRDER (Le coup du parapluie 1980 Gérard Oury)


Eigentlich wollte der erfolglose Schauspieler Grégorie Lecomte an einem Casting für die Rolle eines Auftragskillers teilnehmen, stattdessen nimmt er dank der falschen Tür einen tatsächlichen Auftrag als Killer an, ohne es zu merken. Der echte Killer und jede Menge anderer Gestalten sind dem ahnungslosen Narr bald auf den Fersen...


Der große Blonde mit dem giftigen Schirm...

Dass Lecomte in „Der Regenschirmmörder" mit einem echten Auftragskiller verwechselt werden kann und er auch lange danach noch nichts von diesem Irrtum merkt, funktioniert nur deshalb glaubwürdig, weil die Hauptfigur ein arroganter Charakter ist, der nur an sich selbst und seinen Vorteil denkt. Deswegen betrügt er auch  immer wieder seine Freundin, und lügt wie gedruckt, selbst nahestehenden Menschen gegenüber. Ein Happy End würde man ihm in einem regulären Film nicht wünschen, aber wir befinden uns in einer Pierre Richard-Komödie, und die folgt dem Gesetz dass wir uns stets bewusst sind, dass die Hauprolle von dem sympathischen blonden Komiker gespielt wird. Und deshalb mögen wir die Arroganz die er an den Tag legt. Und hoffen dass er auf dem Weg zum Happy End möglichst viel Chaos anrichtet.

Hiermit hält sich Richard verhältnismäßig zurück, und wenn Slapstick auf dem Programm steht wird eine einzelne Szene auch nicht so ausschweifend zelebriert oder mit individuellem Touch versehen wie beispielsweise in „Der Tolpatsch mit dem sechsten Sinn“. Regisseur Oury, der zwei Jahre zuvor mit Richard „Der Sanfte mit den schnellen Beinen“ drehte und auch Dreherfahrungen mit Louis de Funès („Die Abenteuer des Rabbi Jacob“) und Jean-Paul Belmondo („Das As der Asse“) sammelte, konzentriert sich eher auf die Verwechslungsgeschichte, die eigentlich eine schlichtere Abwandlung des Hits „Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh“ ist, nur dass es diesmal um die andere Seite des Gesetzes geht, eine Verwechslung anstatt einer Intrige vorliegt und es somit ein Original gibt, dem der Auftrag weggeschnappt wurde.

Ein solcher Auftragskiller ist in einem solchen Film freilich eine Comicfigur voller Klischees, und damit schon im Ur-Zustand eine unangenehme Person. Dass sie aufgrund des weggeschnappten Auftrags und im weiteren Verlauf zudem durch die Opferrolle der von Lecomtes verursachten Unfälle erst recht zu einer hasserfüllten nach Rache lechzenden Figur wird, ist nahe liegend. Und da hat man rein äußerlich schon ein faszinierendes Schurkengesicht gecastet, welches keine Klischeewünsche offen lässt. Vieles an Komik in „Die Regenschirmmörder“ (Alternativtitel) funktioniert allein aufgrund des Aussehens des wahren Killers.

Ohnehin verlässt man sich hauptsächlich auf die Besetzung. Gert Fröbe darf einen herrlichen Fiesling spielen, der wiederum einen indischen Beschützer hat der jedes humorlose Klischee eines mörderischen Dieners verkörpert. Lecomte wiederum hat einen Agenten an seiner Seite, der den naiven Part aller Beteiligten übernehmen darf, und dann gibt es in Zentrum freilich Lecomte selbst, der ein zu Unfällen neigender Egomane ist. Lediglich die weiblichen Rollen kommen etwas schlecht weg, erfüllen lediglich den Part der eifersüchtigen Zicke und des oberflächlichen Mädels das sich nach mehr Luxus sehnt. Aber auf den männlichen Part kann Gérard Oury wahrlich zählen, und das ist sein Glück, denn damit erreicht „Die Sache mit dem Regenschirm“ (Alternativtitel) die Ziellinie ohne den Zuschauer gelangweilt oder enttäuscht zu haben, obwohl der Slapstick wie bereits erwähnt nicht erste Sahne ist und obwohl die Geschichte nicht gerade vor Innovation sprüht.

Zu funktionieren weiß sie allerdings dennoch, sind die Verwechslungen und Missgeschicke inmitten einer mörderischen Verbrecherwelt doch recht heftig und Oury schäfft es ähnlich wie Bill Murray später in „Agent Null Null Nix“ den Helden fast bis zum Schluss von allem keine Ahnung haben zu lassen. Und wird ihm dies dann doch mal bewusst, dann begreift der Autor der Geschichte endlich einmal das, was man bei anderen Filmen mit Schauspielern im Vordergrund sonst vermisst, nämlich die Feststellung von Profis, dass das gerade Erlebte sich doch wunderbar für einen Film eignen würde.

Für eine Komödie, bei der man nicht wirklich wüsste wie man sie nach all dem Chaos und den vielen Toten enden lassen sollte, bietet sich ein solcher Ausweg wunderbar an. Man schließt mit einer solchen Idee humoristisch, ohne in Erklärnot zu verfallen, obwohl es da sicherlich noch viel Redebedarf gegeben hätte, vorausgesetzt man hätte einen regulären Kriminalfilm anstatt einer Pierre Richard-Komödie gesichtet.


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