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Montag, 26. Dezember 2016

BLADE RUNNER (The Blade Runner 1982 Ridley Scott)


Obwohl es ihnen gesetzlich untersagt ist kehren künstliche Menschen nach einer Weltraummission auf die Erde zurück. Deckard, der darauf spezialisiert ist diese Elemente zu zerstören, macht Jagd auf sie...


Erinnerungen wie Tränen im Regen...

Man traut es sich kaum dies offen auszusprechen, aber mit meiner Sichtung von „Blade Runner“ schließt sich eine jener Lücken, die unter die Überschrift „kaum zu glauben, dass ich diesen Film bislang nicht gesehen habe“ fällt. Nun habe auch ich den Vorreiter sämtlicher philosophischer Filme um künstliche Intelligenzen gesichtet, und ich bin überrascht wie zurückhaltend die Frage zwischen Leben oder Maschine noch behandelt wird, erfährt das Böse mit dieser aufgeworfenen Frage doch lediglich eine Handlungsmotivation und einen emotionalen Hintergrund, an der Frage ob böse oder nicht wird jedoch nur leicht gekratzt, und dies auch erst in Rutger Hauers letzter Szene.

Vor „Blade Runner“ hätte ich nach all den Erfahrungen, die ich mit ihm in B-Produktionen gemacht habe, nie gedacht, dass Rutger Hauer eine solch enorme Wirkung entfachen kann. Diese Vielfältigkeit aus eiseskalter Bösartigkeit, seinem Zynismus, der Trauer und dem Mix aus alledem hätte ich ihm schauspielerisch ehrlich gesagt nicht zugetraut. Er erweist sich als würdiger Gegenpart zum charismatisch spielenden Harrison Ford, innerhalb eines herrlich dreckig ausgefallenen Blockbusters, der den Vertretern heutiger Beiträge dieser Art zeigt, was mit vergleichsweise schlichten Mitteln alles möglich ist, um dennoch großes Kino zu schaffen.

„Aufstand der Anti-Menschen“ (Alternativtitel) ist ein pessimistischer Film. Er zeigt uns keine strahlende Zukunft, sondern eine Welt voller Maschinen wie sie wirklich ist: dreckig, voller Rost und Schrott, zugebaut, fern jeder klassischen Umwelt. Passend zur düsteren Atmosphäre und dem in einer dreckigen Stadt spielenden Szenario lässt Ridley Scott die Protagonisten meist zudem durch schlechtes Wetter laufen. Erstaunlich, dass er trotz dieser Übertreibung zum Pessimismus ein Werk geschaffen hat, welches sich trotz allem Futurismus gefühlsecht schaut, vielleicht auch weil seine Figuren verletzlich sind, körperlich wie geistig, eine Eigenschaft die es erstaunlich gut schafft über eigentlich recht flache Charaktere hinwegzutäuschen.

Überrascht hat mich zudem das Talent Ridley Scotts inmitten einer solchen Atmosphäre Platz für einen kunterbunten Spielplatz zu finden, wie wir ihn später aus der Mülldeponieszene aus „Die Reise ins Labyrinth“ kennen, oder aus dem kompletten Film „Toys“ mit Robin Williams. Wenn der zu früh alternde J.F. Sebastian die damals noch hoch attraktive Daryl Hannah in seine Wohnung bittet, und wir all seine sogenannten Freunde erblicken dürfen, dann wird aus einer düsteren Dystopie kurzfristig ein Karneval der Zukunft, ein Blick darauf was Technik dem Menschen ebenfalls hätte bringen können und in Wirklichkeit doch nur eine Täuschung ist, ein Ersatz für echtes Leben, echte Freunde, echte Heiterkeit - und damit doch nur bunt täuschende Traurigkeit.

Was andere Filme mit Thematiken um künstliche Intelligenz und Klone in verschiedenste Richtungen vertiefen, wird hier wie erwähnt nur angedeutet, aber am richtigen Punkt gefasst, denn was könnte ein Bewusstsein schon dringender wollen als verstehen und zu leben? Das sind berechtigte Wünsche. Da Emotionen von Maschinen in diesem Frühwerk der Thematik noch Deutungssache sind und nicht definitiv bewiesen, ist es wohl legitim dass „Blade Runner - Metropolis 2020“ (Alternativtitel) noch so hart mit der Maschinenwelt umgeht, anstatt sie in den Schutz zu nehmen und wahre Empathie zu ihr aufzubauen. Dieses Thema auszuweiten wäre nur einer vieler Gründe gewesen, warum es toll gewesen wäre, wenn „Dangerous Days“ (Alternativtitel) eine Fortsetzung erhalten hätte. Zu erzählen gäbe es noch viel über die Replikanten und ihrer moderneren Nachfolger. Aber was soll‘s, das haben im Laufe der Jahre dann unzählige Werke wie „Ghost in the Shell“, „Ex Machina“ und „Alles, was wir geben mussten“, um nur einige wenige zu nennen, nachgeholt.


Weitere Reviews zum Film: 

1 Kommentar:

  1. Mir war in dem Film insgesamt zu viel nur angedeutet, um ihn wirklich als philosophisch bezeichnen zu können. Aber alleine Produktionsdesign und Spezialeffekte reichen schon aus, um den Film zum SciFi-Klassiker machen.

    Zum Thema "kann künstliche Intelligenz Gefühle haben?" gibt es mindestens einen früheren Vertreter in der Filmgeschichte: 2001 - Odyssee im Weltraum ("Ich habe Angst, Dave").

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