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Montag, 26. Dezember 2016

I'M A CYBORG, BUT THAT'S OKAY (Saibogujiman kwenchana 2006 Park Chan-wook)


Young-goon ist eine junge Frau, die in einer Nervenheilanstalt lebt. Ihr Glaube ein Cyborg zu sein schadet ihrer physischen Gesundheit. Der wunderliche Dieb Il-soon nimmt sich ihrer an...


Ich bin eine Atombombe, aber das ist okay...

Park chan-wook ist mit seinem Film „I‘m a Cyborg, But That‘s okay“ etwas wundervolles gelungen. Er präsentiert uns einen Film der Gegensätze. Er hilft uns dabei andere Perspektiven einzunehmen, und er behält dabei gleichzeitig eine Bodenständigkeit bei, die es niemals zulässt dass der Stoff ihm entgleitet. Der Regisseur entführt uns in die Wahrnehmung Geisteskranker, deren Irrsinn für sie selbst die Realität ist. Er zeigt uns das Wundervolle in dieser Wahrnehmung, verherrlicht sie aber gleichzeitig nicht.

Aus der Perspektive der Patienten erzählt, und doch die Wirklichkeit stets im Raum stehen lassend, entführt er uns in eine wundersame Welt, die innen gefühlvoller ausfällt als sie nach außen wirkt. Dabei hält Park chan-wook stets das Gleichgewicht zwischen Wahn und Wirklichkeit, um den Figuren nie ihre Würde zu nehmen. Er macht sich nicht über Geisteskrankheiten lustig, und er verharmlost sie nicht. Er möchte lediglich, dass wir einmal die Perspektive der Patienten einnehmen und zeigt uns damit eine phantasiereiche Welt neben der unseren.

Die fabelhafte Welt der Amelie“ trifft auf „Einer flog über das Kuckucksnest“. Komödie trifft auf Tragik, Realität auf Fantasie. Er zeigt uns das Ethische im Asozialen und die Suche nach Liebe in Gewaltphantasien. Manches Mal schaut sich „Ich bin ein Cyborg, aber das macht nichts“ (Alternativtitel) erschreckend brutal, dann wieder verträumt romantisch, ein Gleichgewicht welches meist nur die Asiaten in ihren Filmen beherrschen, ebenso wie den Mix aus Unterhaltung und intellektuellem Ansporn, muss man doch aufmerksam mitgucken um all die zahlreichen phantastischen Ideen zu bemerken und um die Hintergründe der Geschichte richtig einordnen zu können, zumal der Film gerne die Perspektiven und die Zeiten wechselt.

„Saibogujiman kwenchana“ (Originaltitel) ist eine wunderschöne Erfahrung, die einem erneut deutlich macht, dass der Fantasie und damit auch dem Kino keine Grenzen gesetzt sind. Es ist noch nicht alles erzählt worden. Und es gibt immer neue Methoden das Sein zu hinterfragen, Bekanntes anders einzufangen und die Dinge auf andere Art zu sehen. Stets jegliche Geschmackslosigkeiten umschiffend gelingt Park chjan-wook ein raues wie sanftes, ein düsteres wie buntes und ein fröhliches wie trauriges Meisterwerk, welches man meiner Meinung nach unbedingt gesehen haben sollte.


Weitere Reviews zum Film: 

1 Kommentar:

  1. Einer meiner absoluten Lieblingsfilme. Ich stimme zu: Muss man gesehen haben!

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