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Sonntag, 18. Dezember 2016

DIE NACHT HAT TAUSEND AUGEN (Night Has a Thousand Eyes 1948 John Farrow)


Der Jahrmarkthellseher Triton wird von wirklichen Zukunftsvisionen heimgesucht, die ihn in die gesellschaftliche Isolation treiben. Als er nach Jahren des Einsiedlerlebens den Tod der Tochter seines damals besten Freundes vorausahnt, stellt sich Triton den Tatsachen und versucht das Unglück zu verhindern...


In Schutz genommener Mumpitz...

Ich hatte zwar mit einem Thriller mit übernatürlicher Thematik gerechnet, aber eigentlich ist „Die Nacht hat tausend Augen“ hauptsächlich ein Kriminal-Drama, welches immer dann am besten funktioniert, wenn die Tragik des Hellsehens hervorgehoben wird. Triton ist ein bemittleidenswerter Charakter, von Visionen geplagt, von Schuldgefühlen zerfressen aufgrund des Versuches zu testen die Visionen zu ignorieren und vom Leben geschwächt, da wissend nichts gegen die Zukunft unternehmen zu können. Leider lässt der Autor des Stoffes niemals Zweifel über die Glaubwürdigkeit Tritons aufkommen. Seinen Leidensweg zu nutzen, um den Zuschauer durch sein Mitgefühl in die Irre zu führen, um Triton dann doch als Betrüger und somit als Täter zu entlarven, wäre nicht nur ein wirksamer psychologischer Kniff im Spiel mit dem Publikum gewesen, es hätte auch bewiesen mit welchen Methoden es Schwindler schaffen im realen Leben immer wieder Gläubige an Land zu ziehen.

Stattdessen verkommt „Du stirbst um elf“ (Alternativtitel) zum Plädoyer für das Übersinnliche. Er ist stetig bemüht dem rational denkenden Menschen einen kleinen Platz im Gehirn einzuräumen, offen für Esoterik zu sein. Somit bedient er sich der selben Methoden wie es Schwindler im Alltag tun, und das weiß einen rational denkenden Menschen wie mich zu verärgern. Dennoch würde ich aufgrund dessen nie von einem schlechten, oder gar verachtenswerten Film sprechen, weiß der von John Farrow inszenierte Film auf schlichter Basis doch trotzdem zu gefallen.

Dies gelingt ihm zum einen durch das gekonnte Spiel von Hauptdarsteller Edward G. Robinson, der die Dramatik seiner Figur ebenso gut verkörpert wie das Drehbuch sie theoretisch zu vermitteln weiß. Und das Ganze gekleidet in eine Kriminalgeschichte, in welcher die Hauptfigur ganz offensichtlich das Opfer ist (gekonnter Weise auf vielschichtiger Ebene), weiß das Plädoyer für Hokuspokus halbwegs abzumildern, so dass Zuschauer die so geartet sind wie ich sich durchaus mit der Mentalität des Streifens versöhnen können.

Vielleicht kommt „Night Has a Thousand Eyes“ (Originaltitel) etwas zu anbiedernd und überraschungsarm daher, aber seine schönen Fotografien im damals üblichen Schwarz/Weiß, die Ruhe die er innerhalb einer Geschichte auszustrahlen weiß, die manch anderer aufgeregt inszeniert hätte, und die überzeugenden Mimen wissen gegen die inhaltlichen Unzulänglichkeiten anzuspielen. Mit solch wertvollen Pluspunkten die ärgerliche Negativpunkte aufzufangen wissen gelingt einem zwar kein glatt laufendes Unterhaltungskino, aber Stammfreunde des Film Noir sei „Die Nacht hat 1000 Augen“ durchaus mal ans Herz gelegt, allein schon aufgrund seiner übernatürlichen Schrulligkeit, die mit dem Film Noir nur selten einher ging.


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