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Sonntag, 18. Dezember 2016

CAPTAIN FUTURE - STERNSTRASSE ZUM RUHM (Kyaputen Fyûchâ: Kareinaru taiyôkei rêsu 1978 Tomoharu Katsumata)


Raumschiffe verschwinden spurlos, auch die Comet von Captain Future hat es erwischt. Also forscht dieser nach, um dem Mysterium auf die Spur zu kommen...


50 Roboter für den Anfang...

Captain Future“ ist für viele Menschen meiner Generation ein Stück Kindheitserinnerung, und mehr als in vielen anderen solcher emotional starken Frühbindungen aus dem cineastischen Bereich spielte die von Christian Bruhn komponierte Musik eine große Rolle an der Sympathie der animierten Science Fiction-Serie, an deren Umsetzung neben Japan und Deutschland auch Frankreich beteiligt war. Dementsprechend anders guckt sich das japanische TV-Special, welches dem deutschen Zuschauer erst mit der Veröffentlichung der Serie auf DVD zugänglich gemacht wurde, ist es doch nur im Originalton mit deutschen Untertiteln zu sichten und damit mit der japanischen Musikuntermalung versehen.

Als Freund der Serie hält einen dies freilich nicht vom Sichten ab, immerhin bekommt man mit diesem Special ein bislang unbekanntes Abenteuer einer ansonsten häufig geschauten und als Kind intensiv verinnerlichten Serie zu sichten. Als Bewunderer der Bruhn-Kompositionen war ich schließlich überrascht wie gut sich „Captain Future“ im Original schaut. Während das Titellied noch eher belanglos vor sich hindudelt, so sind die verschiedenen Hintergrundmelodien während der eigentlichen Folge stets passend zum gerade herrschenden Grundton komponiert. Spannende Momente wirken intensiver, traurige emotionaler, und für den Retro-Freund weht ein Hauch 70er Jahre-Action-Musik, wie man sie aus diversen Krimiserien der 70er und 80er Jahre kennt, was bereits den charmanten 80er Jahre „Appleseed“ trotz stimmiger Umsetzung zu belustigen wusste.

Als Freund der Reihe gibt es an dem auf etwa 55 Minuten laufenden TV-Special „Sternstraße zum Ruhm“ nichts zu meckern, besitzt es doch jegliche Eigenschaften, die man an der Serie zu schätzen weiß. Die Geschichte ist abenteuerlicher Natur und findet den genauen Mittelweg zwischen kindgerecht und ernstem Grundton, das Geschehen wird mit einfallsreichen Zusatzideen bereichert, in diesem Falle u.a. mit dem Gymmick des Zeitbeschleunigers, was schließlich auch zu einem interessanten, andersartigen Animationsstil führt, jeglicher Stammcharakter schaut mindestens für einen kleinen Gastauftritt vorbei, und die Gefühlswelt dieses kleinen animierten Kosmos‘ schwankt erneut zwischen solidarischem Miteinander und der übertrieben ehrwürdigen Anbetung des unfehlbaren Captains, quasi so wie der Held einer Kindersendung nun einmal auf ein Podest gehoben werden muss.

Diesbezüglich darf man sich nichts vormachen.Obwohl die exzellent wie gleichzeitig naiv erzählten Geschichten auch wunderbar dafür geeignet sind auch ein erwachsenes Publikum zu unterhalten, so ist „Captain Future“, und damit auch dieses Special, für den Kindermarkt produziert, was man unschwer an den kleinen Belehrungen am Rande bemerken kann, wenn den Kindern quasi ganz nebenbei per Unterricht Wissen über den Weltraum vermittelt wird. Dachte ich bislang immer der Erzähler der deutschen Version wäre lediglich dafür da die Zusammenhänge zu erklären, die aufgrund der herausgeschnittenen Szenen fehlen, und dass dies in einem Atemzug mit Wissensvermittlung kombiniert wurde, da der deutsche Zuschauer damals Zeichentrick automatisch mit dem Begriff des Kinderfilms unter einen Hut steckte, so zeigte mir das Sichten von „The Great Race in the Solar System“ (Alternativtitel), dass auch von japanischer Seite aus eine familienfreundliche Umsetzung anvisiert wurde.

Trotz befremdlicher Stimmen und ebensolcher Hintergrundmusik taucht man schnell ins interessante Geschehen dieses TV-Specials ein, lässt sich gern eines besseren darüber belehren, dass „Captain Future“ ohne Bruhns Musik sehr wohl etwas taugen kann, so dass dem Sehspaß nichts im Wege steht. Lediglich der Professor im fliegenden Roboterkörper besitzt im Original eine zu penetrant technische Stimme, als dass man ihn in sein Herz schließen könnte, aber das ist lediglich nur ein Wehrmutstropfen und aufgrund der seltenen Auftritte dieser Figur auch bestens zu verschmerzen. Ganz im Gegenteil ist es ansonsten schön die Crew Captain Futures einmal im echten Anime-Gewand zu sichten, sprich mit den typisch japanischen Klischeestimmen versehen den Bildern eines Animes zu folgen, von dessen Sonderstellung im Zeichentricksektor wir zu Kinderzeiten noch keine Ahnung hatten. 


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