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Samstag, 14. Januar 2017

PLANET DER AFFEN (Planet of the Apes 1968 Franklin J. Schaffner)


Der Astronaut Taylor und zwei seiner Kollegen überleben einen Absturz über einen fremden Planeten, Jahrtausende nachdem man sie einst von der Erde los schickte. Taylor gerät in die Gefangenschaft von Affen, die auf dem Planeten dominierende und intelligente Gattung, wohingegen Menschen auf dem Planeten primitive Geschöpfe sind...


Wissenschaft gegen Religion...

Eigentlich ist es schade, dass Franklin J. Schaffners Film „Planet der Affen“ (bzw. im Original „Planet of the Apes“) heißt, bereitet es doch eine große Freude den Experimentierdrang und die Tortur der drei Astronauten zu Beginn des Streifens mitzuerleben, wenn sie zu Überlebenszwecken den fremden Planeten erforschen, kurz nachdem sie die bittere Pille schlucken mussten Jahrtausende nach ihrem Start aus dem Kälteschlaf aufzuwachen. Der Titel verrät dem mitforschenden Zuschauer leider etwas, das er gerne überraschend entdeckt hätte, gepackt von der stimmigen Atmosphäre die u.a. dadurch entsteht, dass Schaffner sich viel Zeit für diese Phase nimmt, begleitet von einem bizarr klingenden Soundtrack, der damals sicherlich die Gemüter gespalten hat.

Dies hat der Film auch in seiner kritischen Form der Religionsthematik und des Umgangs mit dem Menschen, der wie Vieh behandelt wird. Affen, die sich nach der Jagd brüsten, indem sie sich mit ihrer Beute fotografieren lassen, mögen nicht zur Restkultur und der Technik der Affengesellschaft passen, die wir kurz darauf kennen lernen, aber die Provokation sitzt, in abgeschwächter Form selbst heute noch, fordert der Film uns doch heraus das Thema „Umgang mit Tieren“ auch einmal von der anderen Seite aus zu betrachten, was auch in Zeiten von einer Tierschutz ausübenden Gesellschaft wie der unseren ein interessanter Aspekt der Geschichte bleibt.

Derart zu provozieren wie zur Entstehungszeit weiß „Planet der Affen“ trotzdem nicht mehr, aber diese Abschwächung macht um so deutlicher, dass der Film, bereits damals schon, nicht nur von seinen Provokationen lebte, mit denen er wachrütteln wollte, sondern auch ohne dieses Element bestens zu unterhalten weiß. Liebevoll gestaltete Masken, Effekte und Bauten, ein Drehbuch, welches Nähe und Sympathie zu seinen wichtigsten Figuren aufbaut, und die Idee, dass der Zuschauer nie über mehr Wissen verfügt als der Held der Geschichte selbst, sorgen in Kombination mit einem atmosphärisch stimmig umgesetzten Film für einen hohen Grad Unterhaltungswert, aufgrund seiner Thematik mit leicht intellektuellem Touch versehen, durch seine plumpe Gut/Böse-Trennung diesbezüglich jedoch noch nicht so reif ausgefallen wie die großen 70er Jahre Science Fiction-Beiträge wie „Phase 4“, „Rollerball“, „Colossus“ oder „...Jahr 2022... die überleben wollen“, um nur einige wenige genannt zu haben.

Aber mag die Thematik um den Verrat der Wissenschaft zu Gunsten der Religion auch etwas plakativ ausgefallen sein, so ist „Planet der Affen“ ansonsten doch sehr stimmig und raffiniert geschrieben, zumal die aggresssive Form des Religionsschutzes sich im Finale lediglich als Vorwand herausstellt um eine viel bedeutendere Wahrheit zu beschützen, was schließlich auch zu einem der legendärsten Schluss-Twists der Filmgeschichte führt, einen den man mitdenkend sicherlich erahnen kann, der in der Form seiner Umsetzung und aufgrund der letzten Worte des ideologischen Fanatikers Taylor aber auch heute noch aufzuwühlen weiß.

Dass manche Stimmen dem Film vorwerfen rassistisch geprägt zu sein, indem in die Affen die schwarze Gesellschaft hineininterpretiert wird und in Taylor der Weiße, der die Macht der Weißen zurückgewinnen will, halte ich für überanalysiert, passt es doch nicht zur restlichen gesellschaftspolitischen Hintergrundthematik des Streifens, zumal „Planet der Affen“, wenn auch auf kleiner Flamme, eine eigene Thematik zum Thema Rassenkonflikte besitzt, die erst in der unterschätzten Fortsetzung „Rückkehr zum Planet der Affen“ vertieft werden sollte.

Dass eine Fortsetzung des hier besprochenen Werkes eigentlich unnötig, da logisch kaum machbar, ist, lässt sich nicht von der Hand weisen, wird durch die Widersprüche der Story von Teil 2 sogar bewiesen, schwächt aber weder das Originalwerk, noch schadet es den ersten Fortsetzungen kaum, hat sich die Weiterführung dieses großartigen Science Fiction-Abenteuers doch als Glücksgriff für Genre-Fans herausgestellt. Schließlich bereitet das Thema mit ihren Neuverfilmungen, die thematisch ohne die Fortsetzungen des Originals anders ausgefallen wären als geschehen, doch selbst heute noch den Filmfreunden große Freude. Im direkten Vergleich kommt kein weiterer Beitrag der Reihe, egal ob Fortsetzung oder Neuverfilmung, an das Original des „Papillon“-Regisseurs Schaffner heran. Vielleicht auch weil er sich längst nicht so blauäugig wie die Versionen heutiger Tage schaut, fordert einen „Planet der Affen“ mit seinem pessimistischem Grundton doch einiges an bösen Wendungen und menschlichen Verlusten ab, eine Rezeptur die Serien-Fans von heute gefallen dürfte.


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