Schlombies Filmbesprechungen auf Facebook:

Samstag, 18. Februar 2017

DIE ZEITMASCHINE (The Time Machine 1960 George Pal)


Der Erfinder H.G. Wells reist im Jahr 1899 mit einer selbst entwickelten Zeitmaschine in die Zukunft, um dem Kriegstreiben der Menschen zu entgehen. Doch anstatt Frieden zu stiften werden die Ideen einander zu zerstören im Laufe der Jahre immer gewaltiger. Als eine Atombombe im dritten Weltkrieg alles zerschmilzt was der Mensch erschaffen hat und Wells in seiner Zeitmaschine sitzend in einem Berg eingeschlossen wird, dauert es bis zum Jahre 802701 bis er wieder hinaus kommt. Das Leben unter den Menschen scheint in dieser fernen Zukunft friedlicher geworden zu sein, doch der Schein trügt...


Hilfe für die Elois...

Alle Jahre wieder krame ich mir diesen wunderschönen Science Fiction-Klassiker hervor und lasse mich von ihm verzaubern. Das mag etwas verträumt klingen für einen Kriegs-kritischen Film mit düsteren Aussichten für die Zukunft, doch mag „Die Zeitmaschine“ auch nicht „Das zauberhafte Land“ sein, wie für die 50er Jahre typisch wurde der Film stilistisch wie ein Märchen für Erwachsene angegangen, das Staunen und die Faszination des Unfassbaren ins Zentrum setzend und weniger die technische Raffinesse und der Hang zur Authentizität. Und es ist genau diese Art der Herangehensweise, welche George Pals erste von bislang drei Verfilmungen zu einem solch sehenswerten Film macht.

Pal richtet sich an das Kind im Manne, an den Abenteuerlustigen in uns bei dem Gedanken durch die Zeit reisen zu können, in eine ungewisse Zukunft. Das zeigt sich allein schon an der kunterbunt verspielt aussehenden Zeitmaschine selbst, die, wenn auch professioneller zusammengezimmert, der Wunschmaschine im Kinderstoff „Das Sams“ von der Augsburger Puppenkiste von seiner zauberhaften Wirkung her in nichts nachsteht. Wie sie funktioniert wird nie erörtert, das würde dem magischen Schleier des Märchens schaden.

Trickreich setzt die Geschichte bereits im Erscheinungsjahr in dessen Vergangenheit an, so das erste Entdeckungen des Protagonisten dem Zuschauer bereits bekannt sind. Um so erschreckender wird Wells‘ Ausflug in die uns nahe unbekannte Zukunft, prophezeit sie dort doch das Ende der Zivilisation durch eine Atomexplosion im dritten Weltkrieg. Doch so unverschönt und hart der Film auch in dieser Phase mit uns ins Gericht gehen mag, auch hier liegt ein gewisser Zauber anstatt eines zu strengen Tones in der Luft, herbeigeführt durch die Melancholie des Wiedersehens eines Bekannten. Und als dieser sich über den nicht gealterten Helden wundert, ist er wieder da, der Zauber des Unbekannten, die Verführung des Unmöglichen, also jener Ton, der den Träumer in uns anspricht und nicht den Gesellschaftskritiker.

Weiterhin konsequent den Träumer in uns ansprechend ist man auch im weiteren Verlauf der Zeitreise. Ebenso wie in der literarischen Vorlage, so landet Wells schlussendlich nicht in einer popelig fernen Zukunft 1000 Jahre später, sondern jeden Abenteurer in uns hochschrecken und neugierig werden lassend im Jahre 802701, wo die eigentliche Geschichte nun Fuß fasst und sich als eine Art Menschheits-Drama präsentiert. Zwar existiert die Menschheit noch, aber alles Kultivierte, die Wissenschaft, die Kunst, die Ethik, alles was den Menschen als wertvolles Wesen ausmachte ist vergangen. Wells stößt auf eine ungebildete, egoistische und ignorante Gesellschaft, und er sieht es als seine Aufgabe an diese Zustände zu ändern.

Hier verhält sich Wells nicht so dominant wie ein Captain Kirk aus „Raumschiff Enterprise“, der eine Gesellschaft vorverurteilt. Zwar beginnt auch Wells zu schimpfen, aber er revidiert diese aus dem Affekt entstandene Reaktion, ist ihm doch klar dass die Elois, wie die Menschen sich in der Zukunft nennen, nichts für ihren Zustand können und dumm gehalten werden - von den Morlocks, monströse unter der Erde lebende Menschen, die Wells noch kennen lernen wird. Sie versorgen die Elois und bewaren dort unten ein düsteres Geheimnis. Man kann sich denken welchen Zweck die friedlichen Elois für die bösen Morlocks haben, diese Vorhersehbarkeit macht die Erlebnisse Wells‘ jedoch nicht uninteressant. Die charakterlich Schwarz/Weiß gezeichnete Trennung der zwei Menschenarten unterstreicht noch einmal den naiven Charme der Geschichte, der klar macht, dass ein solches Werk meiner Meinung nach märchenhaft erzählt werden muss, anstatt es intellektueller oder quantitativ erwachsener umzusetzen.

Wie auch immer, Wells mischt sich aus anderen Gründen ins Geschehen ein, als es der Egomane Kirk tun würde, so dass die Mission Wells, wenn dieser erneut von der Vergangenheit in die ferne Zukunft reist, eine edle zu sein scheint, aber auch ein abenteuerliches Unterfangen, welches durchaus scheitern kann. Vieles der Fantasie des Zuschauers überlassend schließt der Film mit einer verträumt zum Nachdenken anregenden Frage: Welche Bücher hätten sie mitgenommen? Somit schließt der Film so verspielt, den kleinen Entdecker im Erwachsenen ansprechend, wie er die ganze Zeit über war und hinterlässt ein gutes Gefühl beim Zuschauer.

Dieser ist aufgrund der verträumten Verharmlosung und der Naivität des Stoffes keineswegs unterfordert worden. Ganz im Gegenteil: die Ruhe mit welcher die Geschichte in ihrem vereinfachtem Miniaturkosmos erzählt wird, die nostalgisch anmutenden Spezialeffekte und Masken, die Charme anstatt spöttisches Lästern versprühen und das Herz am rechten Fleck machen „The Time Machine“ (Originaltitel) zu einem besonderen Seherlebnis, zu einem Evergreen des phantastischen Films und damit zu einem der größten und wertvollsten Science Fiction-Filme seiner Zeit.


Weitere Reviews zum Film: 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen