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Sonntag, 21. Mai 2017

ROCKY 2 (1979 Sylvester Stallone)


Obwohl sich beide am Ende ihres Kampfes einig waren, dass es keinen Rückkampf geben soll, fordert Apollo Creed Rocky aus verletztem Stolz heraus Monate später auf zurück in den Ring zu steigen. Rocky weigert sich zunächst, aber seine angespannte finanzielle Situation bietet ihm kaum eine andere Wahl als die Herausforderung gegen den Weltmeister im Boxen anzunehmen...


Umschulung auf rechts...

Sylvester Stallone übernimmt in der Fortsetzung des Erfolges „Rocky“ selbst die Regie und versucht im Großen und Ganzen Avildsens Stil des Vorgängers beizubehalten. Er erzählt seine Geschichte ruhig und möglichst unaufgeregt, lässt den Zuschauer lange Zeit auf die Rückkehr ins Training warten und hält ihn auch im finalen Kampf lange Zeit hin, ehe die Entscheidung um Verlier und Sieger getroffen wird. Aber weder das Drehbuch, noch die imitierende Regieführung sind so gut ausgefallen wie im Erstling. Zwar ist „Rocky 2“ durchaus ein nettes Filmchen, zu unterhalten weiß er, er reißt den Zuschauer aber nicht mehr so enorm mit, wie es das Original und mancher Nachfolger der Reihe schaffte. Letztendlich wirkt „Rocky 2“ nur wie ein Wiederaufguss der bereits erzählten Geschichte.

Dabei sind einige Ideen wirklich hervorragend zu nennen. Rocky nutzt sein kurzzeitiger Ruhm nichts, da er mit seinem mangelnden Talent nicht zum Werbeträger geeignet ist. Und Mickeys Plan aus dem Linkshänder einen Rechtshänder zu machen, ist auch nicht von schlechten Eltern, bekommt im fertigen Kampf aber nicht wirklich eine Bedeutung, so hirnlos plump wie die beiden Kontrahenten aufeinander einprügeln, was noch mehr nach Straßenköter-Kampf aussieht, als es bereits im ersten Teil der Reihe der Fall war. Boxen sieht anders aus. Freunde des Sports werden die Augen verdrehen. Aber Bewunderer der Reihe sehen darüber gerne hinweg.

Leider ist die erste Hälfte um Rockys Alltag nicht halb so interessant ausgefallen wie im Vorgänger. Viele Liebesmomente zwischen Adrian und Rocky, bei denen keinesfalls romantische Gefühle für den Zuschauer aufkommen, hemmen immer wieder die Wirkung der besseren Drehbucheinfälle. Bereits hier wirkt Adrian nur wie ein Beiwerk, zur zweiten Hälfte hin wird sie fast völlig egal für die Geschichte und dient zusammen mit dem gemeinsam gezeugten Sohn nur noch als Motivator für den Sportler. Man könnte es als Spott betrachten, dass die emotional stärkste Szene zwischen dem frisch verheirateten Paar genau dann stattfindet, wenn Adrian im Koma liegt. Aber es ist wahr, und wenn Rocky um seine Ehefrau weint, weiß dies wahrlich zu rühren.

Charakterlich gibt es einige Ernüchterungen zu erleben. Pauly fällt in der Fortsetzung für seine Verhältnisse recht sozial aus und schlägt erst im Dialog mit Adrian über die Strenge, dann aber um zu helfen. Ich persönlich finde es gut, dass er ab Teil 3 wieder ins alte Muster zurück fällt, die Milde die er hier aufweist, will nicht recht überzeugen bei solch einem auf sich fixierten Menschen, der zur Selbstrefelxion nicht in der Lage ist. Schlimmer ist jedoch die Figurenzeichnung Apollo Creeds ausgefallen, der nun jegliche Milde im Gegensatz zu Pauly verloren hat und nur noch das Arschloch mimen darf, welches auf Teufel komm raus den Rückkampf will. Anders als erwartet, bleibt er selbst dann unsympathisch, wenn er im Rampenlicht nicht mehr die Rolle des Bad Guy spielen müsste.

Wenn nun diesem humorlosem, bösartigem Schwarzen der ewig betende, Gottesgläubige Italiener Rocky entgegen gesetzt wird, fragt man sich fast was hier auf rechts trainiert wurde, Rockys Faust oder Stallones Weltsicht - eine in der nicht nur faschistische Tendenzen aufzukeimen scheinen (zumindest mit übersensiblisiertem Blick von heute), sondern in welcher zudem die Selbstbeweihräucherung einige unangenehme Höhepunkte erhält, was zuvor genannten Punkt noch extremer erscheinen lässt. Das Zujubeln der Menge während des Trainings, die ihm folgenden Kinder beim Joggen und diverse Trainingssequenzen, die nur enthalten zu sein scheinen, um zu beweisen zu was Stallone in der Lage ist, und nicht Rocky, durchbrechen den ruhigen, bescheidenen Stil, den Stallone ansonsten von Avildsen kopiert. Und das will nicht wirklich miteinander harmonieren.

Nun sind dies alles Schwachpunkte, die „Rocky 2“ daran hindern so großartig auszufallen wie der Vorgänger, vielleicht zählt dazu auch die Entscheidung im Finalkampf diesmal eindeutiger den kleinen Aufsteiger zu feiern als bisher, indem dieser diesmal dem Champion den Titel weg nimmt. Dank der bekannten wichtigsten Charaktere (mit einer verstärkten Position Mickeys), dem klassischen Soundtrack und der noch immer enthaltenden Sympathie zum Gesamtwerk der Rocky-Reihe, schafft es aber auch die Fortsetzung angenehm zu unterhalten. Allerdings bildet sie auch in diesem annehmbaren Zustand den Tiefpunkt der Reihe, der von den meisten anderen Zuschauern Teil 5 zugesprochen wird.

„Rocky 2“ ist jedoch viel mutloser ausgefallen als dieser, zu sehr darauf bedacht Teil 1 ohne nennenswerte Geschichte nachzuahmen, als dass der Vergleich zum inhaltlich mutiger ausgefallenem „Rocky 5“ ein fairer sein könnte. Die etwas zu lieblos umgesetzte Kampfchoreographie im finalen Wettstreit vollendet das unausgegorene Gesamtbild der ersten Fortsetzung, so dass es um so erstaunlicher wirkt, welch sympathischer Film letztendlich doch noch aus „Rocky 2“ wurde. Somit ist der Film vergleichbar mit seinem Helden. Er steht immer wieder auf, selbst wenn man denkt dass alles vorbei wäre.


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