JURASSIC WORLD (2015 Colin Trevorrow)


Der Dinosaurierpark Jurassic World zählt zu den Hauptattraktionen der Welt, und damit dies so bleibt hat man eine neue Dinoart hergestellt, die aus verschiedensten Tieren besteht, um besonders gefährlich zu wirken. Diese bricht aus und ein Dinoexperte und die kaufmännische Leitung des Parks versuchen zwei Neffen Letztgenannter zu retten, die irgendwo allein unter Dinos mitten im entstandenen Chaos verloren gegangen sind...


Handzahme Raptoren...

Wenn "Jurassic World" Kritik am Kapitalismus übt, indem es die Kaufmänner des Jurassic World-Parks glauben lässt Dinos würden kaum mehr interessieren, ein neuartiges, aggressives Überwesen müsse her, dann signalisiert man die Augenzwinkerei der Thematik, wissendlich dass selbiges die Verantwortlichen des Filmes "Jurassic World" entschieden haben. Nach zwei eher belanglosen Fortsetzungen wurde "Jurassic Park" erst 14 Jahre später erneut fortgesetzt, und da schien man der reinen Dinowelle von einst nicht mehr zu trauen. Und so gewollt wie die Ironie der Parallele reißerischer Geldmacherei hervorgehoben wird, so wenig glaubwürdig will sie auch wirken inmitten eines Filmes, der mehr Produkt als Filmerlebnis, mehr Kopie des Originals anstatt eigenständiger Film und der noch belangloser als die bisherigen Fortsetzungen ausgefallen ist.

Nun ist "Jurassic World", was den Kopievorwurf zum Original betrifft, nicht ganz so extrem 1 zu 1 umgesetzt wie ein "Star Wars 7 - Das Erwachen der Macht" aus dem selben Jahr des hier besprochenen Filmes. Er setzt auf die Massenpanik eines gut besuchten Freizeitparkes und setzt die Dinos zum Erzählen der eigentlich selben Geschichte völlig anders ein. Aber so unsinnig wie hier Veränderungen angegangen werden, hätte man sich eher eine reinere Kopie wie besagtes "Krieg der Sterne"-Beispiel gewünscht, schaute sich dies nach der enttäuschenden Trilogie der 00er Jahre doch zumindest wie ein Geschenk für Freunde der Ur-Reihe, wohingegen "Jurassic World" ein Schlag in die Fresse für Fans des gelungenen Originalfilms von Steven Spielberg ist.

Spielberg selbst ist wie bereits in "Jurassic Park 3" nur noch Produzent, hat auch an der Story nicht mitgeschrieben, und das gewisse Feeling für abenteuerlichen Spannungsaufbau und entspanntem Popkornkino gelingt Regisseur Colin Trevorrow zusammen mit seinen drei Mitautoren bei weitem nicht so gut wie ihrem Geldgeber im ersten Teil. Allerdings tat auch die Besetzung dem Team keinen Gefallen, ist Hauptdarsteller Chris Pratt doch ein ungelenkes, kleinwüchsiges Stück Muskelpaket mit Bübchenblick und nicht sonderlich schauspielerisch begabt oder charismatisch einsetzbar. Bryce Dallas Howard an seiner Seite schafft es nicht den charakterlichen Wandel, den das Drehbuch ihr auferlegt, glaubwürdig einzufangen, es mag aber auch sein dass ihr hierfür die Unterstützung inmitten der hektischen Handlung fehlte, so stumpf spielend wie Pratt wirkt sie schließlich nicht. In "Spider-Man 3" fiel sie mir seinerzeit sogar sympathisch auf.

Aber man muss sich nichts vormachen: dass "Jurassic World" nicht wirklich funktionieren möchte, liegt ganz klar am missglückten Drehbuch, weiß die Regie doch den ganzen dort erzählten Unsinn recht flott und frei von Durchhängern zu präsentieren, so dass zumindest der stumpfe Unterhaltungssinn gesättigt wird. Man darf halt nur nicht sein Hirn einschalten, sonst verärgert der Streifen etwas zu sehr, das zu Ignorierende lässt sich schließlich nicht schönreden. Ignorieren könnte ich es aber ohnehin nicht, stehen die dominanten Unsinnigkeiten der dritten Fortsetzung doch im Konflikt mit den Gesetzmäßigkeiten des Originalfilmes und missachten die Bedrohung, die von den eigentlichen Sauriern ausgeht zugunsten eines Fantasymonsters, welches solidarisch von Mensch und Dinosauriern vereint bekämpft werden muss.

Zu Beginn besitzt man noch den nötigen Respekt vor den Raptoren, wenn diese noch nur halbwegs dressiert rüberkommen und ihre Natur nicht völlig ausgelöscht scheint. Wenn sie sich später aber mit ihrem Dresseur zusammentun und diesen als Leittier nicht auf seinem Motorrad angreifen, ebenso wenig andere mit in den Kampf ziehende Menschen, sondern ihm brav in den Krieg folgen, dann wird die gezeigte Chose immer unsinniger und respektloser und bescheinigt noch einmal, dass der ironisch angegangene erhobene Zeigefinger zum Thema Kapitalismus zu Beginn des Streifens reine Show ohne wahre Selbsterkenntnis war und befördert "Jurassic World" endgültig in die Formelwelt geistlosem Konzeptkinos, geschaffen für einen möglichst großen Zuschauerstamm, den Schauwerten wegen gedreht, jegliches Feingefühl für anderweitige Aspekte außer Acht lassend. Endgültig lächerlich wird das Treiben, wenn sich Raptoren per Blickkontakt auch noch mit einem T-Rex solidarisch verbünden, jener Kreatur, die einst ein nicht zu unterschätzender Feind für die Menschen war.

An Einfallsreichtum hat das Drehbuch zu "Jurassic World" nie gesprudelt, aber aus Hilfslosigkeit die Geschichte nicht anders beenden zu können auch noch den zufällig eingreifenden Wasserbewohner der Fleischfresserwelt des Juras mit an Bord zu holen, warum auch immer der dort Fressen vermutet wo das Genvieh steht, ist an Plumpheit nicht mehr zu überbieten und beleidigt den Zuschauer mit seinen Seherwartungen mehr denn je. Manch nette Randfigur, optisch toll herausgearbeitete Dinosaurier und das flotte Tempo lassen "Jurassic World" trotzdem erträglicher wirken als er eigentlich ausgefallen ist. Und leider ist genau dieser bislang schlechteste Teil der Reihe jener, der nun erstmals direkt mit gleicher Hauptrollenbesetzung fortgesetzt wird. Denn dieses Jahr kommt "Jurassic World 2 - Das gefallene Königreich" in die Kinos, welcher zudem noch einen anderen Regisseur beschert bekommen hat. Ob das eine gute Entscheidung war, wo doch gerade die flotte Inszenierung Trevorrows das Produkt "Jurassic World" gerade noch halbwegs zu retten weiß, sei einmal dahingestellt.


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