26.01.2020

SPIDER-MAN 3 (2007 Sam Raimi)


Mary Jane und Peter haben private Probleme, die zu einer Trennung führen. Ein Alienparasit vereint sich mit dem frustrierten Helden, der von da an hemmungslos eigensüchtig handelt. Währenddessen sorgt ein Sandmann für Furcht und Schrecken in der Stadt, und auch Harry, der einige Zeit aufgrund eines Unfalls sein Gedächtnis verloren hat, erinnert sich wieder an seinen Rachefeldzug an Spider-Man. Die Ereignisse überschlagen sich endgültig, als Peter vom Parasit befreit, einem neuen Gegner gegenüber steht: Venom, einem bösartigen Konkurrenten, welcher in seiner egoistischen, frei von Schuldgefühlen gelenkten Art der ideale Wirt für die wunderliche außerirdische Substanz ist, die zuvor Peter beherrschte...


Über Rache und Verzeihen...

Die symbiotisch wundervoll zusammen passenden Filme "Spider-Man" und "Spider-Man 2" erhalten im Abschluss der Trilogie leider nicht selbigen Zusammenhalt vom letzten Teil der Gesamtgeschichte, kommt dieser trotz gleicher Besetzung und Crew doch recht anders daher. Interessierten sich die Vorgänger überraschend eindringlich für die Psychologie der Figuren und deren Leiden, so wird bei "Spider-Man 3" hauptsächlich auf den Kampf gegen Superschurken geachtet, von denen es gleich drei an der Zahl gibt. Das überfrachtet den Film leider, da er stets darum bemüht ist, jeglichen Hintergrund der jeweiligen Figuren gerecht zu werden. In einem 3-Stunden-Film hätte das vielleicht sogar funktioniert, aber auf 130 Minuten kommen durch diese Hintergrund-Hatz der Tiefgang der eigentlichen Hauptfiguren zu kurz, die man, im Versuch die Situation zu retten, charakterlich zu sehr veränderte. Peter ist ein vom Erfolg geblendeter Egomane geworden, noch bevor er vom Alienparasit befallen wird, was aufgrund mangelnder Heranführung an diesen Charakterstatus unglaubwürdig wirkt. Und so selbstbezogen Mary Jane auch immer charakterisiert war, die Egonummer, die sie hier in der Vorgeschichte zum Besten gibt, ist kaum zu ertragen.

Freilich kommen trotz gegenteiliger Bemühung auch die Superschurken zu kurz. Die meiste Laufzeit nimmt dabei ausgerechnet der Sandmann ein, dem man einen tragischen Hintergrund wie einst Doktor Oktopus beschert, leider, wie bei den Hauptfiguren, jedoch ohne psychologische Stimmigkeit zu beachten. Das Leiden des Sandmanns ist plakativer, oberflächlicher Art, gebadet in den Klischees die zum Spider-Man-Universum dazu gehören. Der krampfhafte Versuch einer CGI-Kreatur eine tragische Mimik untermalt von theatralischem Hintergrund-Sound zu bescheren, wird zu einer der unangenehmsten Szenen in einem Film, der nur noch mit dem Holzhammer daher kommt, anstatt so sanft und leichtfüßig wie die beiden Vorgänger. Es ist das Glück des Streifens, dass er sich in seinen Actionszenen gelungen guckt, womit genau das zum rettenden Element wird, was in den Vorgängern fast schon Nebensache war. Das macht das Ergebnis nicht gleichwertig gelungen, da vieles zu gewollt daher kommt, inklusive der Phase, in welcher Peter billig frisiert zum Egomanen wird, macht aus dem Film aber zumindest eine unterhaltsame Sache, weit unter dem Niveau der Vorgänger.

Erst gegen Ende bekommt "Spider-Man 3" jene Chemie zurück, welche auch die Teile 1 und 2 trotz aller Klischees und Stereotype zu solch wundervollem Popkorn-Kino machte. Hier dürfen nun wieder die Gefühle überbrodeln, und Schicksale ereilen die Hauptfiguren, die durch diese geprägt nun endgültig ins Erwachsenenleben wechseln. Das toll anzusehende Action-Szenario des Finales macht nun verspätet deutlich, warum es wichtig war Spider-Man derartig viele Gegner um die Ohren zu hauen, was ein weiterer Bestandteil dafür ist, dass man aufgrund der letzten halben Stunde so versöhnlich mit einem Film abschließt, der eigentlich viel zu vieles falsch macht. Aber auch diese bessere Phase des Streifens lässt nicht über den Fehler hinweg sehen, dass die Figur des Venom, die zu den interessantesten der Comicvorlage zählt, eine derart geringe Beachtung erhielt, ausgerechnet jene Figur, über deren Präsenz in Filmform sich jeder Fan im Vorfeld gefreut hat. Es sollte 11 Jahre dauern, bis dem Comicfreund mit "Venom" ein würdiger Film vorgesetzt wurde, jedoch frei von der Figur des Spider-Man erzählt.

Dessen Teil 3 ist eine wackelige Angelegenheit, die wie ein Fremdkörper in der eigenen Trilogie wirkt. Ob man trotz aller Schwächen aufgrund der funktionierenden Elemente wohlgesonnen wie ich auf das Werk blickt, oder komplett enttäuscht, hängt wahrscheinlich von den Erwartungen ab und davon, ob man sich für das oberflächliche Tamtam interessieren kann, welches hauptsächlich von funktionierender Action und guten Spezialeffekten lebt. Interessanter Weise ist "Spider-Man 3" genau wegen dieser Haupteckpfeiler eher dem heutigen Marvel-Fan zu empfehlen, der sich lieber an Schauwerten ergötzt, anstatt an einer erzählenswerten Geschichte, als den Bewunderern der ersten beiden "Spider-Man"-Teile. Es ist schon schade, dass man diesen außen vor ließ, um sich einem anderen Publikum anzubiedern. unterhaltsam


Weitere Besprechungen zu Spider-Man 3:


Trailer,   OFDb

1 Kommentar:

  1. Ich kann das ein Stück weit nachvollziehen. In Gänze als Trilogie funktionieren die Filme aber durchaus. Auch der etwas schlechtere dritte Teil.

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