SAINT ANGE - HAUS DER STIMMEN (Saint Ange 2004 Pascal Laugier)


In den 50er Jahren nimmt die junge Anna eine Raumpflegerstelle in einem Waisenhaus an, schnell merkend dass dieses Gebäude ein unheimliches Geheimnis umweht, welches es zu lüften gilt...


Offene Geheimnisse...

2008 landete der ehemalige Dokumentarfilmer Pascal Laugier mit seinem blutigen Schocker "Martyrs" einen kleinen Genre-Hit und war damit, zumindest bei den Gore Hounds, in aller Munde. Vier Jahre zuvor lieferte er sein Langfilm-Spielfilm-Debüt im selben Genre ab, welches jedoch auf jegliche Blutrünstigkeit verzichtet und einen subtil erzählten Spuk-Horror darstellt, der auf psychologischer Ebene funktionieren möchte. Eine solche Vielseitigkeit ist bei Genre-Regisseuren wünschenswert und setzte sich im ebenfalls völlig anders gearteten "The Tall Man" fort, so dass man neugierig auf die von Laugier selbst verfassten Filme zugeht, auch wenn ihnen stets das gewisse Etwas fehlt, um tatsächlich am Ende zu beeindrucken.

Am Genre-Erstling des Regisseurs fällt auf, dass er bereits hier auf großartige Kameraeinstellungen setzt. Das gemütliche Tempo des Streifens weiß zu gefallen, rein inszenatorisch ist "Sanatorium" (Alternativtitel) zunächst stimmig ausgefallen. Diese Stärke, die bei Laugier stets ausgereifter ist als das Talent Geschichten zu erzählen, kann den Spukfilm lange Zeit tragen, zumal das simple Geschehen recht rätselhaft ausgefallen ist. Aufgrund eines nicht ganz nachvollziehbaren Drehbuchkniffs haben wir es fast ausschließlich mit drei Figuren in einem überschaubaren Umfeld in kleinem Radius zu tun, so dass sich "House of Voices" (Alternativtitel) ganz seinen Figuren widmen kann, über welche die Geschichte überhaupt erst entsteht.

Laugier lässt sich Zeit damit die Geheimnisse zu lüften, auch dies klingt lobenswert, allerdings will das in der hier gewählten Form nicht wirklich funktionieren, kommt die Geschichte selbst doch lange Zeit kaum von der Stelle, einen Bezug zur Hauptfigur baut man als Zuschauer nur schwerlich auf, allein schon weil man ihre Motivation nicht begreift. Warum ist sie da? Will sie hier nur arbeiten? Warum verschweigt sie ihre Schwangerschaft? Wieso ist sie so schnell von Spukereignissen überzeugt? Ist sie genau deswegen vor Ort, anstatt dass der Zufall mitspielte? Die Auflösung wird vieles davon beantworten, aber auf dem Weg dahin guckt der Zuschauer verdutzt zu, nicht wissend was das alles soll, und da Laugier mit seiner Erzählung kaum vorwärts kommt, hat man genügend Zeit parallel zum Zuschauen darüber nachzugrübeln, worauf die Geschichte wohl hinaus will.

Wer die späteren Werke Laugiers kennt, der weiß dass dieser Mann gerne mit überraschenden Wendungen spielt, dementsprechend interpretiert man in die monotonen Geschehnisse von "Saint Ange" (Originaltitel) automatisch mehr hinein, als Laugier schließlich aufzudecken weiß. Der Film entpuppt sich als gradlinig erzählter Standard-Grusler, ohne nennenswerten Spannungsbogen, der am Ende lediglich jene Überraschung aus dem Hut zieht, die bei einem Spukfilm ohnehin fast zu 50% die mögliche Alternative darstellt. Wo ein "Schloss des Schreckens" ein solches Ergebnis derart subtil vorbringt, dass sich heute noch Cineasten über eine Frage streiten, welche der Film längst beantwortet hat, da zieht Laugier diese Erklärung als weißes Kaninchen aus dem Zylinder, so als wäre die Schlussidee erstaunlicher Natur und völlig neu in diesem Genre.

Doch völlig neu ist an "Saint Ange - Haus der Stimmen" so gar nichts, so dass man ernüchtert feststellen muss, wie schlicht Laugier seine Horrorkarriere begonnen hat. Ohne sein bislang jüngstes Werk "Ghostland" zu kennen kann man aber erkennen, dass sich Laugier von Film zu Film bislang gesteigert hat. Wollen wir einmal hoffen, dass dies eine Zeit lang so bleibt. Dank gut ausgeleuchteter Bilder in stimmiger Kulisse und glaubwürdigen Darstellern, sowie zumindest für eine Zeit lang interessante Figuren, kann man das Horror-Drama in seiner Belanglosigkeit zumindest schauen, anstatt sich tödlich zu langweilen. Eine Verstärkung in den Bereichen Drama oder Grusel wäre jedoch wünschenswert gewesen, denn so nüchtern wie hier erzählt, setzt der Streifen lediglich auf die Antworten der von ihm gesetzten Rätsel, und die sind doch etwas zu uninteressant ausgefallen, als dass sie einen Film stemmen können. Zwar beantwortet Laugier nicht alle offenen Fragen, jene die unbeantwortet bleiben zählen aber leider nicht zur Kategorie, die einen Film im Nachhinein interessant halten, sie gehören zu jener, die den Zuschauer mit Fragezeichen über dem Kopf zurück lässt, nicht wissend was das Ganze eigentlich nun sollte.


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