MUTTER MUSS WEG (2012 Edward Berger)


Der verklemmte 40jährige Tristan leidet derart unter seiner freigeistig lebenden, dominanten Mutter, dass er betrunken mit einer Kneipenbekanntschaft beschließt sie zu töten. Der Versuch noch in der selben Nacht läuft fehl. Die Mutter kommt verletzt ins Krankenhaus, wo der von Schuldgefühlen geplagte Sohn vom Arzt erfährt dass die gute Frau aus anderen Gründen ohnehin nicht mehr lange zu leben hat. In der Zwischenzeit hat die Kneipenbekanntschaft den nicht vollendeten Auftrag jedoch an Profis übergeben, und so flüchtet Tristan mit der ahnungslosen Mama auf Kur, in der Hoffnung dass der Auftrag noch storniert werden kann. Bis es soweit ist scheint jeder vor Ort verdächtig. Und aufgrund der penetrant dominanten Art der Mutter ist Tristan stets hin und her gerissen zwischen seinem von Schuldgefühlen gelenkten Beschützerinstinkt und seinen angestauten Aggressionen...


Was die Skimaske nicht zu verbergen weiß...

Ich habe es an anderer Stelle schon geschrieben, und ich kann es nur immer wieder wiederholen: ich halte Bastian Pastewka für einen hervorragenden Komiker und empfinde es als Schande für dieses Land, dass solch einem Talent nicht der ihm gebührende Boden der Kinolandschaft bereitgestellt wird, damit der gute Mann sein Talent vollends ausleben kann. Den "Wixxer" samt Fortsetzung hat er sich zusammen mit Oliver Kalkofe selbst beschert, und trotz des Erfolges beider Filme geschah nichts weiter. Zumindest im Fernsehen konnte sich der auf Komik spezialisierte Schauspieler mit "Morgen hör ich auf" einmal auf andere Art beweisen, und als Trostpflaster gibt es zudem noch "Mutter muss weg" zu nennen, der jedoch ebenfalls nur ein TV-Film ist und Pastewka nicht vollends würdig ist. Zwar darf der durch die Serie "Pastewka" vollends zum Kult-Star gewachsene Mann sich auch hier anderweitig ausprobieren, was ihm auch gelingt, aber letztendlich bleibt die schwarze Komödie doch zu sehr Durchschnitt, als dass man sie wirklich empfehlen würde.

Unterhaltsam ist sie schon, zumal sie mit Judy Winter, die ich am liebsten in "Club Las Piranjas" sichte, und Karoline Eichhorn, sowie Rosalie Thomass auch in weiteren Rollen hervorragend besetzt wurde. Die Geschichte setzt in angenehmer Art auf Nummer sicher mit dem recht klassischen Plot des voreilig engagierten Auftragskillers. Das gab es schon einige Male zuvor thematisiert, eines meiner Lieblingsbeispiele ist der Hallervorden-Film "Alles im Eimer", der zusammen mit einigen Elementen aus "Mein Gott, Willi" fast schon zu "Mutter muss weg" wird, und Autor Marc Terjung schafft es zumindest diesem Treiben einen kleinen eigenen Stempel aufzusetzen, während Regisseur Edward Berger angenehmer Weise den Klamauk meidet und feinfühlig, aber absichtlich distanziert, das Ganze umsetzt. Dass er auch empathischer hätte vorgehen können, bewies er mit "Schimanski 11 - Asyl", das wäre kein Problem gewesen, der hier besprochene Film soll mit Absicht Distanz zu den Geschehnissen wahren.

Um wirklich warm mit ihm zu werden, hätte es meiner Meinung nach aber mehr Zugang zu Tristan geben müssen. Dessen Innenleben wird zwar psychologisch hervorragend beleuchtet, es mangelt nicht am Verstehen der Figur, aber die Sympathie um wirklich gemeinsam mit ihm mit zu leiden, in der Hoffnung dass er seinen seelischen Ballast los wird, findet nicht statt. Verständlich, gilt er doch nur als Identifikations- und nicht als Sympathiefigur, und letztendlich verrät auch die letzte Szene warum "Mutter muss weg" auf diese Art erzählt sein muss, aber irgend etwas fehlt mir da einfach, was mir Nähe zum ödipalen Egomanen bietet. 

Trotzdem funktioniert der Streifen als simple Unterhaltung für zwischendurch recht gut, zumindest bis zum Schluss, der gefühlte 100 unnötige Wendungen präsentiert, obwohl die erste nicht nur gereicht, sondern den Film passend zum schwarzhumorigen Grundthema auch perfekt geschlossen hätte. Aber leider geht es nach Tristans vermeintlichen Tod doch noch weiter, die Chance den idealen Schluss zu wählen wird aus kreativen Egogründen über Bord geschmissen, und das Drehbuch wird mit immer weiteren pseudo-cleveren Neuaufdeckungen zu einer Art kreativem Schwanzvergleich (mit welchem anderen Autor auch immer). Immerhin bügelt aber der tatsächliche Schluss diese Misere wieder aus - wenn auch nicht so gut wie das Ende mit dem ich geliebäugelt hätte. In Sachen Glaubwürdigkeit siegt jedoch der vom Autor gewählte Schluss, das muss ich zugeben.


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