EIN KÄFER AUF EXTRATOUR (1973 Rudolf Zehetgruber)


Ein windiger Geschäftsmann verschwindet mit dem Gewinn eines Crashrennens ohne die Gehälter der Fahrer auszuzahlen, also suchen Jimmi Bondi und sein Kumpel Aldo zusammen mit dem Wunderkäfer Dudu nach dem Betrüger. In der Schweiz werden sie fündig, wo der Flüchtende einige Tage vor einer Oldtimer-Parade einem Sammler einen besonders schönen Oldtimer verkaufen will. Trickreich mischen sich Jimmi und Aldo unauffällig ein, um über den Preis des Autos an ihr Geld zu gelangen...


Dudu macht das schon...

"Ein Käfer auf Extratour" stellt den Mittelteil der erfolgreichen, sich auf fünf Teile belaufenden Dudu-Reihe von Rudolf Zehetgruber, dar, die mit "Ein Käfer geht aufs Ganze" ihren Anfang nahm. Übernahm Zehetgruber in den beiden Vorgängern sowohl Regie, als auch Hauptrolle und die Position des Produzenten, so ergänzt er hier diese stolze Aufzählung noch um den Beitrag des gesungenen Dudu-Liedes, womit er also auch zum Soundtrack beitrug. Zwar hatte mir der erste Teil der Reihe bei meiner ersten Sichtung nach Kindertagen nicht mehr sonderlich gefallen, aber der überraschend gegenteilige, sehr sympathische "Ein Käfer gibt Vollgas", der erstmals das Dudu-Erstling fortsetzte, machte Mut auf die nächste Fortsetzung. Und da auch diese nicht laut Inhaltsangabe von einem Autorennen handeln sollte, ein Szenario an welches ich aufgrund seiner wahrscheinlichen Monotonie skeptischer heran gegangen wäre, ging ich guter Dinge an "Superbug, the Wild One" heran, wie Teil 3 im Ausland alternativ genannt wird.

Zwar fällt "Ein Käfer auf Extratour" keinesfalls so öde aus wie das zu gewollte Treiben des Erstlings, an den Charme des direkten Vorgängers kann er zunächst jedoch auch nicht anschließen. Viel zu sehr ist Zehetgruber damit beschäftigt dem Zuschauer unbedingt Schauwerte vorzusetzen. Mal muss Dudu, freilich billig getrickst, zeigen was er kann, mal werden uns exotischere Landschaften, Fahrzeuge oder Crashs als optisches Futter bereitgestellt. Leider findet parallel dazu die Geschichte teilweise zu sprunghaft, insgesamt aber definitiv zu desinteressiert statt, so als wäre sie lästiges Beiwerk. Der stets infantile Touch der Reihe prägt sich je nach Charakteristik eines Filmes unterstützend oder schadend, der Schwanzvergleich Zehetgrubers zu zeigen was er für seinen neuen Teil alles finanzstark aufgefahren hat lässt Teil 3 eine gute Zeit lang nach letzterem aussehen.

Glücklicher Weise erhält der Film eine positive Wendung mit Ankunft in der Schweiz, wo zunächst der Geschäftsmann und Sammler Stützli zusammen mit seiner unerwarteten Eroberung für jenen Spaß sorgt, den die Rolle des Bondi und zu großen Teilen auch jene Dudus uns bislang vorenthalten hat. Aber auch die ziehen im Laufe einer Handlung, die kaum eine ist, nach, je krimineller das Umfeld wird. Dann gibt es Schlägereien mit Bud Spencer-Sound, infantile Momente der lustigen, leichtlebigen Art und freilich Spezialeffekte, die mich zumindest als Kind einst staunen ließen. Damals gehörte der hier besprochene Teil der Reihe gar zu meinen Lieblingsfilmen, liebte ich doch die Szene, in welcher Dudu mit ausgefahrenen Reifen zwei Hauswände hinauf fährt, oder der Trick mit welchem es dem gelben Käfer gelingt aus einer zugeparkten Situation herauszukommen. Spätestens mit Retroblick und persönlicher Erfahrung aus Kindertagen funktionieren solche Spielereien recht gut, auch wenn sie freilich im Gesamteindruck wenig Sinn ergeben. Mit mehr Sinn und Realitätsbezug würde aber ohnehin keiner der Dudu-Filme funktionieren, die Grundlage dessen was man erzählen will würde flöten gehen. Deswegen ist es gut auf Nonsens nicht zu verzichten, auch wenn er in dem Maße wie hier dargeboten freilich nur für ein ganz spezielles Publikum zu funktionieren weiß, nach all den Jahrzehnten seit der Entstehungszeit mehr denn je.

Mittlerweile schaut sich "Ein Käfer auf Extratour" aufgrund seiner Entstehungszeit Anfang der 70er Jahre auch anderweitig interessant, tut man sich doch noch schwer die Emanzipation der Frau ernst zu nehmen, so wie hier eine von Frauen geführte Autowerkstatt belächelt wird. Sie dient nicht dem positiven Aufzeigen der Entwicklung, sondern lässt ihre Betreiber wie Träumer wirken und bestätigt die im Zentrum stehenden Herren in ihrer Männlichkeit. Zum Schluss machen sich die sonst im Blaumann gezeigten Frauen doch noch für ihre Männer Lady-like schick, eine hilft zwar schlagfertig bei ihrer Befreiung, und der Beruf wird aufgrund von Gewöhnung schließlich doch akzeptiert, aber ein Zugeständnis der Gleichberechtigung findet nicht wirklich statt. Politisch will der Film aber ohnehin nicht sein, schließlich geht es hauptsächlich um geistlose Unterhaltung mittels quantitativer Schauwerte, also muss man da nicht all zu streng mit umgehen.

Gleiches gilt für den Film. Mag das erste Drittel auch schwächeln, die Stunde drauf bereitet wieder Popkorn-Spaß wie Teil 2, obwohl ich es schade finde, dass der so spaßig mitzuerlebende Stützli, dargestellt von Walter Roderer, für das etwas zu lang ausgefallene Finale nicht mehr von Nöten ist. Er ist der heimliche Star des Films. Wer anbei einmal einen Babykäfer sichten will, der sollte sich den Schluss des Streifens anschauen, in welchem ein plötzlich verliebter Dudu überraschend lebendig dargestellt wird, wohingegen er im Restfilm lediglich eine seelenlose Maschine mit ungewöhnlichen Gymmicks darstellt. Aber zumindest ist dies die einzige Szene, die das Dilemma von Teil 1 wiederholt, also was soll's.


Trailer,   OFDb

Kommentare:

  1. Diese Filme hab ich mir als Kind auch immer gern angeschaut. Aber ich glaube nicht, dass die heute noch so gut funktionieren - auch durch die nostalgische Brille betrachtet.

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    1. Mit etwas Anstrengung klappts, ohne, nur zurücklehnen und berieseln lassen, klappts nicht. :)

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