25.08.2019

ALICE IM WUNDERLAND (Alice in Wonderland 1933 Norman Z. McLeod)


Die kleine Alice schläft mitten an einem langweiligen Wintertag ein und träumt davon, wie sie durch den Spiegel schreitend durch ein wundersames Land mit allerhand ungewöhnlicher Gestalten wandert...


Kartenmatt und Spiegelwunder...

Nach "Alice im Wunderland" aus dem Jahr 1903 und dem "Alice im Wunderland" von 1915, ist Norman Z. McLeods "Alice im Wunderland" die dritte Verfilmung des Stoffes von Lewis Carroll und erstmals als Ton- und Langfilm umgesetzt. Entgegen der Warnung des Drehbuchautors Joseph L. Mankiwiecz, dass man den Film überfrachten würde, wenn man die beiden Bücher "Alice im Wunderland" und "Alice im Spiegelland" vereinen würde, tat man genau dies zur Erschaffung einer Produktion, die Erfolg versprechen musste, um das Produktionsstudio vor dem finanziellen Untergang zu bewahren. Dementsprechend steckte man alles was ein Film dieser Zeit bieten konnte, in diesen hinein, und so mangelt es dem fertigen Werk nicht an einfallsreichen Kostümen, aufwendigen Spezialeffekten und kleinen Gimmicks, wie beispielsweise einer kurzen Zeichentricksequenz, und ebenso wenig an damaligen Stars (sowie zukünftiger wie Gary Cooper und Cary Grant), dafür aber am nötigen Charme, welcher der kühlen Kalkulation der Geldmacher leider weichen musste.

In Deutschland ist der Film in einer gut ausgestatteten, mit informationsreichem Beiheft bereicherten, DVD-Veröffentlichung erschienen, welche auf dem Cover dieser ersten Großproduktion des Stoffes behauptet, sie sei die radikalste, düsterste und surrealste Version, die zu dem Thema je entstanden wäre. Nichts davon entspricht der Wahrheit. Mit diesem Werbetrick sollen die Makel des Streifens schöngeredet werden, allen voran der fehlende rote Faden. "Alice in Wonderland" (Originaltitel) ist ein willkürlich zusammengeschustertes Werk, in welchem Alice hektisch von einem Sehwert zum nächsten hüpft und dabei die einzelnen Kapitel oftmals nur angedeutet erlebt, so als würde man vom Publikum erwarten die Buchvorlage zu kennen, um alles verstehen zu können. Das fällt bei den nicht weiter vertieften angemalten Rosen ebenso auf, wie beim kurz darauf folgenden Kroketttournier. Selten widmet man einem Augenblick die nötige Aufmerksamkeit, geschieht dies in der Ausnahme aber doch, wie in der Begegnung mit Hampti Dampti, sowie in der Szene mit dem reitenden Erfinder geschehen, entstehen sehenswerte und lustige Szenen, die das Absurde des Buches in ihren herrlich wirren auf Pseudologik getrimmten Dialogen zu übertragen und damit zu gefallen wissen. Aber derartige Momente sind rar gesät innerhalb einer Herangehensweise, die sich nicht um Charakterentwicklung und/oder einer zusammenhängenden Geschichte kümmert, sondern stattdessen episodenhaft und zusammenhanglos dargeboten von einem Kapitel zum nächsten hüpft.

Klar kann man sich das mit den auf der DVD betonten Adjektiven schön reden, auf diese kalkulierte, seelenlose Art will sich jedoch keine stimmige Atmosphäre und kein Charme für das Dargebotene offenbaren. Was nutzen da die wirklich toll anzuschauenden Kostüme und die einsamen Höhepunkte des Streifens, wenn "Alice im Wunderland" zu einem anstrengenden Mix aus Kitsch und Absurdem wird und damit zu einer ärgerlich anzuschauenden Angelegenheit, die beweist wie früh in Großproduktionen schon jene Fehler begangen wurden, die auch im heutigen Hollywood noch zu verärgern wissen? Norman Z. McLeod ist als Routinier seines Faches, u.a. nach zwei Marx Brothers-Filmen, mit diesem Werk um die kleine Alice nichts Außergewöhnliches geglückt, bis 1960 sollten noch viele Regiearbeiten von ihm folgen, bevor seine Karriere endete. Wie erfolgreich "Alice im Wunderland" seinerzeit lief weiß ich nicht. Von "Reise zum Mond" bis zum heutigen Blockbuster-Kino reißt sich das Publikum um Spezialeffekte, es mag also sein, dass der zumindest in diesem Bereich punktende hier besprochene Film tatsächlich die Masse zu begeistern wusste, ich sichte aber dann doch lieber zum x-ten Mal den 6 Jahre später entstandenen "Das zauberhafte Land", der bekannter Weise einige Parallelen zur Geschichte um Alice in ihrem Wunderland besitzt. Der war auch eine Großproduktion, aber eine deren Macher wussten wie man ein gutes Ergebnis zaubert. Zumindest scheint die hier besprochene cineastische Version von Carrolls Büchern den damals ausgebooteten Konkurrent Disney für dessen 1951 erschienenen Zeichentrickversion inspiriert zu haben, besitzt sie doch einige, von der Buchvorlage unabhängige, Parallelen zur dritten Verfilmung. Hätten die Disneystudios den Zuschlag bereits 1933 erhalten, wäre anbei ein Zeichentrickfilm mit einer als Mensch besetzten Alice dabei herausgekommen.


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Trailer,   OFDb

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