13.07.2020

DER UNSICHTBARE (2020)

Cecilia gelingt die Flucht von ihrem extrem dominanten Mann Adrian und erfährt drei Wochen später, untergekommen bei Freunden, dass dieser sich kurz darauf umgebracht hat. Dennoch fühlt sie sich weiterhin von ihm bedroht. Während die Leute um sie herum sie davon überzeugen wollen, dass Adrian nur noch in ihrem Kopf herumspukt, ist Cecilia davon überzeugt, dass er sie in Wirklichkeit als Unsichtbarer verfolgt...

Ich war es nicht, es war der Unsichtbare...

Freilich hätte ich mich über eine tatsächliche Neuverfilmung des 30er Jahre-Hits "Der Unsichtbare" mehr gefreut, aber das stark abgeänderte Remake, das mit der Geschichte des Klassikers so gar nichts mehr gemein hat, ist zumindest, wie es der Titel verspricht, ein Horrorfilm zum Thema Unsichtbarkeit, und da gibt es leider immer noch viel zu wenige von. Deswegen freue ich mich über alles, was zu diesem Thema abgeliefert wird, und wenn es einer professionellen Produktion entspringt, wie mit Leigh Whannells Werk geschehen, darf man sich umso mehr freuen, allein schon aufgrund der Trickeffekte. Die fallen überraschend rar gesät aus, was gerade in Zeiten des überbrodelnden Effektgewitters in den Blockbustern unserer Zeit verwundern darf, sind, wenn sie dann aber mal auftauchen, zumindest in interessante Szenarien gepackt. Mit optischen Neuerungen rechnet ohnehin niemand mehr, nun wo alles dem Computer entstammt, und da war der an sich mäßig ausgefallene "Hollow Man" schon etliche Jahre zuvor der größte Sprung nach vorne. Dementsprechend war es meiner Meinung nach die richtige Entscheidung, wenn schon im Bereich der Computereffekte nicht mehr mit der Schwanzgröße prahlen zu können, zumindest besondere inhaltliche Momente zu bieten, wenn diese eingesetzt werden. Die hätten zwar trotz alledem gruseliger ausfallen können, interessant sind sie aber wie erwähnt allemal eingebaut.

Am spannendsten ist "The Invisible Man" (Originaltitel) in seiner Eingangssequenz ausgefallen, in welcher nervenkitzelnd die Flucht vom Aggressor detailreich gezeigt wird. Es ist schon schade, dass der Film sein Niveau diesbezüglich nicht im Horror-Part beibehalten konnte, gerade auch wegen des Verfolgungswahns der Protagonistin, den ich am liebsten ebenso intensiv mitgespürt hätte, wie es einem "It Follows" gelang. Es ist zwar schade, dass "Der Unsichtbare" derartiges nie erreicht, spannend genug ausgefallen, um dennoch mit der von "The Handmaid's Tale"-Star Elisabeth Moss verkörperten Cecilia mitzufiebern, ist der Film dann aber doch. Letztendlich trumpft er zur zweiten Hälfte hin aber nicht aufgrund seines Spannungsbogens, sondern wegen der modernen Idee, wie die Unsichtbarkeit erreicht wird. Das ist schön sleazy, gerade für solch einfallslose Zeiten, wie im US-Kino zur Entstehungszeit bei Großproduktionen üblich, und macht die Idee für ein aufgeschlossenes Publikum somit umso reizvoller. Zudem ist Cecilia trotz ihrer Angst, die sie seit je her vor ihrem Ehemann hatte, kein wehrloses Opfer. Ebenso wie in der Serie, in der sie agierte, verkörpert Moss auch hier eine taffe Frau, die sich nicht so leicht manipulieren und unterkriegen lässt. Dementsprechend ist das Finale auch überraschend anders ausgefallen, als man es vermuten würde.

Etwas verstörender hätte der Film insgesamt jedoch ausfallen können. Ab einem gewissen Zeitpunkt bietet er zunächst doch etwas zu viel Grundlagenprogramm, bevor er seine individuellen Zutaten zuckt. Zudem hätte er, gerade auch weil der Spannungsbogen nicht all zu sehr knistert, eine Spur kürzer ausfallen können. Manche ausgedehnten Szenen hätten lediglich in erdrückender Atmosphäre getrumpft. Schön ist hingegen, dass das Drehbuch zum einen Cecilia durch die Taten ihres Verfolgers, an den außer ihr niemand glaubt, in der von anderen vermuteten, psychischen Störung wie ein Kind aussehen lässt, dass angeblich eigene Taten ihrem imaginären Feind zuschiebt, und dieser Bereich zum anderen gleichzeitig für eine wahrlich fiese Rachemethode genutzt wird. Gerade in der Szene, in welcher Cecilia mit ihrer verstrittenen Schwester ein Versöhnungsgespräch im Restaurant führt, besitzt diese Idee meiner Meinung nach ihren Höhepunkt. Leigh Whannell, der mit "Insidious 3" fünf Jahre zuvor sein Regie-Debüt ablieferte, inszeniert das routiniert gekonnte Drehbuch ebenfalls routiniert gekonnt, so dass es handwerklich nichts zu meckern gibt, vieles etwas zu typisch ausgefallen ist, das Szenario jedoch immer wieder aufgebrochen wird durch besondere Momente und interessante Ideen. Ich persönlich tat mich zwar mit der Hauptbesetzung etwas schwer, ertrage ich ihren Blick Richtung Kamera doch durch selbige zu gewollte Methode in der zweiten und dritten Staffel ihrer Serie nicht mehr, aber da kann ja "Der Unsichtbare" nichts für.  OFDb

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