15.05.2021

MOM AND DAD (2017)

Ein ominöses Störgeräusch entfacht in jedem Elternteil des Landes den Wunsch seine eigenen Kinder zu töten...

Vor Fremden sicher...

Inmitten der von mir immer wieder gern geschauten Zombie- und Infizierten-Welle freue ich mich jedes Mal auf einen gewissen Grad Abwechslung. Mit "The Signal" sicherlich näher verwandt als mit gerade beschriebenen Horrorfilmen, geht "Mom and Dad" einer äußerst reizvollen Idee nach. Was, wenn die überschäumende, mörderische Aggression sich nicht gegen Alles und Jeden wendet, sondern nur gegen spezielle Zielpersonen? Mit dem Gedanken, dass es sich bei diesen um die eigenen Nachkommen handelt, erreicht man Möglichkeiten der Thematisierung um Generationenkonflikte und äußerst raffinierte Kriegstaktiken (das Auslöschen des Gegners durch sich selbst). Gerade in der Kombination Horror und Komödie hätte diese Variante bekannter Erzählmuster einen besonderen Reiz ausgestrahlt. Mit Nicolas Cage hatte man zudem nicht nur wen Berühmtes mit an Bord, sondern auch noch wen Passendes zu dieser Idee. Mag der Mann auch umstritten sein, aber wer kann bitte besser in comic-artiger Übertreibung die Augen aufreißen, als er? Ausgerechnet hier, wo dieses Überagieren endlich einmal wieder von Vorteil gewesen wäre, spielt der gute Mann seine Rolle lediglich mit halber Backe herunter. Und wer das Endergebnis kennt, kann auch vermuten warum. Schließlich scheitert der Film vom "Crank"- und "Ghost Rider 2"-Regisseur Brian Taylor nicht an Cage, sondern an seinen Defiziten, beginnend mit einem äußerst plumpen Drehbuch und meinem Gefühl nach mit äußerst üblen Produktionsbedingungen endend.

Wie sonst lässt sich erklären, dass das fertige Produkt sich aufgrund derbster Sprunghaftigkeit und oberflächlichem Abgrasen seiner potentiellen Grundidee wie ein unfertiges Gerüst schaut? Ging das Geld aus, und man erdreistete sich das unfertige Werk dennoch zu veröffentlichen? Ich weiß es nicht, aber es ist schade, bleiben doch alle sympathischen Ansätze in ihren Anfängen stecken und können sich nicht weiter entfalten. Die wunderbare Großelternidee zum letzten Drittel hin, die Schlusspointe, die bei vielschichtigerer und psychologisch clevererer Erzählung ein wunderbarer Abschluss geworden wäre, der Zwischenzustand der Aggressoren aus geistig anwesend und abwesend, es gibt viel zu entdecken, dass einen gewissen Charme besitzt. Und doch sorgen diese nicht gerade raren Ansätze nicht einmal für eine mittelmäßige Unterhaltung, so orientierungslos wie alles dargeboten wird, so unsensibel, wie der Zuschauer so gar nicht an die Hand genommen wird, so fehlkalkuliert das Szenario nicht erst schleichend beginnen darf und in seinem weiteren Verlauf stets holprig weiter verfolgt wird. Wieso werden die Schüler schneller isoliert, als der sich nicht zuvor informierende Zuschauer das Szenario greifen kann? Wieso versteht die Gesellschaft eine derart skurrile Pandemie derart schnell, dass Vorsichtsmaßnahmen vom Gefühl her direkt zu Beginn (wenn auch erfolglos) vorgenommen werden können? "Mum and Dad" ist weder durchdacht, noch vom Comic-Faktor her ausgereift genug ausgefallen, um mindestens auf simpelster Ebene unterhalten zu können. Und ein Lance Henriksen, der in seiner Rolle wunderbar hätte überzeugen können, wird auf die Schnelle abgearbeitet, ohne dass man ihm die Chance besonderer Momente bot. Und wieso engagiert man bitte die sonst stets so mutig agierende Selma Blair, wenn sie hier eine austauschbare Rolle spielen darf, die jeder 08/15-Darsteller hätte meistern können?

Der Film hätte nun nicht zwingend satirisch geistreich ausfallen müssen, wie anfangs von mir erhofft, er hätte aber wenigstens seine Idee des ungewöhnlichen Terroraktes etwas exakter durchdenken können und sich mehr Zeit zur Entwicklung der Geschichte und der in ihr agierenden Charaktere nehmen können. "Mum and Dad" ist eine lose Hülle, deren löchrige Art perfekt zum viel zu plötzlichen Schluss passt. Stecker gezogen, Film zu Ende. Na, danke dafür!  OFDb

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