02.08.2021

ALLES MUSS RAUS (2010)

Am selben Tag, an dem Nick seinen Job verliert, setzt ihn seine Ehefrau vor die Tür. Seine Sachen liegen im Vorgarten, sie selbst ist weg bis er alles geregelt hat. Ohne Geld und Schlüssel zum Haus improvisiert er zunächst ein Leben im Garten. Nach und nach beschließt er mit Hilfe einer neuen Nachbarin und eines Jungen, der für ihn arbeitet, seine Frau zurück zu erobern, indem er sich von den Sachen trennt, an denen er bisher gehangen hat...

Entspannte Fressmusik für asiatische Fische...

Der für seine alberne und gern auch provokante Komik berühmte Will Ferrell versuchte sich noch einmal an einem ernsteren Stoff, und da habe ich gerade nach dem sehr geglückten "Schräger als Fiktion", der vier Jahre vor "Alles muss raus" entstand, doch wesentlich mehr erwartet. Der Debütfilm von Dan Rush, der auch das Drehbuch beisteuerte, ist ein Werk der leisen Töne, eine Tragikomödie, welche ihre Hauptfigur anstatt großer Ereignisse ins Zentrum rückt. Aber sehr tief geht das nicht, weder dramaturgisch, noch intellektuell. Die Entwicklungen bleiben zu oberflächlich, die Geschichte kommt eher bedeutungsschwanger anstatt wahrhaft bedeutend daher, zumal mir der Zugang zu des Rätsels Lösung fehlt, dass man sich weiter entwickelt, indem man lieb gewonnenen Besitz los wird. Welche tief gehende Charakterverbesserung soll damit stattfinden? Warum auch immer, der Autor findet es wichtig, dass Nick zu dieser Erkenntnis kommt, und bis es soweit ist werden die üblichen Fehler des Protagonisten eines solchen Stoffes begangen, nie vertiefend wie asozial sich die Noch-Ehe-Frau dem armen Mann gegenüber verhält. 

Aber da reden wir von den gesellschaftlichen Gesetzmäßigkeiten der USA, die sind ohnehin für Europäer nicht wirklich nachvollziehbar, ebenso wie die Gesetzgebung, wie gerade dieser Film zeigt, wenn es um die Situation im Vorgarten geht und darum wie schnell man in den vereinigten Staaten festgenommen werden kann. Abgesehen von der interessanten Entscheidung, dass Nick trotz kleinerer Perspektivwechsel und Einsichten am Alkohol festhält und damit nicht völlig verträumt die Märchenvariante eines tragischen Stoffes erzählt wird, kommt "Everything Must Go" (Originaltitel) doch eher wie einer dieser typischen Steve Carell-Filme daher, anstatt wie ein wahrhaft tiefsinniger Beitrag des Genres Tragikomödie. Und aufgrund der versteckt geistreichen Ideen in Farrells lauteren Filmen und aufgrund dessen wie talentiert der in Deutschland kaum bekannte Schauspieler ist, wird dies dem Star somit nicht gerecht, so dass trotz solidem Ergebnisses ein enttäuschtes Gefühl zurück bleibt. Wenn man nicht all zu viel erwartet, funktioniert "Alles muss raus" auf simple Art gut genug, um nett unterhalten zu werden. Aber man sieht ihm an, dass er sich für tiefsinniger hält, als er tatsächlich ist, und deswegen hätte Carrell einfach besser, da stets blasser wirkend, in den Film gepasst, als der erst kürzlich von mir entdeckte, unglaublich talentierte, Will Ferrell.  OFDb

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