04.10.2021

SOHN DER WEISSEN STUTE (1981)

Nachdem er sich mit Muttermilch 14 Jahre stark getrunken hat, sucht der dritte Sohn der weißen Stute nach deren Tod mithilfe seiner zwei Brüder das Tor zur Unterwelt, um die dortigen Machtverhältnisse böser Drachen zu beenden...

Sich drehende Burgen...

Basierend auf mehreren ungarischen Märchen kreierte der Animationsfilmer Marcell Jankovics zusammen mit seinem Mitautor László György einen Zeichentrickfilm der künstlerisch wertvollen Art, an dessen Optik man sich zunächst einmal gewöhnen muss. Die Herausforderung angenommen entdeckt man Hintergründe die zu Vordergründen werden, in Umrisse gehaltene Personen und Gegenstände, sich wandelnde Objekte und Gegenden, Figuren die ihre Beständigkeit zu wechseln scheinen, Farbspiele und vieles mehr. Die psychedelische Art erinnert nicht von ungefähr an "Yellow Submarine" und "Belladonna", das Werk selbst ist überraschender Weise im Gegensatz zu diesen jedoch erst Anfang der 80er Jahre entstanden, obwohl man ihn intuitiv in diesem Gewandt eher in den 70er oder 60er Jahren vermutet hätte. Während ich den Beatles-Film bislang nicht gesehen habe, kann "Son of the White Mare" (Alternativtitel) mit dem japanischen Vergleichsfilm nicht mithalten. Zwar beeindruckt die Optik definitiv, und inhaltliche Überraschungen, gerade mit Unkenntnis ungarischer Sagen, wie die Geburt menschlich ausschauender Wesen einer Pferdemutter (ich musste unweigerlich an die schockierende Entdeckung in "Das Omen" denken, wohingegen das tierische Elternteil hier geradezu selbstverständlich vor die Nase gesetzt wird), halten den Zuschauer ebenso auf Trab, wie die ungewöhnliche und durchdachte Optik. Auf eine Dauer von fast 90 Minuten ist der Streifen jedoch definitiv zu lang ausgefallen.

Jankovics hatte zuvor fast nur Kurzfilme angefertigt und war an TV-Serien wie "Adolar" beteiligt, das könnte erklären warum er es nicht schafft sein an sich beeindruckendes Projekt auf Spielfilmlänge interessant zu halten. Der Erschöpfungszustand entsteht leider nicht nur einzig über die zu banale Erzählung, die mit ihrem einfachen Muster und den Wiederholungen den Zuschauer weit weniger intellektuell fordert, als es der Zeichenstil tut. Auch dieser sättigt sich irgendwann, wenn sich das, was die Animation so besonders macht, ebenfalls zu sehr wiederholt. Sorgten verschiedene Kunstrichtungen und ein sich stets im Wandel befindender Plot im japanischen Vergleichsfilm für ein nicht nachlassendes intellektuelles, wie auch psychedelisches Feeling, so verursacht "Fehérlófia" (Originaltitel) in seiner zu anstrengenden und monotonen Art Ermüdungserscheinungen, so lobenswert anders er auch beweist zu was Kino alternativ in der Lage sein kann. Auch ein wesentlich besserer, abwechslungsreicher Soundtrack tat "Belladonna" gut, während im hier besprochenen Animationsfilm auch hier eine Unterforderung stattfindet, die ebenso wie der Plot dem optischen Kunstanspruch nicht gerecht wird. "Sohn der weißen Stute" ist definitiv völlig anders ausgefallen, als jeglicher anderer Zeichentrick und damit nicht nur einen Blick wert, sondern auch ein Stück Innovation mit Existenzberechtigung, er richtet sich trotz künstlerisch hohem Anspruch jedoch eher an ein Publikum, das sich gerne in einen surrealen Rausch versetzen lässt, anstatt es auch bis zur letzten Konsequenz intellektuell zu fordern. 

Tapfer bis zum Schluss dran geblieben war mein Hirn hinterher freilich ordentlich weggebretzelt, und es dauerte bis ich wieder in der Lage war halbwegs vernünftige und sortierte Gedankengänge zu vollbringen. "Sohn der weißen Stute" ist einer jener sehenswerten Filme, die ich gern mehr mögen würde, als ich es tue, und dessen bleierne Schwere leider nichts mit meiner Tagesform zu tun hatte. Die war gut, ebenso wie die meiner vielseitig cineastisch interessierten Mitsichter, denen es allen ebenso erging wie mir. Erleben sollte man diesen Film als Entdecker des ungewöhnlichen Kinos aber durchaus einmal, zumal es einige positiver ausgefallene Stimmen im Netz zu diesem Streifen gibt, also nur Mut liebe Leser!  OFDb

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