Samstag, 19. Mai 2012

SCHIMANSKI 11 - ASYL (2002 Edward Berger)


Illegale Einwanderer werden tot in einem LKW aufgefunden. Sie sind alle erstickt. Als die Polizei den pensionierten Polizist Schimanski bittet undercover als LKW-Fahrer zu ermitteln, lehnt dieser ab. Doch dann trifft er auf den jugendlichen Attila, den einzigen Überlebenden. Als dieser nach und nach Vertrauen zu dem Rentner aufbaut, überlegt der es sich anders...


Ein Herz für Kinder...

Dass man noch immer fleißig ermitteln kann, selbst wenn man pensioniert ist, das bewies bereits der wesentlich tatterigere „Kommissar Klefisch“. Was sollte also den wesentlich agileren Schimanski davon abhalten wieder tätig zu werden? - Sein Ego. Denn zu dem Job als Maulwurf wird er nur deswegen gebeten, weil es illegale Drecksarbeit ist, bei der er im Extremfall auf sich selbst gestellt ist. Der damalige Polizist aus Leidenschaft sieht das nicht ein.

Der Grund warum er es sich anders überlegt verweist bereits auf ein begleitendes Genre. Die Schimanski-Reihe wird zum Sozial-Drama. Da ich die Vorgänger nicht kenne weiß ich nicht wie es bislang war, aber von nun an wird dies öfter der Fall sein. Sozialromantiker Schimanski wird noch das ein oder andere Mal Menschen helfen, die durch das System gefallen sind und Aufgrund von Armut auf Hilfe angewiesen sind. Diesmal ist es der illegale Immigrant Attila dem Schimmi, nachdem ein Vertrauen aufgebaut ist, zunächst einmal eine Aufenthaltsgenehmigung beschafft.

Nun muss er nicht mehr versteckt bei dem freundlichen Polizisten A.D. leben und kann sogar in der Wirtschaft von Schimanskis Freundin arbeiten. Wer aufgrund dieses Ablaufs jedoch eine blauäugige heile Welt vermutet, der irrt. Völlig kitschfrei ist „Asyl“ nah an der Realität erzählt, so dass es um so mehr wirkt, dass der Darsteller des Attila so authentisch zu spielen weiß.

Parallele Handlungsabläufe sorgen dafür, dass man sich nicht immer sicher sein kann wie es weiter geht, so dass der Part einer unsicheren, auf Schimanskis Entscheidung hin gar unverkabelten, Undercover-Arbeit noch gefährlicher zu werden droht, wenn der ungehaltene Attila in seinem jugendlichen Leichtsinn beschließt Landsleute aufzusuchen, um ebenfalls nicht untätig herumzusitzen.

Je weiter der Kriminalfall voranschreitet, um so mehr verdichtet sich das Drama und um so mehr wird der heimliche Auftrag der Polizei zu einer Privatsache. Dementsprechend schließt der Film auch mit einem Schimanski als reinen Privatmenschen in einer stimmigen gefühlvollen Abschluss-Szene, die ein wenig im Widerspruch stehen wird zu Episode 13 namens „Sünde“, in welcher der Held der Reihe behaupten wird nicht mit Kindern auskommen zu können.

Götz George spielt seine Rolle aus dem Ärmel geschüttelt perfekt. Die Stammgesichter der Reihe sind freilich wieder mit dabei, und keiner von ihnen wird mit unnötigen Gastauftritten abgefertigt. Jedes ehemalige Gesicht ist von Bedeutung, egal wie groß oder klein die Rolle ausgefallen ist. Regisseur Edward Berger hat mit „Schimanski - Asyl“ nach dem Vorgänger „Schimanski - Kinder der Hölle“ seinen zweiten Beitrag zur gelungenen Krimi-Reihe abgeliefert. Leider war es gleichzeitig auch seine letzte.

Der Serie hat es nicht geschadet, sie blieb auch nach „Asyl“ weiterhin qualitativ. Es kann jedoch sein, dass der Kurswechsel ins Sozial-Drama, in welcher Folge der auch immer begonnen haben mag, manch einem ehemaligen Freund der Reihe nicht schmecken mag, nachdem doch gerade nach Absplittung der klassischen Schimanski-Thanner-“Tatort“-Folgen der Kriminalist zunächst etwas actionlastiger ermittelte. Mag sich der Stil der Reihe auch geändert haben, dem Schimanski-Charakter bleibt man treu, und das dürfte wohl die Hauptsache zum Funktionieren dieser Krimiserie sein.


Kommentare:

  1. Tach! Ich verlinke dich mal drüben bei uns.

    Liebe Grüße :)

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    1. Danke schön! Da mir Eure Seite auch gefällt, hab ich mich mal revangiert! :)

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