Samstag, 18. August 2012

DIE FRAUEN VON STEPFORD (The Stepford Wives 1975 Bryan Forbes)


Joanna und ihr Mann Walter ziehen in das malerische Städtchen Stepford. Der auf dem ersten Blick so sympathische Ort wirkt beim näheren Hinsehen jedoch weniger gemütlich: die Herren verbringen die meiste Zeit in einem Männerclub, und die Frauen von Stepford benehmen sich alle wie glückliche Hausfrauen aus der Fernsehwerbung...


Die unfreiwilligen Erben Disneys...

Emanzipation - das war in den 70er Jahren eine Sache die sehr ernst genommen wurde. Ist sie heute eher eine Selbstverständlichkeit und in der Regel in verwässerter Form anzutreffen, war sie damals hart umkämpft, aber auch viel natürlicher gelebt. Schaut man US-Filme aus den 70er Jahren erlebt man immer wieder Frauenrollen, die gleichberechtigt und gleichzeitig Frau sind. Gleichberechtigung wurde nicht mit Angleichung verwechselt. Es war das Individuum das zählte.

Was erkämpft wurde, kann man wieder verlieren (hat man streng genommen bereits auch ein gutes Stück wieder), und je frischer die Wunden, desto größer die Angst der Rückkehr zur alten Norm. „Die Frauen von Stepford“ spielt in Form einer Satire mit der Idee, dass Frauen beides verlieren könnten: die Gleichberechtigung und das Individuum - und mit diesen beiden Elementen schlichtweg die Freiheit.

Ich weiß nicht ob die Fernsehwerbesendungen der strahlenden Hausfrau zu irgendeiner Zeit tatsächlich ernst genommen wurde, zur Entstehungszeit von Bryan Forbes Science-Fiction-Werk war dies zumindest nicht mehr der Fall, auch wenn „Drei Mädchen und drei Jungen“ und andere heile Welt-Serien tagtäglich im Fernsehen liefen. Der Gedanke der glücklichen Hausfrau schien grotesk. Zwar war es in den emanzipierten 70er Jahren legitim als Frau die Rolle der Hausfrau zu wählen, aber das Abbild dieser in der Werbung war und ist extremst überzogen und dient heutzutage nur noch als Belustigung.

Wenn die Heldin der Geschichte nun in einen Ort zieht, der geradezu bevölkert ist vom Frauenbild der Produktinformationen, dann weiß das einen eine Zeit lang zum Schmunzeln zu bringen, situativ sogar zum Lachen (z.B. wenn das erste Frauentreffen in Stepford stattfindet). Der dramatische Aspekt, der mit diesem leicht schwarzen Humor verbunden ist, und der Spannungsbogen um den Forbes bemüht ist, sorgen jedoch dafür, dass der nötige Ernst der Problematik nicht untergeht. Und je tiefer der Film in die Ereignisse um Stepford eintaucht, desto ernster nimmt man seine Geschichte.

Das liegt mitunter auch daran, dass die Orientierung an Joanna sehr hoch ist. Sie wurde mit Katharine Ross sehr interessant besetzt, ist diese doch ein süßes, zierliches Wesen, weiblich im Erscheinungsbild und etwas aufreizend gekleidet ohne zu gewagte Wege einzugehen. Das auch im Film kurz angesprochene Thema der Kampfemanzen sollte sie nicht verkörpern. Sie sollte die Frau von nebenan sein, ist charakterlich taff gestaltet, weiß sich in der Männerwelt durchzusetzen und ihren Wünschen zu folgen ohne dabei egoistisch nur an sich zu denken.

Man mag Joanna einfach, und man gönnt ihr das Recht auf ihre Freiheit. Aber so taff sie auch sein mag, gegen die auf sie so dümmlich wirkende männliche Dominanz kommt sie nie richtig an. Mit zwei verbündeten, ebenfalls erst kürzlich nach Stepford gezogenen, Frauen weiß sie sich zwar eine Zeit lang zu wehren und über die seltsame Art der Stepford-Frauen zu sinnieren, aber spätestens wenn ihr auch die zweite Verbündete genommen wird, die sich ebenso wie die erste in ein braves Hausmütterchen verwandelt hat, ist sie da, die zerbrechliche Frauenrolle, die körperlich dem Mann unterlegen ist und emanzipiert hin oder her sich der Überzahl der Feinde nicht mehr im Kampf stellen kann.

In dem düster angelegten Finale, das im Gegensatz zum Restfilm im Handeln der Hauptfigur manches Mal etwas unglaubwürdig wird, muss Joanna nun versteckt agieren. In einem „Nicht ohne meine Tochter“-Plot kann sie Stepford nicht ohne ihre Kinder verlassen, eines gespielt vom „Grüne Tomaten“-Star Mary Stuart Masterson, die hier ihr Schauspiel-Debut ablieferte. Filme der 70er Jahre waren im Science Fiction-Genre nicht sonderlich blauäugig erzählt, und so schließt der Film, betrachtet auf die bisherigen Vorkommnisse, glaubwürdig und düster. Die Schluss-Szene verdeutlicht in ihrer Monotonie nun welch bitterböses Bild sich hinter der Mentalität der Fernsehwerbungen versteckt, welche wir zu Unterhaltungszwecken verharmlosen bzw. als selbstverständlich zu akzeptieren gelernt haben.

„Die Frauen von Stepford“ ist sehr schleichend erzählt. Die ersten 30 Minuten zeigen lediglich die Umorientierung Joannas, die mit ihrer Familie zuvor in einer Großstadt lebte und das auch genoss. Erst nach dieser langen Einführung zeigt Forbes erstmals deutlich, dass die Stepford-Frauen so sind wie sie sind. Zuvor durfte man lediglich erst die Nachbarin erleben, die uns einen Vorgeschmack dessen gab, was in höherer Population noch folgen sollte.

Auch wenn des Rätsels Lösung heutzutage mit moderneren Alternativen zu lösen wäre, so guckt sich „The Stepford Wives“ (Originaltitel) doch recht zeitlos, eben weil er in einer friedlichen Kleinstadt spielt, die, sofern wir aktuellen Filmen glauben können, heute noch genau so geartet sind wie damals. Lediglich die Sehgewohnheiten der damaligen Zeit muss man als Zuschauer beherrschen können. Wer sich schnell langweilt und eher Aktion anstatt psychologische Stimmigkeit bevorzugt, der wird mit dieser Satire nichts anfangen können. Der wird eher in der albernen wie missglückten Neuverfilmung von Frank Oz, die ebenfalls den Namen „Die Frauen von Stepford“ trägt, sein cineastisches Glück finden.

Wer aber den langsamen Erzählstil des 70er Jahre-Kinos mag und es genießt interessant charakterisierte Figuren auch mal bei Nichtigkeiten zuzusehen, die nichts mit der eigentlichen Geschichte zu tun haben, der wird dieses sensibel angegangene Filmchen genießen können, auch wenn es etwas verwundert, dass der Spannungsgehalt doch recht gering gehalten wurde. Etwas mehr davon hätte nicht geschadet, um den an sich gelungenen Streifen noch etwas aufwerten zu können.

Denn letztendlich arbeitet er inhaltlich lediglich auf ein Geheimnis hin, dessen wir uns als Zuschauer in der Regel schon zuvor bewusst sind. Gerade deswegen ist es aber auch so erstaunlich, dass „Die Frauen von Stepford“ mit seinen Wichtigkeiten wie Nichtigkeiten so gut zu unterhalten weiß, zumal mit der Thematik um die Angst des Individualitäts-Verlustes, gerade zur Entstehungszeit des Streifens, im Science Fiction-Genre recht oft gespielt wurde (z.B. in „Die Körperfresser kommen“ und „Futureworld“). Bryan Forbes Werk kann mit der Konkurrenz jedoch bestens mithalten, gilt er doch heute als anerkannter Klassiker, einer der drei Fortsetzungen und die bereits erwähnte Neuverfilmung nach sich zog.


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