26.08.2012

WOLF CREEK (2005)

Drei junge Erwachsene reisen mit dem Wagen durch Australien, bleiben mit ihrem Gefährt liegen und werden von einem freundlichen Einheimischen mitgenommen, der daheim das Auto gratis reparieren möchte. Der Mann ist jedoch ein Psychopath und will etwas ganz anderes...

Der Wolf und die drei kleinen Touries...
 
Als 1974 eine Gruppe von Teenagern auf der Leinwand Opfer einer Hinterwäldler-Familie wurde, da war ein neues Sub-Genre des Horrorfilms geschaffen. Es war härter als so ziemlich jedes andere, hatte sein Hoch in den 70er und 80er Jahren, existierte in Deutschland danach lange Zeit nur in Videopremieren und bekam im Kino erst wieder 2003 eine Chance mit der Veröffentlichung von „Wrong Turn“ und Michael Bay's „Texas Chainsaw Massacre“. Vom Backwood-Streifen ist die Rede, der mit gerade erwähnten Neuveröffentlichungen zum Mainstream ummodelliert wurde. Aus schmutzigen Werken wie „Backwoods“ und Co wurden glattpolierte Teenie-Filme.

Der Backwood-Film muss in den abgelegensten Winkeln der Welt spielen, dort wo Menschen noch wohnen mögen, es aber unmöglich ist ihr Treiben, eventuell sogar ihre Anwesenheit gesetzlich, zu bemerken. Was dies betrifft darf man sich schon fragen, warum gerade der Kontinent Australien sich so selten zu dieser Filmgattung äußert. Ein Regisseur aus dieser Region hat den Zusammenhang der geringen Population seines Landes in Bezug auf Personen und Backwood-Veröffentlichungen bemerkt und uns „Wolf Creek“ gezaubert. Greg McLean lieferte damit sein Langfilm-Debüt ab und erzählt wie Urgroßvater „Blutgericht in Texas“ eine Geschichte nach wahren Begebenheiten.

Klar wurden diese so weit abgeändert, bis der Vergleich fast unverschämt zu nennen ist. „Wolf Creek“ verrät dies bereits zwischen den Zeilen, wenn jene Person, die das Finale lebendig verlassen darf, so ziemlich nichts von all dem wissen dürfte, was im Laufe der Geschichte passiert ist. Denn McLean will nicht einfach nur stumpf ein Stück vom Geldkuchen ab haben, er will den Zuschauer auch überraschen. Und so präsentiert die Geschichte sich ab einem gewissen Zeitpunkt in drei gesonderte Kapitel unterteilt. Jeder der drei verschleppten Touristen bekommt seine eigene Geschichte und erlebt den Trouble mit dem Psychopathen großteils getrennt von einander.

McLean genießt es mit dem Zuschauer zu spielen, will uns in Kapitel 1 der Touristentrennung die bis dahin aufgebaute Identifikationsfigur auch weiterhin als Heldin verkaufen, um sie uns nach sehr langer Zeit der Täuschung doch noch als erhoffte Überlebende zu nehmen. Das reißt einen ähnlich heraus wie bei „Psycho“, in welchem Hitchcock selbiges tat, was heute aber auch nicht mehr ganz so zu schocken weiß, wie in den 60er Jahren.

Etwas merkwürdig ist hingegen die Idee zu nennen den Backwood-Streifen mit einer Alien-Thematik zu mischen. Schon der sehr unbeliebte „Texas Chainsawmassacre 4 - Die Rückkehr“ versuchte dies und wirkte damit eher lächerlich als mystisch. McLean hat jedoch ein Gespür für seine Geschichte und mischt besagte Themen nur zum Aufbau der Atmosphäre und zur Verwirrung des uninformierten Konsumenten, anstatt diesen Bereich konsequent weiter auszubauen.

Waren die Täter in Tobe Hoopers großem Film Kannibalen, die Bösewichter in vielen Nachzüglern schlichtweg „nur“ Triebtäter, so darf Mick Taylor, der Psychopath des McLean-Films, Jäger sein. Statt Tiere Menschen zu jagen, das besaß bereits in den 30er Jahren Reiz, als in „Graf Zaroff“ die titelgebende Figur Gestrandete auf seiner Insel jagte. Auch in „Wolf Creek“ weiß dieser Aspekt der Geschichte zu wirken, hätte aber noch intensiver fruchten können, wenn es der eigentliche Grund des Psychopathen gewesen wäre um Touristen anzusprechen und mitzunehmen. Dass er seine Opfer jagt hat jedoch nur mit der schlichten Tatsache zu tun, dass sie ihm entkommen. Dennoch weiß der Jagdgedanke zu gefallen, allein wegen der unfairen Chancenverteilung durch Heimvorteil und Zielfernrohr.
 
Zwar macht McLean vieles richtig, aber seine packendste Phase besitzt der Film zu Anfang, wenn er aus der oberflächlichen „Teenies machen Party“-Phase heraustritt, um die Touristen in die Einöde zu schicken. Hier besitzt „Wolf Creek“ die dichteste Atmosphäre und schafft es am besten dem Zuschauer Angst zu machen. Zunächst durch das Spiel der Unwissenheit der Protagonisten, die noch leichtfertig durch die Gegend stapfen, ihre privaten Problemchen zelebrieren und noch an die Fahrtüchtigkeit ihres Töffs glauben, später einfach dadurch, dass sich die Angst der Helden durch simpelste Identifikation mit der Situation automatisch auf den Zuschauer überträgt. Hilfreich für diese intensive Wirkung sind die Dunkelheit und die Farbgebung, die „Wolf Creek“ optisch zu etwas Besonderem machen.

Beginnt die eigentliche Geschichte, ist die Wirkung auch fast wieder vorbei. Spätestens wenn man bei Taylor daheim am Lagerfeuer sitzt und erstmals klar wird, dass er nicht alle Tassen im Schrank hat, verschwindet die Angst. Taylor erinnert viel zu sehr an den Vater der „Blutgerich in Texas“-Sippe, der für den Humorpart verantwortlich war. Er ist weder zu gestört a la Leatherface, um ihn als unberechenbar darzustellen, noch strahlt er eine gewisse Faszination aus, die ihn zu einer mystischen Figur der Furcht macht. Wahrscheinlich war das schon immer mein persönliches Problem am Backwood-Slasher. Außer Hoopers Kannibalen konnte mich noch selten ein Täter dieser Filme überzeugen. Dass die Streifen dennoch zumindest grob funktionieren können, beweist neben „Wrong Turn“ u.a. dennoch auch der hier besprochene Film.

Sicherlich ist „Wolf Creek“ nie mehr so spannend wie in besagter zweiter Phase. Aber durch das Spiel mit den Sehgewohnheiten des Zuschauers bleibt der Film trotz schwächelnder Täterwirkung weiterhin interessant. Es ist jedoch schön zu wissen, dass Greg McLean in seinem Folgefilm „Rogue - Im falschen Revier“ scheinbar dazu gelernt hat, so dass das Spiel mit den Sehgewohnheiten des Zuschauers dort wesentlich besser zu wirken weiß, weil er es dort in Nebensächlichkeiten einstreut, anstatt in reißerische Gebiete, so wie es in „Wolf Creek“ der Fall ist. Keine Frage, der Film macht Spaß, aber McLeans Kroko-Horror „Rogue“ ist tatsächlich etwas Besonderes geworden, wohingegen „Wolf Creek“ schlichtweg ein netter Genre-Beitrag ist - nicht mehr und nicht weniger.  OFDb

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