Freitag, 21. September 2012

CAMP SLAUGHTER (2003 Martin Munthe)


Eine Frau bringt ein monströses Kind zur Welt, die Frucht eines inzestuösen Liebesaktes. Der Vater setzt es in ein Loch im tiefen Wald und versorgt das Kind tagein tagaus. Nach einer der Fütterungen vergisst er Jahre später allerdings das Loch im Wald zu schließen, und das Monster ist frei. Es schleicht durch den Wald und stößt auf eine Gruppe Kids, die in einer Blockhütte Party feiern wollen...


Wohin Tochterwahn führen kann...

Schwedens B-Film-Beitrag „Camp Slaughter“ zur 2003 gerade aktuellen Slasher-Welle orientiert sich in einigen Punkten an Tobe Hoopers Terrorfilm „Blutgericht in Texas“, eine Orientierung häufiger Natur. Meist eher lustig angegangen wie in „Monster Man“ oder „Skinned Deep“, auch mal lediglich augenzwinkernd gemeint wie in „Mad Jake“ oder aber nur themengestreift wie im bekannteren „Wrong Turn“, der Videomarkt ist voll mit Werken, die sich an der Rezeptur Hoopers Kettensägenfilms bedienen und die Kettensäge dabei meist zu Hause lassen.

Auch Martin Munthes Film benötigt dieses Elektrowerkzeug nicht und erzählt uns seine Version des bekannten Stoffes im leicht grotesken Stil. Im Gegensatz zu „Calvaire – Tortur des Wahnsinns“, der komplett grotesk umgesetzt war, übernimmt er sich damit nicht, kann aber trotzdem nur bedingt punkten. Das mag mit unter an der leicht an Amateurfilme erinnernden Billigumsetzung liegen, Talent war hier Mangelware und blitzt lediglich im debilen Gegenstück zu Leatherface auf. Aber selbst der wird vielen nicht gefallen, benimmt er sich doch wie jener von Fans verhasste Leatherface aus Teil 4 der „Texas Chainsaw Massacre“-Reihe, was durch die Hintergrundgeschichte jedoch Sinn ergibt.

Ein wenig an „Das Haus der Vergessenen“ orientiert kommt der Wahnsinn diesmal nämlich nicht von Seiten der Hinterwäldler, sondern aus der gesellschaftlichen Ecke der Reichen. Ähnlich wie in Wes Cravens interessantem Ausnahmefilm sind die Reichen aufgrund ihres anderen Lebensstils, des Geizes und der Angst ihren Reichtum zu verlieren zu Freaks geworden, was von der Außenwelt nicht unbeobachtet bleibt. Ihr Ruf eilt ihnen voraus, wie tief die Wurzel des wahren Wahns verborgen liegt, wird erst den Protagonisten bewusst.

Das ist keinesfalls realitätsfern, geben doch einige Psychologen zu, das Verhalten mancher Reicher (gerade hohe Positionen von Großkonzernen) würden mit ihrem Denken und ihren Geschäftsmethoden in anderen Bereichen der Gesellschaft dazu führen sie als geisteskrank einzustufen und wegzusperren. Was hinter der Tür eines Jeden passiert weiß man nie, und „Camp Slaughter“ präsentiert uns in der einen Tür, die er für uns öffnet, ein sehr wahnsinniges Geheimnis, das leider aufgrund seiner schlechten und nervigen Umsetzung nicht reizt.

Da ist die ewig betrunkene Adlige in ihrem Schloss, die ihrem Mann nie verzeihen konnte, dass er ihr einen Sohn beschert hat. Im zeugungsfähigen Alter wird die Dame von ihrem Kind geschwängert und fiebert nun einer Tochter entgegen. Jahre sind seither vergangen und erst nun nach dem Zeitsprung erfährt der Zuschauer, dass es gar keine Tochter wurde, sondern ein debiler Junge, der von nun an in einem Loch im Wald leben durfte. Angezogen wie ein Mädchen, den Kopf in einen Sack gesteckt (Jasons erste Maske lässt grüßen). Einen Blick auf das Monster darf man nicht werfen. Ist es überhaupt eins? Oder trägt es den Sack nur, weil das Gesicht die Männlichkeit verrät? Hier darf der Zuschauer selber raten.

Wird er aber kaum gemacht haben! Der Film ist unbekannt, und wer ihn gesehen hat mag ihn meist nicht. Verstehen kann ich das schon, er hat viele Schwächen. Da es aber auch kleine Lichtblicke in der Inszenierung gibt, kann ich persönlich nicht vom Totalabsturz reden. Es könnte mehr passieren, das gebe ich zu. Aber meist umweht dem eigentlich recht billig zusammengeschusterten Streifen eine interessante Atmosphäre, jenseits vom US-amerikanischen Flair, wenn auch in vielen Punkten an diesem orientiert. Die Rolle des Wahnsinnigen weiß zu gefallen, die Gegend ist stimmig und eine gewisse Neugierde darüber, wohin die Geschichte gleiten wird, wurde bei mir geweckt.

Gegen diese Pluspunkte arbeiten zum einen die sehr schlecht gespielten Szenen im Adelshaus. Gerade die weibliche Rolle wird von einer Dame verkörpert, die wohl aus dem Theaterbereich zu kommen scheint, denn sie spielt wie auf der Bühne. Was dort wirken würde, bekommt im Filmbereich einen befremdlichen, da unechten, Touch, der auch von der gewollten Groteske ihrer Szenen nicht aufgefangen werden kann.

Die Szenen auf dem Schloss sind selten, also könnte man mit viel Wohlwollen darüber noch hinwegsehen. Aber in Sachen Logik fährt der Streifen sein Potential nun komplett gegen die Wand. Man ist in dem Genre viel gewöhnt, und es gibt viele Verhaltensweisen die man den Figuren entweder verzeihen kann, weil sie charakteristischer Natur sind, oder die man aufgrund der Häufigkeit im Genre akzeptiert oder ignoriert, da man sich einfach dran gewöhnt hat. Aber „Camp Slaughter“ zerrt diesbezüglich an den Nerven.

Da machen Verfolgte das Licht beim Fahren aus, um nicht entdeckt zu werden, gucken aber nicht auf die Straße. Da wird soviel gekreischt und gebrüllt (meist im Streit der Flüchtenden untereinander), dass man sich fragt, warum sich hier noch versteckt wird, warum geflüchtet wird und warum während einer Autoflucht zumindest an das Licht gedacht wird. Da kommt es zu Morden und Verletzungen unter den Opfern, verursacht durch ihresgleichen, da man sich ständig unsinnig verhält. Einige wenige Stunden Fußmarsch, und eine der bisher Überlebenden legt sich lieber ins Gras. Nur wenige Schritte vom Schloss entfernt, das trügerisch nach Rettung aussieht, und die Frau sagt zu ihrer Mitgefährtin, sie solle ohne sie gehen. Sie schaffe es nicht mehr.

Da nun noch das Drehbuch selbst voller Unlogiken und Lücken steckt, wirken die hier so harmlos klingenden Beispiele völlig unsinnig. Der debile Sohn aus der Grube begeht die Morde nicht psychologisch nachvollziehbar wie in „Blutgericht in Texas“. Ein schleichender Verfolger holt ein schon länger fahrendes Auto ein (womit die üblich gern genannte Unlogik eines schleichenden Verfolgers aus klassischen Slashern überboten wird). Man könnte noch etliche Beispiele aufzählen. Z.B. jenes, wo die Verfolgten sich erst einmal Schuhe aus dem Haus, in welchem der Killer lauert, holen müssen, anstatt die Flucht mit dem Auto sofort anzugehen.

Unlogiken sorgen bei vielen Horrorfans nicht für Unmut. Die sehr zähe Umsetzung, die mich aufgrund der Atmosphäre nur bedingt gestört hat, dürfte diesen Freunden des Genres jedoch so gar nicht gefallen. Wer viel erleben will ist im falschen Film. Man darf lange warten bis der Geisteskranke zuschlägt, und trotz abgeschnittener Köpfe (bei zu kleiner Scherenklinge mit nur einem Schnitt) und anderer Abartigkeiten wird es nie zu hart. Gorehounds haben andere Filme, an denen sie sich satt sehen können.

„Camp Slaughter“ war also leider nur sehr magere europäische Slasher-Kost. Fans des Genres wird er nicht gefallen. Ähnlich wie „Calvaire“, aber ohne dessen künstlerischen Anspruch, ist Munthes Film vom Storyverlauf her etwas für Cineasten, die es gerne anders mögen. Die schluderige Umsetzung und das Untalent in Schauspiel und Drehbuch machen aus diesem eigentlich nett klingenden Ausflug ins Horrorgenre jedoch ein sehr mäßiges Erlebnis, dem man nur mit Wohlwollen einige Pluspunkte abgewinnen kann.


Trailer,   OFDb

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