Samstag, 29. September 2012

CURSE OF THE QUEERWOLF (1988 Mark Pirro)


Obwohl Larry verheiratet ist, lässt er sich von seinem Kumpel beschwatzen und die beiden gehen in eine Bar Frauen aufreißen. Larrys Eroberung erweist sich als Tunte. Und ein Biss in den Po lässt den Getäuschten bald auch zur Tunte werden. Denn der Transvestit war ein Queerwolf, und wer diesen Fluch in sich trägt verwandelt sich jeden Vollmond in einen Homosexuellen. Larry sucht Hilfe bei einer Zigeunerin...


Die Rocky Horror Werwolf Show...

Drei Jahre bevor Pirro uns den kultigen “Nudist Colony Of The Dead” servierte, drehte er eine andere Horror-Komödie (ein Genre das ohnehin seine Spezialrichtung zu sein scheint), die jedoch nicht an die Größe des Nachfolgers heranreicht.

Zu Beginn glaubt man gar das Gegenteil. Gute Witze kann da suchen wer will und Pirro macht den Eindruck, er hätte nur auf Sexualprovokationen und Schlüpfrigkeiten wert gelegt. Ganz verkehrt ist dieser Eindruck nicht, der Humor von „Curse Of The Queerwolf“ geht stark unter die Gürtellinie. Aber nach 5 Minuten der Geduld etwa, stimmen auch die Gags.

Zumindest wenn man mit Albernheiten, auch sogenannte Flachköpper, sympathisiert. Das Werk ist ein Amateurprodukt, oder zumindest sehr semi-professionell, und dementsprechend nah an der bürgerlichen Kneipenkomik ist auch jene aus dem Film.

Nudist Colony Of The Dead“ war ein Musical mit Musik, die in ihrer Komik zu überzeugen wusste. „Curse Of The Queerwolf“ ist kein Musical, aber manche Komposition am Rande geht deutlich in die Richtung des fröhlich augenzwinkernden Sounds des Nachfolgers. Kennt man diesen gar, kommt bei den melodischen Tönen des Vorgängers richtig Stimmung auf.

Die Darsteller sind mit viel Spielfreude dabei. Etwas Geld schien man auch zu haben, denn an Räumlichkeiten, Gegenständen und Darstellern mangelt es nicht. Im Gegenzug gab man kaum einen Cent für die Spezialeffekte aus. Aber „Curse Of The Queerwolf“ tarnt sich ohnehin nur mit dem Genre Horror, um alles zu veralbern. Da wird der Klamauk mit absichtlich schlechten Spezialeffekten lediglich unterstützt. Ein Manko ist das also nicht.

Seine schönsten Momente hat Pirros Film nicht wenn die lustigen Sprüche erklingen (wobei diese positiv wirken), sondern wenn er Beobachtetes aus professionellen Filmen parodiert. Hier sei nur auf das zu Hörende im Abspann verwiesen (bloß nicht ausschalten!), das deutlich die Schein-Happy Ends Amerikas Großproduktionen verarscht.

Deutlich parodiert wird auch die Verwandlungsszene in „American Werewolf“. Zum besseren Verständnis muss man allerdings erst den Begriff Queer erklären. Mir sagte dieses englische Wort nichts, also musste ich nachschlagen. „Queer“ steht für viele Begriffe, die aber alle ziemlich direkt mit dem Bereich „Transvestit“ und „Homosexualität“ zu tun haben. Wer dies weiß, weiß auch zuvor was ihm bevorsteht. Ich hingegen habe mich lieber überraschen lassen und das Wort erst hinterher nachgeschlagen.

Also, wer gebissen wird verwandelt sich in einen Transvestit. Nun geht Pirro allerdings nicht so einfallslos heran der Hauptfigur seinen Gemütszustand zu ändern, so dass dieser sich plötzlich gedrungen sieht Frauenklamotten anzuziehen. Nein, der Weg zum Transvestit findet mittels einer Metamorphose statt (die natürlich sehr billig umgesetzt wurde). Diese weiß auf dem Niveau des Filmes allgemein zu überzeugen. Fingernägel wachsen plötzlich und färben sich in Nagellack-Farben, Ohrringe erscheinen, usw. Bis der Infizierte am Ende ein kompletter Transvestit ist.

Eine fragwürdige Komik, welche Homosexuelle diskriminiert? Vielleicht bedingt, aber eigentlich hat es Pirro auf eine Parodie von Schwulenfeindlichkeit abgesehen. Wie in seinem Folgewerk, so wird auch hier deutlich Kritik am Christentum geäußert. Aus deren hass-schürender Perspektive wird die Homosexualität als Infektion bezeichnet, die, albern wie der Streifen nun einmal ist, erst mit einem Vibrator im Po ausgetrieben werden muss, eingehämmert wie dem Vampir der Pflock ins Herz. Klingt sexuell sehr provokativ, aber keine Sorge, hier wird alles nur angedeutet. Irgendwelche Pornoszenen muss man hier nicht erdulden.

Nun hätten wir bereits den Werwolf- und den Vampirfilm im Parodiebereich. Die alleine reichen Pirro jedoch nicht, und so darf man noch eine sehr lustige Parodie auf „Der Exorzist“ genießen. So wird statt Weihwasser der Befallene z.B. mit Bier beträufelt, weil dies so ein knallhartes Männergetränk ist. Fahre hinaus, Satansweib, werde wieder ein richtiger Mann! Herrlich!

Der Darsteller des Larry weiß beide Gesichter auch wunderbar zu verkörpern. Als der „normale“ Larry hat er Machoseiten an sich, ist aber eigentlich ein dürrer, rückratloser Hanswurst mit aufgebauschtem Selbstbewusstsein (was seine Versuche alle davon zu überzeugen nicht Gay zu sein um so witziger wirken lässt). Als Transvestit beweist er gleiche Spielfreude und Mut zur Weiblichkeit. Seine Stimme bekommt den passend hellen Ton, seine Bewegungen orientiert er stark am anderen Geschlecht, und er albert weiter fleißig herum.

Politisch korrekt ist das alles nicht. Denn auch wenn der Film deutlich den Homo-Hass veralbert, so macht er sich über Transvestiten doch ebenso lustig wie über deren Feinde. Irgendwie parteilos wirft Pirro einfach mit Albernheiten in jede Richtung, trifft dabei manchen Nerv (jener zum Vorurteil und jener zum Kritiker in Dir). Und das Wort Albernheiten nutze ich hier bewusst. Denn Pirro betreibt zwar Gesellschaftskritik, aber diese soll gar nicht erst Zentrum des Gesehenen werden. Es wird sehr deutlich, dass Pirro und seine Mannen einfach nur lustig sein wollten und sich mit ihren Zoten einfach mal ausgetobt haben.

Den Massengeschmack trifft man mit so etwas nicht, aber das sollte später bei „Nudist Colony Of The Dead“ auch nicht der Fall sein. Ein solcher Film wurde nicht gedreht um Geld zu machen. Und das sieht man ihm auch an. Er ist ehrlich, hat keine Angst irgendwen zu verletzen und setzt seine Idee konsequent um (tolle Szene wenn die Liebhaber der vergangenen Nacht Präsente schicken).

Der Aufhänger der Geschichte weiß einen kompletten Film diesmal allerdings nicht genauso gut zu füllen, wie jener des Nachfolgers. Und so kommt trotz aller Witzigkeit beim Anschauen hin und wieder der Wunsch auf, der Film möge sich doch so langsam mal dem Ende zuwenden. Dies entsteht auch durch das häufige Anwenden von Running Gags, denen ein wenig zu viel gefolgt wird. Wobei es auch in diesem Bereich großartige Witze gibt, wie beispielsweise die ewig brennenden Fackeln der von ihrem christlichen Glauben „beauftragten“ Transvestitenjäger.

Die Schwächen seien einer Amateurproduktion verziehen. Freunde des anderen Geschmacks können also ruhig einmal reinschauen, ebenso wie Menschen, die offen für Neues sind und nicht hinter jeder politischen Unkorrektheit direkt Hass-Propaganda vermuten.


Trailer,   OFDb

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