Mittwoch, 5. September 2012

DAS BLUT DER ROTEN PYTHON (Tian Long Ba Bu 1977 Pao Hsueh-Li)


Ein des Kämpfens untalentierter Prinz zieht durchs Land auf der Suche nach der roten Python, deren Blut er der Legende nach trinken muss, um zum gefürchteten Kämpfer zu werden. Nach einer aktionsreichen Reise ist es soweit und dem nun des Kampfes fähigen Mann wird durch die Auseinandersetzungen mit Freunden und Feinden allmählich der familiäre Hintergrund der verworrenen Situation offenbart, die ihm auf seiner Suche so viele Steine in den Weg legte...


Große Python und allerhand anderes Getier...

Der Firma Shaw Brothers haben wir so allerhand unterhaltsamen Schwachsinn aus Hongkong zu verdanken. Und während der Großteil ihrer Produktionen aus dem Handkantenbereich stammt, gibt es auch einige Fantasystreifen aus ihrer Produktionsschmiede, die freilich auch nicht ohne Kampfsport auskommen, aber zumindest auch einen anderen Schlag Cineasten ansprechen könnten.

Nach dem so unterhaltsamen „Invasion aus dem Innern der Erde“ hatte ich die Erwartung, dass "Das Blut der roten Python" ähnlich geartet ist. Relativ wenig von der Geschichte wissend wagte ich mich mit Freunden an diesen Beitrag der Arte Trash-Reihe heran, wohl eine gute Wahl, denn der wundervolle Fernsehsender präsentierte das gute Stück ungekürzt im Originalton, während die meisten deutschen Veröffentlichungen Federn lassen mussten.
Ich wussten auf welch kranken Film ich mich in etwa einließ, spätestens bei der Einblendung des Shaw Brothers-Logo, und doch wurde ich von der besonders naiven Umsetzung geradezu überrumpelt. Da wird in kürzester Zeit eine Vorgeschichte abgehandelt, die vor Klischees nur so strotzt und mit albernen Dialogen um sich wirft, dass man sich erst einmal in dieses wundervoll schundige Geschehen hineingucken muss. Vom Geschichten erzählen hatte man keine Ahnung, das Geld schien knapp zu sein, und irgendwie war alles ziemlich Banane - aber auch sehr unterhaltsam, irgendwo zwischen sympathischen Schrott und doch recht dreistem pendelnd.

In seinen übelsten Momenten fühlte ich mich gar an den unterirdischen „Kung Fu Zombie“ erinnert, allerdings nie lang genug, als dass mich „Das Blut der roten Python“ nerven könnte. Dafür war er wiederum viel zu unterhaltsam und durchgeknallt. Was einem in der kurzen Laufzeit von unter 80 Minuten an Getier und wundersamen Menschen vor die Füße geworfen wird, ist schon erstaunlich. Und egal wie schräg Personen und Situationen sind, sie werden einem als selbstverständlich präsentiert, so als wäre das gezeigte Chaos stinknormaler Alltag.

Neben einer sehr hektischen und ereignisreichen Geschichte, die es schafft trotz ihrer verworrenen Art dem Zuschauer aufgrund ihrer infantilen Beschaffenheit nie die Übersicht der Ereignisse zu nehmen, sorgt ein buntes Meer kostengünstiger aber sympathischer Spezialeffekte dafür, dass einem gar nicht langweilig werden kann. Die überraschend früh in die Geschichte integrierte rote Python ist nur ein Beispiel für einen Schauwert, der Schundfilm-Herzen höher schlagen lässt. So werden beispielsweise (oftmals unnötige) Gegenstände eingefärbt und in ein grelles Licht gesetzt, und allein solch ein banales Gimmick weiß zu gefallen.

Ich kenne die Hintergründe zu dem Film nicht, aber am Ende fragte ich mich, wer wohl damals das Zielpublikum eines solch kaputten Streifens gewesen sein müsste, so lustig sich der Film freiwillig gibt, und so ernst er einem manchmal in seinen grundlegenden Zutaten scheint, zumindest die asiatische Mentalität betreffend. Wurde sie auf den Arm genommen oder ernsthaft in eine freiwillig schundige Quatsch-Geschichte integriert? Eine Frage, die ich als Europäer mit wenig Asiafilm-Kenntnissen nicht beantworten kann.

Zumindest scheint eines sicher: der Film basiert auf einer Vorlage, denn nur so ist es zu erklären, dass der Chaos-Streifen, der schließlich nur eine von vielen kostengünstigen Produktionen war, es auf zwei weitere Filme geschafft hat, die wohl beide nie nach Deutschland kamen: „Demi-Gods And Semi-Devils“ (1982) und „Dragon Chronicles - Demi-Gods And Semi-Devils“ (1994). Zudem gab es in den Jahren 1982, 1991, 1997, 2003 vier Fernsehserien die alle unter dem internationalen Titel „Demi-Gods And Semi-Devils“ veröffentlicht wurden. Die Geschichte und ihre Figuren scheinen im fernen Osten also Kult zu sein. Wenn der Rest sich ähnlich durchgeknallt schaut wie „Das Blut der roten Python“ kann ich das auch verstehen. Auch ich würde bei dieser Art Schwachsinn sofort wieder einschalten.


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