Sonntag, 25. November 2012

AEON FLUX (2005 Karyn Kusama)


In der letzten Stadt auf Erden wird die Macht missbraucht und das Volk belogen. Revoluzzer wollen das Regime stürzen und das Volk befreien...


Blicke in eine stylische Zukunft...

Als Zuschauer wird man bei diesem Streifen ins eiskalte Wasser geschupst, zumindest als Nichtkenner der Serie. So dauert es etwas, bis man sich richtig orientieren kann, und so ist es ausnahmsweise einmal hilfreich, dass zu Beginn durch einen Off-Kommentar so viel erklärt wird, was in anderen Filmen zunächst gezeigt werden würde. Dieses Hineinwerfen ins kalte Wasser ist aber auch genau das Stilmittel, das „Aeon Flux“ rettet. Man muss sich zurecht finden in einer fremden Welt mit fremden Technologien, Figuren. Deren Position für die Geschichte muss man für sich zunächst einmal sortiert bekommen, und allgemein muss man erst einmal herausfinden, ob man das, was man gerade sieht, gut oder schlecht findet. Zur Hälfte des Filmes konnte ich noch nicht beurteilen, wie ich das Gesehene finde.

Wie oft schrieb ich, dass es Filme von heute nicht mehr schaffen einem eine Science Fiction-Welt zu zeigen, die mit der unseren nicht mehr viel gemein hat. „Aeon Flux“ geht den Schritt in die richtige Richtung. Man lässt sich keine Zeit den Zuschauer an die Hand zu nehmen und ihm in Ruhe alles zu erklären. Die neumodischen und auf uns Jetztzeitbürger so fremdartigen Technologien hat man als Neandertaler zu akzeptieren, ob man da nun was begreift oder nicht.

Diese komplette Methode löst eine gewisse Faszination aus und steht im krassen Gegensatz zu der zu ausgeprägten, gewollten Coolness der Figuren. Steriler als jede Person in den „Matrix“-Filmen, cooler als es Lara Croft je sein könnte, und der Film selbst ist optisch überzeichneter als der komplette „Sky Captain And The World Of Tomorrow“. Auf diese Art erscheinen einem die Figuren, selbst die Heldin, fremd, wie ein hohles Gefäß. Das ist sicherlich beabsichtigt, wird doch mit Fortschreiten der Geschichte deutlich, dass die Menschen in der Zukunft kaum etwas anderes sind. Aber mit diesem psychologisch eigentlich richtigen Stilmittel bedient man sich gleichzeitig viel zu sehr bei den Coolness-Helden, die eigentlich nur bei der Jugend auf Begeisterung stoßen können. Und ob gewollte Befreier einer zukünftigen Diktatur, quasi Idealisten, ernsthaft derart auf Coolness achten würden bleibt fraglich.

Allerdings muss ich „Aeon Flux“ da auch etwas in Schutz nehmen, denn was mich hier an gewollter Lässigkeit so stört, ist teilweise Kultur der Zukunft. Die Frisur, die kaum noch etwas Natürliches vermuten lässt, ist beispielsweise ganz klar Zukunftsmusik, aber auch das was die Kids aus ihren Videospielen kennen und lieben. Dieses zweischneidige Schwert ist quasi gar nicht mal so dumm, marktstrategisch gesehen. Man gibt den Kids von heute was sie wollen (so eine Art Heldin im Mix aus „Tomb Raider“, der Saturn-Werbe-Frau und den „Drei Engel für Charlie“) und setzt dieses gekünstelte Etwas in eine Welt, in die es gehört.

Diese Welt wackelt nicht. Die Leute, die das Drehbuch schrieben und die für die Settings zuständig waren, erhalten das Bild von Beginn des Filmes an bis zum Schluss konsequent bei. Es ist eine fremdartige, aalglatte Welt, eine widerliche Diktatur, bevölkert von braven Bürgern, aber jenseits einer braven Bürger-Welt aus „Demolition Man“. Über den Alltag in dieser Welt erfahren wir so gut wie nichts. Selbst die Infos am Rande sind sehr spärlich, das ist in meinen Augen ganz klar ein Schwachpunkt. Immerhin geht es um den Kampf derer, die das System zerstören wollen gegen jene, die es erhalten wollen. Das worum es geht kennt man nicht. Man muss als Zuschauer die Meinungen der Figuren gegen-einander abwägen, ohne wirklich zu wissen, um was es geht. Das wenige was man versteht wird nicht erklärt, man kennt quasi den Rahmen, aber nicht das Bild. Das ist wiederum das gelungene am Film.

Da mag sich manch einer dran stören. Es gab immerhin auch einige „12 Monkeys“-Nörgler, Menschen die verwöhnt sind und alles vorgekaut kriegen wollen. „12 Monkeys“ durchschaut man trotz komplexerer Geschichte und obwohl er um Klassen besser ist, wesentlich schneller. „Aeon Flux“ taucht seine simple Geschichte in eine völlig umständliche Erzählweise, kompliziert das, was so zunächst einmal überhaupt nicht hätte kompliziert werden müssen und entknotet im Laufe der Spielzeit diese Unnötigkeiten. Das war auch genau die richtige Vorgehensweise. Die Geschichte selbst ist nämlich zu schlicht. Sie ist der Zusammenklau etlicher Filme verschiedenster Jahrzehnte und weiß dem Genre selbst inhaltlich nichts neues hinzuzufügen, außer seiner interessanten Technologie. „12 Monkeys“ nahm einem die Orientierung und gab sie dem Zuschauer schließlich irgendwann, um ihn mit dem was er begriff zu schocken. Das war ein Stilmittel zum psychologischen Spiel mit dem Betrachter des Werkes. „Aeon Flux“ zieht seine simple Geschichte damit lediglich in die Länge, was dem Werk auch deutlich gut tut, immerhin wird man als Zuschauer damit neugierig gehalten. Man will wissen was das ganze soll. Erreicht man den Punkt der Klarheit, ist damit aber auch nichts weiter verbunden. Selbst überraschende Storywendungen sorgen jetzt nicht für den extremen Aha-Moment, sie sind maximal interessant. Immerhin ist am Ende kaum noch etwas so wie anfangs vermutet, das hat man hier schon recht ordentlich umgesetzt.

Es gab nur wenig Raum die unnötigen, zur Zeit so häufig vorkommenden, Kinoklischee-Charaktereigenschaften einzubauen, dank der völlig fremdartigen Welt. Gegen Ende kommt allerdings einiges an Ernüchterung auf uns Cineasten zu. Die Erklärung hat so ihre zu soapopera-artigen Momente, völlig fehl am Platz ist die komplette Schlußsituation, bei der man sich fragt, was die ehemalige Freundin der Heldin nun bewegt haben soll, anders zu handeln als bisher gewollt (und das nachdem die Heldin in der inneren Unterredung nicht einmal den Versuch gemacht hat ihr Handeln zu erklären, obwohl dies gar nicht so schwer gewesen wäre). In einer so pessimistischen Welt kommt so etwas fast magisch Positives doch sehr schwach rüber und nimmt dem fertigen Werk einiges von seiner Wirkung. Eine solche Szene wäre in einem Fantasiefilm daheim, nicht in einem Streifen, wie diesem.

Dennoch ist „Aeon Flux“ durchaus einen Blick wert. Die fremde Optik hat ihr Für und Wider, sie ist Teil der sterilen und interessanten Zukunftswelt, sie ist aber auch Teil heutiger übertrieben cooler Kino-Erzählweisen, weniger wäre manchmal mehr gewesen. Wenigstens sind die computerüberzeichneten Bilder diesmal als positiv, da passend zum Thema, zu betrachten. In „Sky Captain And The World Of Tomorrow“ ist man ähnlich vorgegangen, widersprüchlicher Weise aber zu einem nostalgischen Thema. So komplett anders kann der selbe Stil wirken.

„Aeon Flux“ ist flott erzählt, die belanglose Geschichte kompliziert verpackt, damit sie nicht langweilt und mit einigen Überraschungen versehen. Wer noch nie einen Science Fiction gesichtet hat, wird den Film vielleicht sogar als das Überwerk betrachten, kennt man aber die wichtigen Werke dieses Genres, hauptsächlich aus der Ecke des 70er Jahre-Kinos, dann ist klar zu erkennen, dass hier nur Altes neu aufbereitet wurde. Dies aber immerhin recht ordentlich, wenn auch, gerade gegen Ende, mit einigen Ärgernissen versehen. 


Trailer,   OFDb

1 Kommentar:

  1. Hatte mich damals tierisch auf den Film gefreut da ich die Serie, die in den 90ern auf MTV lief, geliebt habe (habe mir damals auch direkt die (damals) teure DVD Box zugelegt. ALs ich aber dann den Film gesehen habe, hätte ich am liebsten losgeschrien. Wie bei V FOR VENDETTA hatte der Film mit der Vorlage eigentlich nichts mehr gemein. Alles war so poppig glattgebügelt und ohne Abgründe. Gerade das Finstere, Sexuelle und der seltsame Humor haben die Serie damals so sehenswert gemacht.

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