Donnerstag, 8. November 2012

GIGANTEN DER VORZEIT (Kyoryu: Kaicho no densetsu 1977 Junji Kurata)


Eine Frau wird im Schockzustand ins Krankenhaus eingeliefert. In einer Vulkanhöhle stieß sie auf Dinosaurier-Eier. Forscher Takashi leckt Blut, wurde sein Vater doch belächelt, weil er noch an die Existenz von lebenden Dinosauriern glaubte. Was Takashi nicht weiß: eins der Eier ist durch die Vulkanhitze aufgetaut. Der geschlüpfte Dino macht fortan das naheliegende Gewässer unsicher und attackiert Badegäste...


Wütender Japan-Dino einmal anders...

Bei Dinosauriern und Japan denkt man zunächst an bekloppte Monsterfilme und zerstampfte Großstädte. In den 70er Jahren wollte eine Produktionsfirma mal dagegen halten und erstellte einen Film, der, wären die Darsteller nicht alle sichtbar asiatisch, genauso gut aus Amerika hätte kommen können, zumindest bis auf einige Szenen in denen typische Japanhumor aufblitzt.

Zunächst wird eine Höhle mit Dinoeiern entdeckt, dann schlüpft ein Dino aus. Dieser kommt, zumindest für einen Japanfilm, lange Zeit nur selten vor, seine Gestalt selbst wird nur angedeutet. Das tut dem Film sichtlich gut. Dadurch entsteht ein wenig Spannung und eine Atmosphäre der Neugierde. Dadurch wirkt er nur bedingt trashig, was sich bei dem Thema jedoch nie ganz vermeiden lässt.

So ist es bei Sichtung des Urtiers z.B. belustigend zu sehen, dass die verwendete Puppe einen unbeweglichen Mund besitzt. Ohnehin wirkt das Vieh sehr versteift. Bis auf einige Nahaufnahmen auf dem Mund, wo sich dann sogar mal eine Zunge bewegen darf und leicht Blut ins Spiel kommt, ist das alles sehr billig umgesetzt. Man muss immerhin bedenken, dass man sich bereits in den 70er Jahren befand. "Caprona" war für diese Zeit bereits enttäuschend, aber "Giganten der Vorzeit" ist in der Puppenanimation eine Dreistigkeit. Erst recht wenn man bedenkt wie früh im Stummfilm "Die verlorene Welt" gezeigt wurde, wie toll man Dinosaurier zum Leben erwecken kann.

Etwas anders verhält es sich da mit dem Flugsaurier, der ohnehin recht spät eingeführt wird. Das ist eigentlich auch gut so, da ein solcher Film meist nicht viel Story enthält und es da sinnvoll erscheint dem Zuschauer die Highlights Häppchenweise zu servieren. Aber der Marionettenflugsaurier ist schon ziemlich plump und erweist sich somit keinesfalls als Highlight. Er hat zu wenig geglückte Aufnahmen.

Auch der obligatorische Endkampf beider Saurier ist etwas enttäuschend ausgefallen. Mal ganz davon abgesehen, dass man nicht weiß warum sie aufeinander losgehen, ist der Kampf doch recht hölzern und teilweise peinlich getrickst und hat somit wesentlich weniger Wirkung als die Angriffe auf Menschen. Von Spannung kann man gar nicht mehr reden, und die Atmosphäre weicht dem Voll-Trash, der nun nur noch bedingt dem Fan selbigen zu empfehlen ist. Denn der schönste Trash hat nur dann Wirkung, wenn er auch auf irgendeine Art den Film unterstützt. Der Schund in "Giganten der Vorzeit" gibt dem Werk jedoch lediglich einen qualitativen Riss, der nicht schwer zu umgehen gewesen wäre.

So bleibt am Ende nur ein kleiner putziger Film, mit einer leicht zähen, aber gelungenen ersten Stunde. Im letzten Drittel darf man nur noch schlechte Tricks und eine besonders dünne Story sichten. Interessant ist "Giganten der Vorzeit" dennoch auf jeden Fall, ist er doch für Japan mal völlig anders erzählt. Die Angriffe auf Menschen finden meist im Wasser statt. Die Stadt ist nur relativ kurz Handlungsort des Monsters, und der Kampf beider Dinos am Schluss ist nicht im Stil der „Godzilla“-Kampfsequenzen umgesetzt. Allerdings finde ich das Beobachten zweier Menschen im Gummikostüm eigentlich besser als das Augsburger Puppentrick-hafte Herumgehoppse der beiden Urzeittiere hier.

Von einer Dinopräsentation wie auf dem Cover abgebildet darf man hier nur träumen, hat aber sicherlich ohnehin keiner erwartet. So anders der Film für Japanverhältnisse auch ist, so sehr erinnert er gleichzeitig an die typischen Vertreter Amerikas. Somit weiß man trotz japanischer Innovationen eigentlich trotzdem was einem bevorsteht. Aber da soll jeder Monsterfilm-Fan selbst entscheiden, ob er ihn dennoch gucken will oder nicht. Verplempert ist die Zeit nicht, aber netteres gibt es in diesem Filmbereich dennoch zu ernten. Wer auf den Geschmack gekommen ist kann ja mal "Reptilicus" schauen, um zu sehen wie Dänemark an das Genre Riesenechsen-Horror herangegangen ist. 


Trailer,   OFDb

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