Mittwoch, 7. November 2012

KABILLOWITSCH (1977 Ralf Gregan)


Willy Millowisch und Heidi Kabel blödeln sich durch diverse Sketche. So muss ein Tierarzt den Vogel aus einer Kuckucksuhr "heilen", ein Zahnarzt einen Patienten behandeln obwohl er selber Zahnschmerzen hat, uvm. ...


Lachbomben mit Fehlzündung...

Dank der biederen Mentalität der u.a. vom Karneval geprägten rheinischen Fröhlichkeit der Domstadt Köln konnte ein Theater-Mensch wie Willy Millowitsch, dem es an schauspielerischem Talent fehlte, regional eine große und beliebte Berühmtheit werden, der man es sogar ab und an gestattete außerhalb des heimischen Theaters in TV und Kino aufzutreten. Eines seiner Projekte, mit welcher man ihn auch auf die Menschheit außerhalb des Kölner Raumes losließ, nannte sich "Kabillowitsch", in welchem der privat so humorlose Mann zusammen mit der nicht weniger bieder wirkenden Heidi Kabel in kurzen unter 5 Minuten laufenden Sketchen in verschiedene Rollen schlüpfte, um dem Zuschauer die Lachmuskeln zu kitzeln.

Wie witzig das ganze tatsächlich ausgefallen ist, verrät eigentlich schon der Titel, in welchem sich die Nachnamen der beiden Hauptdarsteller paaren. Sicherlich sind 35 Jahre seit der ersten Episode vergangen, aber dass das ganze schon damals nur Humor-Legastheniker zum lachen gebracht haben dürfte, scheint sehr nahe liegend, arbeiten die meisten Sketche doch mit dem Clou der finalen Überraschung, und diese ist fast immer so vorhersehbar, dass nicht erst nach Jahrzehnte langer Humorentwicklung der Zuschauer den Braten zu früh riecht.

Man muss damals schon recht ruhig im Kopf betagt gewesen sein, um nicht hinter den finalen Gag zu kommen. Teilweise darf man sich glatt beleidigt fühlen, dass die Verantwortlichen scheinbar dachten man hätte den Zuschauer an der Nase herumgeführt. Ein schönes Beispiel hierfür bildet der Sketch mit einer Frau beim Tierarzt, deren Kuckuck aus der Uhr die Stimme verloren hat. Verdächtiger Weise besitzt der Arzt selbst in seiner Praxis eine optisch fast ähnliche Uhr. Na, wie der wohl den Vogel wieder zum sprechen bringt kann in den Augen Ralf Gregans, der neben der Regie auch die meisten Bücher verzapfte, nur ein Sherlock lösen.

Das Publikum liegt also ganz klar im Bereich der besonders konservativen und biederen Menschen in Deutschland, die es gestern wie heute gab. Vor einigen Jahren ritt erst Kalkofe auf diesem Publikum herum, als man beim Auftritt der als Brautpaar verkleideten Wildecker Herzbuben eben dieses sichten durfte, das sich vor lachen kaum noch auf den Bänken und Stühlen halten konnte. Hierfür reichte die Kostümierung vollkommen aus, welcher kein Zusatz-Humor beschert wurde.

Dass ein "Kabillowitsch"-Sketch freilich nicht nur vom unterbelichteten Schluss-Gag lebt ist selbstverständlich. Und die Spielfreude der beiden Hauptfiguren kann man auch nicht abstreiten. Aber die Komik ist einfach nur schlecht zu nennen, wenn leicht amourös verkrampft Tabu-Themen wie Ehebruch und Freudenhaus angesprochen werden, Wortwitze serviert werden wie die Frage ob man nicht noch einen trinken wolle, und der Gefragte zurück fragt, warum nicht jeder einen eigenen bekäme.

Zumindest stimmen die Kostüme und das Set, und in einem Sketch, in welchem man auf einen Spezialeffekt zurück greifen musste (jener in welchem ein erfolgloser Zauberer verzweifelt ein Engagement sucht) weiß sogar dieser zu wirken. Eine Produktion des WDR ist halt niemals komplett frei von Qualität. Und gerade mit Blick von heute macht es auch Spaß den sichtlich unterforderten Peter Millowitsch, Sohn des großen Willy, bei kurzen Gastauftritten sichten zu dürfen.

Aber diese Pluspunkte sind geringer Natur, weshalb neben dem Spießer-Publikum nur eine Gattung Cineast übrig bleibt, die an den lahmen Sketchen der nur zwei Jahre gelaufenen "Kabillowitsch"-Reihe ihre Freude haben werden: die Trash-Fans. Für die ist das "muntere" Treiben der beiden Lachknallerbsen (Lachbomben kann man sie nun wirklich nicht nennen) ein Fest der unfreiwilligen Komik, zumal sich das ganze dank gerade einmal 16 Folgen auch recht kurzweilig guckt. 

Ein völlig meschuggener Soundtrack rundet das Trash-Vergnügen zusätzlich ab, ist doch etwa 1/3 der Sketche mit jenem "Instrument" untermalt, mit welchem einst Tingel Tangel-Bob bei den "Simpsons" die Sendung von Krusty dem Clown begleiten durfte, bevor er sich gegen seinen Arbeitgeber wandte. 

Also, wer Freude an unlustiger Komik hat kann ruhig zugreifen. Die Millowitsch-Fans sowieso! Und wer heute noch darüber lachen kann, dass zwei Betrunkene nicht bemerken, dass sie gerade mit ihrem Ehepartner sprechen, oder eine gequälte Zahnarzt-Patientin sich selbst als Zahnärztin entpuppt, die es ihrem Peiniger nun heimzahlen kann, der kann sich bei "Kabillowitsch" vor lachen scheinbar kaum halten und wird die DVD, sofern er sie besitzt, sicherlich jedes halbe Jahr herauszucken, um die unendlich wirkende Wartezeit der schaurig humoristischen Büttenreden des Karnevals im TV überbrücken zu können.

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