Dienstag, 6. November 2012

WAR OF THE LIVING DEAD 2 (Dead Moon Rising 2007 Mark E. Poole)


Jim arbeitet in einem Autoverleih am Flughafen. Große Ziele sind ihm ebenso fern wie der Erfolg bei den Frauen. Gerade eben diskutiert er noch mit zwei Arbeitskollegen über scheinbare Wichtigkeiten des Lebens, da stürzt plötzlich ein kranker Mann in die Filiale. Da er Jims Arbeitskollegen angreift, wird der Besucher außer Gefecht gesetzt. Noch bevor sich die Drei darüber wundern können, werden sie Zeuge eines Amoklaufs mehrerer Infizierter auf der Straße. Da der Arbeitsplatz keinen ausreichenden Schutz bietet, macht man sich auf den Weg und auf die Suche nach Hilfe. Doch die sucht zur Zeit jeder, denn die Infektion greift sehr schnell um sich und hat schon den Großteil der Bevölkerung erreicht...


Dem Zombie laust der Affe...

“Dead Moon Rising” heißt der Zombie-Beitrag im Original, und mit dem ein Jahr zuvor gedrehten “War Of The Living Dead”, der in Deutschland ebenfalls direkt auf DVD veröffentlicht wurde, hat er überhaupt nichts am Hut. Mark E. Pooles erste Regiearbeit ist eine semiprofessionelle Produktion, die nah am Amateurfilm-Niveau angesiedelt ist. Aufgrund dieser Voraussetzung geht man an einen solchen Film anders heran. Man verzeiht ihm viel und erwartet sicherlich keine großen Innovationen.

Zunächst muss man die deutsche Synchronisation schlucken, die gewöhnlicher nicht hätte ausfallen können. Sie umgeht zwar das unterste Niveau wie es “Junk - Resident Zombies” erwicht hat, ist aber trotzdem noch weit davon entfernt zu gefallen.

Kann man sich mit all dem abfinden, steht einem kurzweiligen Vergnügen eigentlich nichts im Weg. Und das mag bei der vorliegenden Rezeptur schon ein wenig wundern. “War Of The Living Dead 2“ besitzt selbst auf Zombiefilm-Niveau keine relevante Geschichte. Die meisten Untoten sehen aus, als habe man ihr Gesicht mit Wasserfarbe gelb angemalt. Und über die Gore-Effekte sollte man besser keine großen Worte verlieren, spritzt doch meist digitales Blut ins Bild, während die dazu gehörende Tat im Off stattfindet. Freunde von Zombieschmaus kommen auf ihre Kosten, denn der Verzehr von Menschen wird nicht ausgeblendet.

Vielen dürfte das der Negativpunkte zu viel sein. Aber zum Glück nimmt sich “Dead Moon Rising” so gar nicht ernst und schafft es sein Nichts an Story und Geld unterhaltsam auf 90 Minuten zu präsentieren. Jim, der Held der Geschichte, kommentiert das Geschehen im Stile eines Ferris Buellers, gibt uns Einblicke in seine Vergangenheit und kurze Informationen zu weiteren Personen. Diese sind für eine solche C-Produktion recht griffig, da unterschiedlich. Gerne wird in der simplen Charakterzeichnung mit Klischees gespielt. So ist z.B. eine predigende Christin a la “Der Nebel” mit dabei, die durch ihr Vertrauen an Gott sterben darf.

Doch zuvor darf man der ein oder anderen belustigenden Diskussion mit ihr beiwohnen, die nur einen kleinen Teil dessen darstellt, was der Film an Seitenhieben für den amerikanischen Durchschnittsmenschen zu bieten hat. Poole nutzt seinen lustigen Film um seine Meinung über verschiedene Dinge des Lebens mitzuteilen, nicht nur vorgetragen von Jim. So darf Jims Arbeitskollege den Unterschied zwischen Gottesglaube und fanatischer Glaube preisgeben, während er an anderer Stelle selber predigt, wie falsch es ist Arbeitsplätze ins Ausland zu verschieben.

Dieses Beispiel zeigt wie sehr Poole mit seinen Figuren und Situationen spielt. Meist wird es dabei nie zu intelligent, also nicht falsch verstehen, es geht schlichtweg um den schnellen Unterhaltungswert, aber einen gewissen Anspruch an sich selbst kann man Poole, der für den Film vieles im Alleingang umgesetzt hat, nicht absprechen. Es ist nicht so leicht wie es scheinen mag auf diesem Niveau ein brauchbares Stück Film fertig zu stellen.

Würde man mich nach den Stärken von “War Of The Living Dead 2“ fragen, würde mir nichts weiter einfallen als sein lockerer Umgang mit der Gesamtrezeptur. Von großen Gags kann man hier nicht reden. Tiefgang wird maximal kurz angeschnitten. Und doch, trotz der oben aufgezählten Mankos will der Streifen einfach nicht langweilig werden.

Dabei ist er nicht einmal sonderlich atmosphärisch. Die Musik stammt aus dem Computer, erinnert dabei meist an Synthesizer-Sound, hin und wieder aber auch an primitive Melodien zur Zeit des Commodore 64. Düstere Bilder gibt es aufgrund der Komödien-Gewichtung überhaupt nicht, von Spannung ganz zu schweigen. Und da auch die Optik nicht gerade als experimentell bezeichnet werden darf, ist auch hier zur Unterstützung von Atmosphäre nichts zu holen.

Immerhin hatte Poole für sein Produktions-Niveau recht viele Zombie-Darsteller am Start. Zwar gibt es Massenszenen mit Untoten nur gelegentlich zu sichten, aber sie sind mit dabei. Ob nun in der Masse oder in kleinen Gruppen, Pooles Zombies schauen sich anders als die aus anderen Filmen. Nicht nur dass seine Untoten den Mond anheulen, sie laufen auch noch meist bucklig, ein wenig an Affen erinnernd.

Da kommt ein Spruch der fanatischen Christin um so besser, der sinngemäß wiedergegeben selbstgerecht äußert, der Mensch habe ja lieber an die Abstammung vom Affen geglaubt als an Gottes Wunder. Also hat Gott uns mit dieser Seuche zu Affen gemacht.

Dass “War Of The Living Dead 2“ eigentlich keine Geschichte erzählt, war dem Regisseur freilich bewusst. Während manch anderer Filmschaffender sich dafür vielleicht schämen würde, nutzt Poole diesen Fakt zum Sticheln des Zuschauers. Jim weiß warum die Infektion ausgebrochen ist. Und ein Ende des Krieges gegen die Horden an Zombies gibt es auch. Aber immer wenn ein solches Thema angesprochen wird, verweist Jim darauf, dass er dies ja ein andermal erzählen könne, jetzt sei erst einmal seine Geschichte dran.

Soll sie doch! Dieses Nichts an Inhalt in einer finanzmageren Umsetzung weiß einfach durch seinen lockeren Umgang mit dem Thema, dem Hintergrund, der Produktion und dem Zuschauer zu gefallen. Klar kennt man das meiste schon aus anderen Filmen, aber die Figuren sind zumindest interessant genug um an ihrem monotonen Geschehen fröhlich passiv teilzunehmen. Da Poole zudem neben comicartiger Übertreibung auch gerne Überraschungen präsentiert, steht einem kurzweiligen Ausflug in einen Film voller Nichtigkeiten auch nichts im Weg.


Trailer,   OFDb

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