Freitag, 30. November 2012

REINE CHEFSACHE (In Good Company 2004 Paul Weitz)


Dan Foreman ist 51 Jahre alt, hat als Leiter des Anzeigenteils einer Sportzeitschrift seinen Traumjob und erlebt auch privat seinen familiären Wunsch. Bis er eines Tages beruflich durch wen wesentlich jüngeres ausgetauscht wird, unter dessen Fuchtel der gekränkte Dan nun arbeiten muss. Als wäre dies nicht alles schon schlimm genug, verlieben sich der Frischlingchef und Dans Tochter auch noch ineinander...


Eine Warnung in rosarot...

Der mit Dennis Quaid und Topher Grace sehr gut besetzte Film ist ein zweischneidiges Schwert. Seine ernste Thematik wird auf Hollywood-Art mit Happy End erzählt, die Aussagen über moderne Fragwürdigkeiten in der Arbeitswelt und ihre Alternativen werden dennoch sehr deutlich herausgearbeitet. Zumindest geht „Reine Chefsache“ den Aufklärungsweg mit Unterhaltungswert richtig. Die Träumer sind es, die aufgeweckt werden müssen, und diese sind in einer gefühlvollen Hollywood-Tragikomödie mitunter das Zielpublikum.

So berichtet das Werk von dem bösen Kapitalismus, der Höchstgewinne erzielen will auf Kosten diverser Existenzen, die der Firma dabei halfen groß zu werden. Jugend wird vor Erfahrung gestellt. Verkauft wird des Verkaufens und des Geldes wegen und nicht weil man vom Produkt überzeugt wäre. „Reine Chefsache“ zeigt, dass der Gesellschaftsfeind von heute keine Nazi-Uniform trägt und Minderheiten hetzt, sondern Anzug und Krawatte trägt und jeden bei Seite räumt, dessen Geld er möchte. Wen interessiert da Hautfarbe, Religion oder sexuelle Vorlieben? Geld ist Geld.

„Reine Chefache“ klärt auf, in dem er einen nicht hoffnungslosen Fall zeigt. Die Rolle von Topher Grace (der Tobey Maguire zum verwechseln ähnlich sieht) wurde über Jahre gehirngewaschen, ein Elternteil, das ihn an die Hand nahm und über die wichtigen Werte des Lebens aufklärte, existierte nicht. Und so wandelt sich der schnelle Aufsteiger über die Begegnung mit seinem „Untergebenen“, der Rolle Quaids, zu einem anständigen Menschen. Nebenbei verliebt er sich in die Tochter Quaids, gespielt von Scarlett Johansson, die erneut beweist wie gut sie spielen kann.

Mir ging der Film sehr nahe. Ich fand ihn, trotz gewisser blauäugiger Momente, sehr intensiv erzählt, fand auch, dass er beim Publikum den richtigen Nerv trifft. Langeweile kommt nie auf. In einer etwas zu aufgesetzten Szene taucht Malcolm MacDowell auf, der ebenfalls wieder zu überzeugen weiß. Sein Schurkengesicht ist einfach ideal zur Hollywood-Klischeezeichnung des bösen obersten Chef eines gesichtslosen Konzerns.

Dass es jeden beim Ausselektieren treffen kann wird am Schluss noch einmal sehr deutlich gezeigt, wenn der Chef der beiden Hauptfiguren gefeuert wird. Eben noch sein großes Idol, die Rolle des McDowell, angehimmelt, im nächsten Moment auf der Straße, weil eben dieser für ein paar Kröten mehr den Laden an wen anders verkauft hat. So werden auf modernem Wege Menschen aus ihrem Leben gerissen, und dank der Grundhaltung, dass nur wer Junges für einen Job taugt, braucht der Arbeitslose, wenn er über 30 ist, eigentlich schon gar keine Arbeit mehr suchen gehen. Zumindest nicht in dem Bereich, den er Jahre lernte und dem er Jahre diente.

Leider zeigt „Reine Chefsache“ nicht die Auswirkungen. Wir haben alle vor Augen wie Menschen unter der Fuchtel der Nazis enteignet und misshandelt wurde. Ein Mensch der Job, Ersparnisse und Haus verliert und wenn überhaupt nur noch unmotivierteste Arbeit verrichten darf, ist fast auf gleicher Stufe zu nennen. Seine Peiniger bleiben anonymer als die der Naziopfer , sie sind aber dennoch vorhanden. Schade dass der Film genau in diesem Bereich ausblendet.

Im Gegenteil, genau hier erzählt „Reine Chefsache“ nun von dem Wunschdenken, was man leider all zu oft in US-Filmen hört: Jeder kann es schaffen, und wenn Du an Dich glaubst und ehrlich bist wirst Du belohnt. Das Happy End ist purem Glück zu verdanken, wird aber leider nicht als solches deutlich dargestellt, was die ansonsten so vorbildliche Aufklärung verwässert. Zumindest zeigt die Rolle von Grace im Finale, dass man sich nicht von der offiziellen Angstmacherei anstecken lassen sollte, man solle sich auf Teufel komm raus einen Job suchen. Die übliche Propaganda von heute hätte das Gegenteil behauptet: Nimm den Job der Dir am Ende des Filmes angeboten wird, heutzutage ist es doch so wichtig einen Beruf zu haben. Erstaunlich wie viele auf diesen Mist täglich hereinfallen.

Von der Inszenierung her gibt es von meiner Seite aus nur einen gravierenden Kritikpunkt: Wer über das hier angesprochene Thema aufklären will, wenn auch über die Form eines Unterhaltungsmediums, der wäre ehrlicher gefahren, wenn auf das ewige Product Placement verzichtet worden wäre. Markenzeichen von Autos, Getränken, Kreditkarten, was auch immer, werden häufig eingeblendet und mit Absicht gut im Bild positioniert. Hollywood ist halt auch nur Geldmacherei, auch hier zählt: Geld ist Geld. Ein Film, der seine Botschaft ernst meint, hätte aber gerade in diesem Punkt darauf verzichten müssen. Und wer den Zusammenhang nicht erkennt, hat ohnehin nichts begriffen, nicht einmal durch diesen Film.

„Reine Chefache“ ist ein gelungenes Werk und eignet sich auch zum öfters gucken. Er ist lustig und traurig, er stimmt nachdenklich und schafft es, dass man auch seine eigene Grundhaltung noch einmal überprüft. Letztendlich ist er allerdings doch zu sehr Märchen. Damit darf er sich zu Filmen wie „Dave“ oder „Dangerous Minds“ einreihen, ist von Letztgenanntem vom Niveau her aber meilenweit entfernt. Dafür ist „Reine Chefsache“ handwerklich einfach zu gut und inhaltlich zu anspruchsvoll. 


Trailer,   OFDb

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