Freitag, 30. November 2012

FREITAG DER 13. 5 - EIN NEUER ANFANG (Friday The 13th 5: A New Beginning 1985 Danny Steinmann)


Tommy Jarvis ist mittlerweile volljährig und hat die Erlebnisse mit Killer Jason noch immer nicht verkraftet. Er nimmt an einer neumodischen Therapieart in einer offenen Nervenheilanstalt teil. Kaum dort angekommen sterben Insassen und Mitarbeiter im Rekordtempo. Ist Jason aus dem Grab auferstanden?...


Was der Horrorfan nicht verzeihen kann...

Nachdem er drei mal herumwüten durfte, starb Jason in Teil 4 (zunächst) endgültig, wie und warum auch immer. Da Jason bereits nicht der erste Killer der Reihe war, dachten sich die Produzenten, es wäre nicht weiter wild erneut einen neuen Killer zu erfinden. Damit hatten sie sicherlich nicht unrecht, ganz überzeugt waren sie von der Idee aber scheinbar trotzdem nicht. Und in ihrer Unsicherheit begangen sie einen großen Fehler: Dass Jason diesmal nicht der Killer ist erfährt man erst am Schluss (man verzeihe mir den Spoiler).

Der Mörder ist diesmal ein Nachahmungstäter, eine Idee die nicht von Einfallsreichtum gesegnet, aber durchaus brauchbar ist. Hätte man diese Tatsache zuvor verraten, wäre die Enttäuschung am Ende nicht so groß gewesen, man hätte sogar einen Film lang Zeit gehabt sich an diese Idee zu gewöhnen, um dann zu beurteilen, ob die Reihe dennoch funktioniert. Die Macher von Teil 5 dachten jedoch, es wäre toll eine kleine Überraschung am Schluss aus dem Ärmel zu ziehen. Diese wurde statt eines Knalleffektes für den Fan zur Enttäuschung, so dass man aus dieser heraus zu dem falschen Schlusspunkt kam, es würde am falschen Killer liegen, dass Teil 5 eher schwach geraten war. Das ist allerdings völliger Unsinn.

Spätestens mit der Eishockeymaske hatte der Nachahmungstäter alles was den Fan glücklich gemacht hätte. Was ist Jason schon? Ein nicht totzukriegender Killer, der erst durch die Maske in die 1. Liga der Horrorfilmfiguren aufgestiegen ist. Seinen Platz hätte jeder andere mit der gleichen Gesichtsbekleidung locker übernehmen können (deswegen ist die Idee mit dem Nachahmungstäter für die Reihe wohl besser, als wenn ein komplett neuer Mörder das Ruder übernommen hätte). Nein, am Killer lag es nicht, dass Teil 5 so mau ist.

Was dem 5. Teil trotz des groben Einhaltens des üblichen Rezeptes fehlt, ist die dichte Atmosphäre die seine Vorgänger ausmachte. Diese waren (manchmal fast unerträglich) zäh und spannungsarm, sie waren aber auch sehr dicht und bedrohlich erzählt. „Ein neuer Anfang“ schafft es zwar die Geschichte inhaltlich interessant weiterzuführen, lässt die gewohnt tolle Atmosphäre jedoch vermissen. Das liegt mitunter auch an der, erstmals in der Freitag-Reihe auftauchenden, Verwendung humoristischer Szenen. Wo spätere Teile diese nur noch zaghaft einsetzten, erlebt man in Teil 5 aufdringliche Klamaukszenen. Debile Hinterwäldler-Nachbarn ziehen mit ihren affigen Sprüchen und ihrem überzogenen Verhalten und Aussehen das Niveau weit nach unten. Trotz ihrer eher geringen Anzahl von Auftritten macht dies, meiner Meinung nach, viel kaputt.

Die Geschichte selbst ist recht interessant. Maskenbastler Tommy Jarvis tötete als Kind Jason (siehe Teil 4). Sein Leben war damit gerettet, sein Gehirn hat diese Erlebnisse allerdings nie verkraftet. Würde man hier nicht von „Freitag der 13.“ sprechen, einer an sich doch recht niveaulosen Reihe, hätte man vermuten können, dass gerade die Angst vor Jason, durch das Vorhandensein des Nachahmungstäters, ein interessanter Aspekt sein könnte. Psychologisch clevere Möglichkeiten wären gegeben gewesen, um mit dem Gesundheitszustandes Jarvis zu spielen, seine Situation zum Spielball gekonnter Storyumschwünge zu machen.

Allein, dass Jarvis selbst verdächtig wäre, hätte ein interessantes Storyelement werden können (was man verspätet wohl scheinbar bemerkte, so dass immerhin diese Idee in Teil 6 gelungen aufgegriffen wurde). Aber wie erwähnt erwartet man in einem „Freitag der 13.“-Film aufgrund des nicht vorhandenen Niveaus seiner Vorgänger solche cleveren Vertiefungen nicht. Und so wandert auch Teil 5, trotz seiner guten Storyidee, auf eher banalen Pfaden.

Erstmals wurde der Crystal Lake verlassen. Das ging auch in Ordnung, immerhin ist die Idee den Mörder in einer modernen psychiatrischen Klinik wüten zu lassen als gut zu bezeichnen. Der Erfolg von Teil 4 veranlasste die Produzenten zudem dazu erneut einen kleinen Jungen in die Geschichte zu integrieren. Zum Glück wurde die Rolle des Jarvis damit nicht an den Rand gedrängt und somit mehr als ein dünner Übergangsfaden von Film zu Film gesponnen.

Das wahre Feeling will aber trotzdem partout nicht aufkommen. Die Schauspieler sind blass wie in jedem Teil, sollen aber Rollen spielen, die etwas mehr Talent als üblich abverlangen. Somit fehlt den Figuren die nötige Wirkung. Die Nachbarn nerven, und auch der neue Jarvis-Darsteller spielt viel zu blass. Orientiert man sich an seinem Spiel, wundert es wie aus dem Jammerlappen ein so starker Charakter in Teil 6 wurde. Zumindest die gewohnte Musik lässt den Fan nicht im Stich und kann das ein oder andere an der Atmosphäre retten. Manche Szenen wissen zu überzeugen, meist die kurz vor und während der Morde. Das Finale ist zwar recht nett umgesetzt, ist aber insgesamt zu banal und zu schnell vorbei. Neben besserer Darsteller fehlte es einfach an guter Regie. Die Bücher waren seit je her schwach, daran konnte Teil 5 nicht scheitern.

Akzeptiert man den Killerwechsel, so ist aus Teil 5 dennoch nur ein belangloser Beitrag zur Reihe geworden. Er ist nicht so schlecht wie Teil 9, eher vergleichbar mit Teil 4, der aber trotz seines Mittelmaßes eine dichtere Atmosphäre vorweisen konnte. Teil 5 ist wie ein Fußball, dem man zu viel Luft rausgelassen hat. Letztendlich hält sich der Film ausgerechnet mit den Elementen über Wasser, die längst ausgelutscht sein müssten (und von vielen Filmkritikern bereits seit Teil 2 auch bemängelt wurden): harte Morde, eiskalter Killer, bedrohliche Musik, unartige (wenn auch geisteskranke) Teens. Routiniertes Mittelmaß ist mit Teil 5 gegeben, mehr aber auch nicht.


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