Mittwoch, 28. November 2012

THE HAPPINESS OF THE KATAKURIS (Katakuri-ke no kôfuku 2001 Takashi Miike)


Nachdem er seine Arbeit verloren hat, eröffnet Masao Katakuri eine Pension in der Einöde, von der es heißt, dass hier bald ein Wohnort entstehen soll. Mit der kompletten Großfamilie geht man gut motiviert ans Werk, das Glück bleibt jedoch aus. Erst nach langer Zeit gibt es den ersten Kunden, und der begeht gleich Selbstmord. Da der Ruf ruiniert wäre, wenn sich diese Bluttat herumspricht, begraben die Katakuris den Mann im angrenzenden Wald und schweigen. Doch auch die nächsten Gäste verlassen das Gebäude nicht lebend, und die nächsten, usw. Bald gehört es zur Tradition der Katakuris Gräber im Wald für ihre Gäste zu schaufeln...


Hotel Dead Hampshire...

Regisseur Takashi Miike genießt einen Ruf als Kult-Regisseur. Ich kenne seine anderen Filme bisher nicht, müsste ich mich diese Aussage betreffend jedoch an „The Happiness Of The Katakuris“ orientieren, hätte er meiner Meinung nach diesen Ruf zu unrecht. Miike bedient sich skurriler Zusatzelemente, wie gerade die Eingangssequenz beweist, um seiner Geschichte zusätzlichen Touch zu bescheren. Leider wirkt dieser meist aufgedrückt und will mit dem Rest der Inszenierung nicht eins werden.

Sein Grusical orientiert sich am südkoreanischen Streifen „The Quiet Family“, ein nettes Filmchen voll interessanter Ideen, wenn in seiner Umsetzung manches Mal auch etwas zäh. Miike macht aus der morbiden Story mit eher leisen Tönen eine Musical-Party, und ich muss schon sagen dass diese Idee zu reizen vermag. Die Umsetzung ist grotesk, also verzeiht man die schlechte Tanz-Choreographie, manchmal auch manch mangelndes Schauspiel. „The Happiness Of The Katakuris“ ist oft absichtlich schlecht gemacht, was jedoch nur ein Bereich des angesteuerten Trashs ist.

An mancher Stelle, meist in Musikszenen, bekommt der Streifen tatsächlich Kultpotential und erinnert in seinen besten Momenten an den schrillen Stil der „Rocky Horror Picture Show“. Dessen Musik war sicherlich anspruchsvoller zu nennen, aber auch Miikes Werk bedient sich musikalisch nicht nur einer Stilrichtung, so dass für Abwechslung gesorgt ist.

Doch wenn ein Film die Tendenz besitzt zu nerven, und genau das tut die Neuverfilmung von „The Quiet Family“ recht häufig, dann wirkt es nicht gerade förderlich, wenn in der zweiten Hälfte des Filmes sich des öfteren sehr langsame Lieder tummeln. Japan-Schlager in einem kitschigen Farbenmeer wie aus schlechten Hitparaden im TV, ja, das ist gewollt bunt und schlecht, erreicht aber nicht das Niveau der Schluss-Szene und Traumsequenz aus „Der kleine Horrorladen“, in welchen ein ähnliches Ziel anvisiert wurde. Der Vergleich zeigt auch deutlich, wie viel mehr mit einer besseren Besetzung möglich gewesen wäre.

Doch da mag teilweise auch die deutsche Synchronisation Schuld sein, die zwar technisch gesehen typischer Standart ist, leider aber einige Stimmen präsentiert, die zur jeweiligen Figur nur bedingt bis gar nicht passen. Der Opa und der Familienvater sind gut besetzt. Der Rest eher mau bis o.k.

Miike verwendet des öfteren Knetgummianimationen, und wann er diese einsetzt ist nicht zufällig, sichtet man besagte Momente doch meist dann, wenn eine reale Umsetzung recht teuer gewesen wäre. Schlimm ist das nicht, in der Theorie ist diese Ausflucht sogar einfallsreich zu nennen. Doch trotz gut umgesetzter Animation (besonders die Gesichter und die Ähnlichkeiten zu ihren reellen Originalen sind geglückt) wissen diese Szenen jedoch nie zu wirken, besitzt der Regisseur doch kein Händchen dafür, diese in seine gewollt konfuse Inszenierung zu integrieren. Das verwundert schon ein wenig, müsste es im Meer skurriler Ideen doch um so leichter sein so etwas einzubauen, als in einem Film, der eher den üblichen Regeln folgt.

Miike will zu viel, und so nervt und nervt und nervt er. Ob es nun am Original aus Südkorea liegen mag oder an einigen guten eigenen Gimmicks, für Momente schafft es der Film trotzdem immer wieder Interesse zu wecken. Hat man erst einmal die ersten 5 – 10 Minuten überstanden, die man als Tiefpunkt des Werkes bezeichnen kann, wird es eigentlich recht witzig. Trotz skurriler Ideen und einiger (mal netter, mal weniger netter) Unnötigkeiten verliert Miike nie das versteckte Zentrum des Films aus dem Auge: die Fröhlichkeit der Familie Katakuris.

Diese Familie war im Original noch etwas verzweifelter, hielt aber auch dort immer am Optimismus und am familiären Zusammenhalt fest. Mag sein dass es an fröhlichen Liedern und dem Tanzen liegt, dass sie im Remake eine Spur fröhlicher wirken. Ihre unprofessionelle und unbedarfte Art zu tanzen unterstützt diese Wirkung sogar.

Einzig pessimistischer Charakter der Familie ist der Sohn, der aber ohnehin als das schwarze Schaf zählt. Doch auch ein solches wird im Schoß der Familie akzeptiert, einen Schoß wundervoller Charaktere. Den Vogel abgeschossen hat man mit der Figur der Tochter. Diese hat ein Kind, der Erzeuger hat sie noch während der Schwangerschaft verlassen, und nun wartet sie gespannt auf ihren Traumprinzen, und das kann eigentlich jedersein, so sehr wünscht sie es sich und so sehr belügt sie sich selbst.

Zur völligen Entfaltung kommt dieser Charakter durch einen Subplot, in welchem sie einen offensichtlichen Betrüger kennen lernt dem sie verfällt. Der liefert mit seinem ersten Auftritt auch gleich eine kultige One Man-Show ab, in welcher er als der große Frauenschwarm dargestellt wird, was nicht nur durch Tanz und Musik schräg wirkt, sondern auch schon dadurch, dass er alles andere als ein optischer Traumprinz wäre.

So bekommt jede Figur ihre eigene kleine Macke, die sie zu dem macht, was sie ist. Nicht jeder bekommt so einen großen Subplot beschert wie die Tochter. Beim Sohnemann begnügte man sich beispielsweise damit, dass ihm vergangene Taten ewig nachgetragen werden, ganz besonders der Diebstahl von Portmonees. Letztendlich geht es aber ohnehin nur um die Familie im ganzen und um deren Optimismus im ewigen Unglück.

So sehr sich Miike um kultige Ideen bemüht, so sehr ähnelt das Ergebnis, wenn auch nicht im Inszenierungsstil, „Crank 2“, der an gleichen Problemen krankte. Auf „The Happiness Of The Katakuris” betrachtet, erscheint ein Blick auf das Original “The Quiet Family” fast spöttisch. Ohne Musik auskommend bot dieser wesentlich bessere Choreographie. Und obwohl er normaler umgesetzt war, punktete er mit eher stillen besonderen Ideen und Witzen. Wo Miike mit dem Holzhammer draufhaut und im Ergebnis eher schwach bleibt, da punktet der sensible und pfiffige südkoreanische Vorgänger mit genau dem, was Japans Kult-Regisseur möchte: Individualität durch besondere Ideen.

Ich war häufig in Versuchung frühzeitig auszuschalten. Dafür war der magere Film aber wiederum zu interessant. Außerdem wartete ich ungeduldig auf die in der Programmzeitschrift versprochenen Zombies, die sich leider nur als kurze Traumsequenz entpuppten (sich aber in Musik und Tanz als Höhepunkt des Films betrachten dürfen).

Wer also diesbezüglich ebenfalls falsch informiert wurde und nur deshalb einschalten wollte, der sollte lieber zu „Nudist Colony Of The Dead“ greifen, einem Grusical mit tanzenden Nudistenzombies, einem Film der dem ausgeleierten und zu Kommerz verkommenen Begriff Kult näher kommt, als der hier besprochene Streifen. Wen die Geschichte lockt, der sollte (erst) das Original gucken, das weckt die Neugierde noch etwas mehr auf eine schrille Musical-Umsetzung.

Schon „The Quiet Family“ zeigte wie viel Potential in der Geschichte steckt. Bei all den in der Theorie interessanten Gimmicks und Skurrilitäten wäre es wünschenswert gewesen, jemand anders hätte sich an das Projekt eines japanischen Remakes herangewagt. Denn die Idee einer aufgeblähten Musical-Version finde ich nach wie vor gut. Schade dass das, was mit dieser Idee möglich gewesen wäre, immer nur kurz um die Ecke linst.


Trailer,   OFDb

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