Freitag, 16. November 2012

THE SLUMBER PARTY MASSACRE (1982 Amy Holden Jones)


Ein Psychopath zieht mit seinem Drillerbohrer durch die nächtliche Stadt und findet interessante Opfer in einer Gruppe Teenager-Damen, die sich gerade einen Mädchenabend gönnen...


Wieder ein Driller Killer...

Dieser frühe 80er Jahre Slasher ist schon einen Blick wert. Mal hält er sich streng an die Regeln des Sub-Genres zu dem er gehört, manchmal macht er es überhaupt nicht. Obwohl er szenenweise augenzwinkernd erzählt ist, bricht der Humor nie zu sehr durch. So bleibt einem ein eher ernster Beitrag mit gelegentlicher humorvoller Auflockerung durch witzig gemeinten Seitenhieben aufs Genre.

Der Titel klingt nach einem Horrorfilm mit ziemlich viel Nacktheit. Erscheint im Vorspann der Name eines weiblichen Regisseurs gibt man im Hinterkopf bereits Entwarnung, und dann wird es doch noch wie zunächst vermutet: ständig darf man Frauen sichten, die sich entkleiden, selbst der Filmanfang präsentiert weibliche Nacktheit. Für das damals biedere Amerika war der Film sicherlich ein pubertärer Traum. Was man hier an Brüsten präsentiert bekommt kann den "Freitag der 13."-Filmen locker den Rang ablaufen, die ja nur mit einer kleinen Dosis Erotik provozierten.

Im Normalfall ist es so, dass Horrorfilme mit zu viel Fleischeinsatz nach hinten los gehen. "The Slumber Party Massacre" hat das Glück zu funktionieren. Und er funktioniert ohne maskierten Mörder und ohne Killerraten, im Gegenteil, relativ früh darf man den Psycho mit seinem ominösen Bohrer, der optisch das ein oder andere Mal bewusst als Phallussymbol eingesetzt wird, umherschlendern sehen, ohne dass ein Geheimnis um seine Identifikation gemacht würde. Man kennt ihn somit, auch wenn man ihn charakterlich gar nicht kennt. Er ist psychisch krank, und das ist das einzige das wir zu wissen brauchen.

Trotz seiner eher mäßigen Schauspielleistung kann er überzeugen. Wie kaum überraschend zu erwähnen, kann hier ohnehin niemand schauspielern, doch unsere Darsteller schaffen es fast alle nicht zu negativ aufzufallen. Lediglich einige Szenen sind zu hölzern inszeniert. So sieht man mitunter das langsamste und verkrampfteste Basketball-Spiel der Welt, und eine Szene, in der eine Teenagerin einen Jugendlichen über den Haufen rennt, ist trotz Vertuschungsversuch mit Schnitten als sehr ungelenk gespielt nicht zu übersehen.

Die unfreiwillige Komik hält sich in diesem Streifen überraschend zurück. Trotz ständig auftauchender Unlogiken wirkt das Gesamtwerk einfach im vorhinein zu überzogen, als dass man sich daran stören würde. Eine der wirklich witzigen Unfreiwilligkeiten dieses Slashers ist die titelgebende Party, die lahmer nicht sein könnte. Mädels treffen sich und verbringen einen Abend zusammen. Die Party kann man hier suchen. Zumindest erfreut es, dass trotz ewiger Pseudo-Erotik die Damen nicht, wie es europäische Beiträge im Vergleich gerne zeigen, miteinander herummachen. Dieser Verzicht macht an der Atmosphäre viel aus.

Diese ist nämlich trotz aller gewollter Lustigkeit relativ düster, und ab und an gibt es sogar Momente von Spannung. Hilfreich unterstützend ist hierbei die Hintergrundmusik, die besser in einen „Dracula“-Film passen würde als in ein Kinoprodukt dieser Art. Aber so lange sie wirkt, soll das nicht unser Problem sein.

Nach einiger Zeit finden sich auch (uneingeladene) Jungs auf der Party ein. Wo diese in anderen Filmen hilfreiche Beschützer sind, sind sie hier genauso hilflos wie das schwache Geschlecht. Das ist eine erfrischende Abwechslung. Doch damit noch nicht genug: der Finalkampf gegen den bösen und körperlich und waffenmäßig überlegenen Killer dürfen gleich drei Mädels auf einmal führen. Das dürfte wohl auch die größte Slasherregel-Missachtung gewesen sein, und die hat es dafür auch in sich. Hier wird der Mörder attackiert, umgeworfen, entwaffnet, erstochen und so weiter und so fort, und der elende Halunke will einfach nicht sterben. Ja, so mag es der Horrorfan und so soll es trotz aller Unlogik auch sein.

Die Härte des Streifens ist für die frühen 80er Jahre nicht ohne. Die ersten Morde geschehen auf die harmlose Art und man muss etwas Geduld beweisen, doch nach langer Zeit des Wartens wird ordentlich draufgehalten. Da gibt es eine "Bohrer durch den Körper"-Szene von vorne zu betrachten, es gibt eine abgehackte Hand, bös zugefügte Körperwunden, Messereinstiche, blutende Opfer und vieles mehr. Die Tricks sind gut gemacht und auch inhaltlich und atmosphärisch nicht lieblos eingefügt. Auch in solchen Momenten bricht die plumpe aber unterhaltsam dichte Atmosphäre nie ab.

Als nette kleine Idee am Rande darf man eine Mordszene, abgewechselt mit der eines von einem der Mädels in einem Horrorfilm geguckten ähnlichen Szene, sichten. Dies ist wohl auch der schwarzhumorigste Moment des Films.

Lediglich die Geschichte selbst ist ziemlich schlicht, ja gerade zu plump. Um so schöner zu sehen, dass das Drehbuch in anderen Bereichen trumpfen kann, z.B. wird für einen Film dieses Kaliebers recht gut herausgearbeitet, wann wer warum zur Geschichte stößt. Gerade in der zweiten Hälfte, wenn der Killer seine Opfer benötigt, um den Horrorfan nicht traurig zurückzulassen, werden die Figuren aus netten Gründen zu richtigen Zeitpunkten vom Drehbuchautor auf den Weg in das Partyhaus geschickt.

“The Slumber Party Massacre“ ist ein kurzweiliger, plumper aber auch atmosphärischer Slasher, augenzwinkernd erzählt ohne dabei all zu albern zu werden, mit harten Szenen geschmückt, akzeptablen Darstellern im Gepäck, etwas Spannung auf Lager, netter Musik zur Bereicherung und jeder Menge nackte Haut. Diese stört nicht, und wer Nacktheit in Horrorfilmen braucht wird sich bei "Slumber Party Massacre" vor Freude nicht mehr einfinden. Immerhin wurden im Gegensatz zu ähnlichen Werken, mit ähnlich viel freier Körperkultur, nicht nur der Präsentation im Evakostüm Aufmerksamkeit geschenkt. Manchem könnte die erste Hälfte etwas zu gestreckt erscheinen, ich hingegen mag langsamen Filmaufbau und genieße auch gerade deshalb gerne diese frühen Werke des immer noch aktuellen Subgenres des Horrorfilms.


Trailer,   OFDb

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